BOBBY RONDINELLI - Rock and Roll is crazy!


Wann hat man schon einmal die Gelegenheit, einen seiner Lieblings-Schlagzeuger persönlich zu treffen? Dieser Zufall ereilte mich bei der Interview-Anfrage für Axel Rudi Pell. Axel selbst gibt keine Interviews, wenn er auf Tour ist, und ich wurde gefragt, ob ich mit allen anderen ebenfalls sprechen würde. Ich sagte dem Promoter, dass ich Bassist Volker Krwaczak sprechen wollte, weil er ebenfalls Original-Mitglied ist, und ob ich als Schlagzeuger auch Bobby Rondinelli treffen könnte. Beides ging! Und so traf ich die beiden auf dem Hinterhof der Zeche Bochum, wo sich beide ein paar Minuten Zeit nahmen. Bobby Rondinelli entpuppte sich dabei als sehr angenehmer und auch lustiger Gesprächspartner.

logoDaniel: Hi Bobby! Für mich als Schlagzeuger ist es eine Ehre, Dich hier und heute zu treffen! Schließlich bin ich mit vielen Deiner Bands, wie Rainbow, Black Sabbath, Quiet Riot, Riot und Blue Öyster Cult aufgewachsen!

Bobby: Cool! Das ist schön zu hören!

Daniel: Es ist nicht das erste Mal, dass Du in einer deutschen Band spielst. Du hast 1989 auch auf dem „Force Majeure”-Album von Doro getrommelt und warst 1983 ja sogar auch mal für die Scorpions im Studio! Wie kam den dieser Kontakt damals zustande? Weißt Du das noch?

Bobby: Ja, das stimmt! Was die Scorpions angeht: Rudolf Schenker hat mich angerufen, denn die Scorpions hatten damals für Rainbow eröffnet in den USA, und wir wurden Freunde. Und als sie jemanden brauchten, um „Love At First Sting“ einzutrommeln, rief er mich an und fragte mich, ob ich die Platte aufnehmen würde, denn Herman saß in Deutschland und hatte gesundheitliche Probleme. Ich sagte, „Okay, gib mir ein paar Tage Zeit und ich komme rüber.“ Aber er meinte nur, ich habe bereits einen Flug für mich gebucht, und der würde in zwei Stunden starten, haha! Ich sagte, „Rudolf, das ist verrückt!“, und er meinte: „Bobby, Rock and Roll is crazy!“ Also sagte ich zu, fuhr zum Flughafen und verpasste natürlich den Flug, haha! Er buchte mir dann den nächsten Flieger.  

Daniel: Aber Deine Schlagzeug-Spuren für „Love At First Sting“ wurden wieder gelöscht, oder? Zumindest steht das so in ihrer Biografie „Wind Of Change“…

Bobby: Doch! Das ist Bullshit! Sie haben definitiv meine Spuren verwendet! Sie sind nicht nochmal ins Studio zurückgegangen, um etwas zu ändern. Auf dem Album sind definitiv Jimmy Bain am Bass und ich zu hören. Ich weiß, dass sie das heute gerne anders erzählen, aber das ist völliger Blödsinn!

Daniel: Und wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Doro ein paar Jahre später?

Bobby: Ich kannte ihren damaligen Bassisten Tommy Hendriksen. Er war ein Freund von mir. Er rief mich an und fragte mich, ob ich das Album einspielen würde. Und ich sagte, „Ja klar!“ Er meinte, „Ja geil, dann rufe ich Dich nochmal an!“, aber dann passierte lange gar nichts. Ich hörte dann, dass sie einen anderen Schlagzeuger aus New York für Doro antesteten. Das ist verrückt! Warum wollten sie mich auf einmal nicht mehr? Haha! Ich wartete also lange auf seinen Anruf. Dann spielten wir nur zwanzig Minuten zusammen, und Doro sagte dem Produzenten, dass sie mich unbedingt haben wollte. Und dann bekam ich den Job. Ich fragte dann den Produzenten, warum sie sich nicht schon vorher bei mir gemeldet hatten. Und er meinte, er habe gehört, dass ich ein Arschloch sei, haha! Ich so: „Wer? Alle anderen Schlagzeuger?“, haha! 

Daniel: Mir fiel auf, dass Du nie mehr als zwei Alben für eine Band eingespielt hast. Es gab zwei Alben mit Rainbow („Difficult To Cure”, 1981 und “Straight Between The Eyes”, 1982), ein Album mit Doro („Force Majeure”, 1989), eins mit Quiet Riot („Terrified”, 1993), eins mit Black Sabbath („Cross Purposes”, ebenfalls 1993), zwei Alben mit Blue Öyster Cult („Heaven Forbid”, 1998 und „Curse Of The Hidden Mirror”, 2001) und eins mit Riot („Through The Storm”, 2002). Warum war das so? Wurdest Du lediglich als Studio-Musiker dazugeholt? Oder gab es auch andere Gründe dafür?

Bobby: Bei Black Sabbath war es damals schon so, dass sie mehr Geld bekommen hätten, wenn sie wieder mit Bill Ward aufgetreten wären. Scheiß Geschäft! Bei Riot war das anders. Ich habe nur die Platte eingespielt. Ich war nie in der Band.

Daniel: Am merkwürdigsten finde ich, dass Du auch mal Schlagzeuger bei Quiet Riot warst, schließlich ist deren Schlagzeuger Frankie Banali der einzige, der auf allen regulären Alben der Band gespielt hat! Kannst Du mir da vielleicht mehr drüber erzählen?   

bobby rondinelliBobby: Ja, ich habe auf dem „Terrified“-Album gespielt. Kevin DuBrow rief mich an. Er sagte, „Hi! Ich bin Kevin DuBrow von Quiet Riot, Du hast bestimmt gehört, dass ich voll das Arschloch bin! Bin ich auch, aber was ist mit Dir?“, haha! Aber wir wurden gute Freunde. Wir wurden gute Freunde. Ich war der einzige, der bei Quiet Riot gegangen ist, dem Kevin es nicht übel genommen hatte, denn ich habe die Band verlassen, um zu Black Sabbath zu gehen. Er hatte für Verständnis, weil er wusste, dass ich Black Sabbath liebte. Ich nahm aber nur einen Teil des „Terrified“-Albums raus. Den Rest hat dann wieder Frankie Banali gemacht. Er war zwischendurch mal bei Quiet Riot raus, aber es stimmt tatsächlich, dass er trotzdem auf all ihren Alben zu hören ist.  

Maurice (Mein Kumpel, der mitgegangen ist, mischte sich plötzlich ein): Mir fällt gerade ein, dass ich Dich auch mal mit The Lizards live gesehen habe. Fand ich richtig geil! Gibt es die Band eigentlich noch?

Bobby: Ja, ich habe noch vor drei Tagen mit ihnen geredet. Der Bassist von The Lizards will wieder neue Aufnahmen machen. Sie sind gute Freunde von mir. 

Daniel: Bist Du eigentlich mit all diesen Bands nach der Trennung noch in Kontakt geblieben? 

Bobby: Tony Iommi und ich schreiben uns immer mal E-Mails. Mit Blue Öyster Cult bin ich immer noch gut befreundet. Wir haben uns im Guten getrennt. Aber es war meine Entscheidung. The Lizards ehören immer noch zu meinen besten Freunden. Nur von Ritchie Blackmore höre ich nie etwas. Er ruft mich nicht an, er schreibt keine Mails, er verschickt keine Geburtstagskarten. Aber wir sind eigentlich auch noch befreundet, haha!

Daniel: Du hast sogar auch mal zwei Solo-Alben gemacht: „Wardance” (1996) und „Our Cross – Our Sins” (2002). Bedeutet „Solo-Album”, dass Du die Songs selber geschrieben hast? Kannst Du außer Schlagzeug noch weitere Instrumente spielen?

Bobby: Nein, ich spiele nur Schlagzeug. Ich schrieb die Songs mit meinem Bruder. Und Du kannst Songs schreiben, ohne ein Instrument zu spielen. Du summst etwas vor, er spielt es nach, und schon hast Du es geschrieben, haha!   

Daniel: Wird es in Zukunft vielleicht auch noch weitere Solo-Alben von Dir geben?

Bobby: Ja, das ist gut möglich.

Daniel: Mit Axel Rudi Pell hast Du in nur fünf Jahren schon mehr Alben gemacht, nämlich drei: „Into The Storm“ (2014), „Games Of Sin“ (2016) und „Knights Call“ (2018). Ist dies eine ernstere Band für Dich? Fühlst Du Dich bei Axel Rudi Pell „zu Hause“, wie man so schön sagt?

Bobby: Ich liebe es!

Daniel: Wie bist Du überhaupt mit Axel Rudi Pell in Kontakt gekommen?

Bobby: Er kontaktierte mich. Er hat einen Freund namens Horst, der wiederum ein guter Freund von Ritchie Blackmore ist. Und Axel und er sind richtig gute Freunde. Als Axel einen neuen Schlagzeuger suchte, fragte Horst ihn, warum er nicht einfach mich kontaktieren würde. Und so kam das zustande. 

Daniel: Kanntest Du seine alten Platten denn vorher? 

Bobby: Nein, nie gehört!

Daniel: Lebst Du den mittlerweile in Deutschland?

Bobby: Mein liegt ist hier um die Ecke, Ich wohne dort drüben! (Bobby zeigt auf den Tourbus und fängt laut an zu lachen)

bobby rondinelliSprichst Du ein bisschen Deutsch? Und probt Ihr regelmäßig? Oder schickt Ihr Euch nur Musik-Dateien über das Internet hin und her? Wie läuft das ab? 

Bobby: Ich probe zu Hause. Wenn wir ein Album aufnehmen, komme ich nach Deutschland, und Axel hat die Musik komplett fertig geschrieben. Und dann trommel ich es ein und fliege wieder nach Hause. Das ist alles. Und bevor es auf Tour geht, proben wir zwei oder drei Tage, und dann sind wir startklar!

Daniel: Sprichst Du denn mittlerweile eigentlich ein bisschen Deutsch?

Bobby (auf Deutsch!): Nein, haha!

Daniel: Du bist jetzt 62. Was meinst Du, wie lange ziehst Du dieses regelmäßige Aufnehmen und Touren noch durch?

Bobby: Ich spiele Schlagzeug, solange ich lebe. Ich habe nicht vor aufzuhören; selbst wenn mich keiner mehr anruft.

Daniel: Ja, geil! Vielen Dank, dass Du Dir die Zeit genommen hast! Hast Du noch ein schönes Schlusswort?

Bobby: Ja, danke für die guten Fragen! 

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Autor: Daniel Müller