Auf dem heiligen Maifeiertag sind wir mal wieder im Auftrag des Herrn, sprich Rock ’N’ Roll, unterwegs. Heute ein Ausflug ins YUCA, ein Kölner Club unter den Bögen der Eisenbahn im Stadtteil Ehrenfeld. Direkt nebenan befindet sich der Clubbahnhof Ehrenfeld, wo auch oft interessante Acts aus der ganzen Welt gastieren. Wer mit dem eigenen Auto anreist, dem empfehlen wir den AMPIDO Parkplatz in etwa 200 Metern Entfernung, da ansonsten die Parkplatzsuche zu einem echten Abenteuer werden kann. Wie in allen größeren Städten halt. Vor der Location tummeln sich schon eine Handvoll Leute und wie man hört, gab es wohl auch V.I.P. Tickets für die Show. Das bestätigt sich beim Betreten der Venue, da die erste Reihe schon belegt ist. Nun heute hat anscheinend jeder Hinz und Kunz diese überteuerten Tickets im Angebot, egal in welcher Liga man musiziert.
Das Programm startet mit Wilt aus Los Angeles. Seit der Veröffentlichung ihrer Debütsingle „Gwen“, hat sich Wilt von einer relativ unbekannten Band zu einer der angesagtesten Bands aus Los Angeles entwickelt. Mit über sechzig Millionen Aufrufen auf Instagram und TikTok bis heute, haben die Alternative-Rocker um Sängerin Chelsea Rifkin, den Gitarristen Aaron Liebman und Andrew Vance sowie Schlagzeuger Dan Bermudez, eine so treue Fangemeinde aufgebaut, dass sie sich nicht länger selbstironisch als „eure Lieblingsband, von der ihr noch nie gehört habt“ bezeichnen können. Und bevor sie jemand mit der gleichnamigen Death Metal Band aus Deutschland oder der irischen Kapelle aus den Neunzigern verwechselt, nein hier gibt es eine groovige Mischung aus Alternative Rock, Grunge und Indie-Rock. Auch wenn die erst im Jahr 2022 gegründete Truppe sich selber als Bedroom-Rocker bezeichnen, rockt es gewaltig! Ehrliche Texte, energetische Gitarren und die markante Stimme der Sängerin Chelsea Rifkin überzeugen das Publikum im ausverkauften YUCA. Gut für meine Begriffe hätte ich ein wenig mehr Bühnenaktion der Gitarrenfraktion ganz nett gefunden. Aber außer, dass sie ab und zu geschlossen auf die Knie gingen, gab es da nicht viel Bewegung. Ganz im Gegensatz zu Sängerin Chelsea, die richtig in ihrem Metier war und jeden Zentimeter der Bühne ausnutzte. Alles in allem ein gelungener Support.
Setlist: The Riff, Bad Seed, Nothing Good To Cry About, You’re The One To Blame, Suffocate, Nothing Special, Dent, All The Things, Gwen, Moved Along, Bite MY Tongue, She Wants Me To Go
Nach blitzschnellem Umbau kommt jetzt auch schon der Hauptact auf die Bühne, aus Nashville beglückt uns nun Taylor Acorn mit ihrer Show. Die ursprünglich aus Pennsylvania stammende Singer-Songwriterin, zog es irgendwann vor, ihre Basis in die Musikmetropole Nashville zu verlagern. Vor ihrer Musikerkarriere war Taylor übrigens eine talentierte Leichtathletin, was man ihrem durchtrainierten Körper durchaus ansieht. Stilistisch verbindet sie nostalgische Pop-Punk-Vibes, die ein wenig an die Anfänge von Avril Lavigne erinnern, mit verletzlichen und modernen Texten, die sie selbst als eine Art Therapie bezeichnet. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass die Lady bisher komplett an mir vorbei gegangen ist und ich sie mehr durch Zufall entdeckt habe. Zum Glück muss ich sagen, denn Taylor Acorn rockt verdammt gut ab! Und auch im Publikum sind etliche Fans, die jeden Song mitsingen können. Ein absolutes Highlight ist allerdings auch Gitarrist Ricky Jab. Mit rot eingefärbter Pudelfrisur zeigt er eine energiegeladene Bühnenpräsenz, die seinesgleichen sucht. Der Typ muss doch am Ende der Show total fertig sein. Wie ein Brummkreisel auf Speed, fetzt er mit seiner Axt nonstop über die Bretter, einfach unglaublich! Dazu eine präzise Rhythmus Maschine am Schlagzeug, Mister Connor Allen, der seit 2023 die Live Besetzung vervollständigt.
Und Taylor rockt ihren hochenergetischen Pop Punk voller Inbrunst und viel Interaktion in die Menge. Aber es gibt auch einige ruhige Momente, wo sie die Akustik Gitarre auspackt und dadurch eine sehr intime, persönliche Atmosphäre schafft. Der Hauptteil der Show rockt allerdings vom Feinsten. Leider ist nach wenig mehr als einer Stunde inklusive zwei Zugaben der Spaß auch schon vorbei. Ich hätte ja gerne noch zwei, drei Worte mit der Dame gewechselt, aber sie ließ sich nach dem Auftritt nicht mehr blicken. Wahrscheinlich ist das dem V.I.P. und Meet und Greet Zirkus geschuldet.
Setlist: Poster Child, People Pleaser, I Think I'm in Love, Coma, Blood on Your Hands, Cheap Dopamine, Goodbye Good Riddance, Burning House, Certified Depressant, Home Videos, Crashing Out, Greener, Birds Still Sing, Shapeshifting, Psycho











































