BEHEMOTH - I LOVED YOU AT YOUR DARKEST


Label:NUCLEAR BLAST
Jahr:2018
Running Time:46:32
Kategorie: Neuerscheinung
 
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Hätte man dem vierzehn-jährigen Adam „Nergal“ Darski, bei der Gründung von Behemoth 1991 prophezeit, dass er mal ein nach einem Bibelvers betiteltes Album veröffentlichen würde, er hätte zum Beweis des Gegenteils, vermutlich die nächstbeste polnische Kirche angezündet und anschließend auf dem „Altar Of Sacrifice“, im heimischen Kinderzimmer dem Diabeł zur Besänftigung ein Opfer gebracht. Heute, siebenundzwanzig Jahre später, hat „Nergal“ nicht nur kein Kinderzimmer mehr, er ist auch weit davon entfernt, Kirchen anzuzünden (Bibel zerreißen muss reichen). Und er schreckt auf „I Loved You At Your Darkest“, auch nicht vor besagtem Bibelzitat als Titel zurück. Haben Behemoth etwa dem Gehörnten abgeschworen? Mitnichten! Denn textlich liegt das Augenmerk weiter auf religiöser Provokation. Dafür hat sich musikalisch einiges getan. „Nergal“ hat nicht unrecht, wenn er Behemoths inzwischen elften Langdreher einerseits als extrem und radikal, aber gleichzeitig auch als rockigsten der Bandgeschichte bezeichnet. Das klingt wie ein Widerspruch und man braucht in der Tat auch einige Durchgänge, um zu erfassen, was uns die drei Polen mit den zehn neuen Songs (plus Intro und Outro) sagen wollen. Natürlich klingen Behemoth immer noch nach Behemoth. „Nergal“ röhrt wie eh und je und kommt (zum Glück!) nicht auf die Idee, die Songs mit Klargesang „veredeln“ zu müssen. Und anständig geknüppelt wird auch noch bei jedem Song. Aber es haben auch einige „stilfremde“ Elemente Einzug in die Musik gefunden, was die Band sicherlich für noch größere Hörerschichten kompatibel machen wird, Fans der ersten Stunde aber eher weniger schmecken dürfte. Dabei geht es mit „Wolves Ov Siberia“ noch ziemlich klassisch los, und auch Songs wie „Angelvs XIII“ und „Ecclesia Diabolica Catholica“ (mit Primordial-eskem Schlusspart) sind typische Behemoth-Kracher. Aber bereits beim anfangs an Ghost erinnernden „God=Dog“ überrascht die Band dann mit neuen (Gothic-)Tönen, die beim sehr düsteren „Bartzabel“ noch deutlicher hervortreten. Neben der gotischen Düsternis hat aber auch die Melodie Einzug gehalten bei Behemoth, was beim Song „Sabbath Mater“ in einem Frickel-Part gipfelt, den man beinahe als „Satanic Dream Theater“ bezeichnen kann. Bei „Havohej Pantocrator“ werden erfolgreich Einflüsse aus dem Post-Black Metal verarbeitet, und es zeigt sich, dass die Erweiterung des musikalischen Spektrums dem Sound der Band durchaus gut zu Gesicht steht.  „Auch wenn unser Ursprung Black-Metal ist, ist Behemoth irgendwie darüber hinaus gewachsen und zu etwas Größerem geworden“, lässt uns „Nergal“ noch wissen. „Es ist Kunst.“ Recht hat er. Aber was wohl der vierzehn-jährige „Nergal“ dazu sagen würde?

Note: 8 von 10 Punkten
Autor: Sebastian Thiel


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