CACTUS - SAME


Label:ATCO
Jahr:1970
Running Time:40:16
Kategorie: Classics
 

Wir blicken weit zurück zu den Anfängen des Hard Rock. Bassist Tim Bogert und Schlagzeuger Carmine Appice (der Bruder von Ex-Rainbow- und Black Sabbath-Schlagzeger Vinnie) verließen 1969 Vanilla Fudge, um eine Supergroup zu gründen. Ursprünglich sollten auch Jeff Beck und Rod Stewart mit dabei sein, doch Jeff hatte starke Verletzungen nach einem schweren Autounfall erlitten, und Rod stieg bei den Faces (ex-Small Faces) ein. So holten sich die beiden Sänger Rusty Day (ex-Amboy Dukes, wo auch Ted Nugent vor seiner Solokarriere spielte) und Gitarrist Jim McCarty (von Mitch Ryder´s Detroit Wheels) mit ins Boot. Sie landeten bei Atlantic Records (demselben Label wie schon Vanilla Fudge) und veröffentlichten ihre erste, selbstbetitelte LP im Jahr 1970. Das Album enthielt für die damalige Zeit sehr harten Blues Rock. Schon der Opener, das Mose Allison-Cover „Parchment Farm“, das auch später noch von Blue Cheer gecovert wurde, zeigt, wo es langgeht.

Schnelle Snare-Wirbel, wilde Gitarren, besessene Mundharmonica und kratziger Gesang reißen von Anfang an mit. Wir reden hier von einer Zeit, wo Grand Funk Railroad und Led Zeppelin härte- und tempomäßig das Nonplusultra waren. Black Sabbath hatten das Debüt und Deep Purple „In Rock“ noch nicht draußen. Judas Priest und Motörhead gab es noch nicht. Aus heutiger Sicht unvorstellbar! Nach dem Opener beruhigen sich die Gemüter erstmal wieder, und „My Lady From South Of Detroit“ ist eine Country-mäßige Ballade im triolischen Walzertakt. Doch der harte Rock sollte hier regieren. „Bro Bill“ ist eine coole Blues-Nummer. Und so geht es munter weiter. Lediglich bei dem ruhigen „No Need To Worry“ werden noch einmal ruhige Töne angestimmt. Hier ist ohne Ende Drive drin. Die Gitarren sägen ohne Ende, die Soli steigern sich im weiteren Spielverlauf.

Und die Mundharmonica, die das gesamte Album über als Hauptinstrument auftaucht, duelliert sich quasi ständig mit der Klampfe. Das Zusammenspiel ist toll. Der raue Gesang schraubt sich auch mal ein paar höhere Töne raus und erinnert ein wenig an Jon Fogherty von Creedence Clearwater Revival, wenn auch noch ein bisschen energischer. Beim sechsminütigen Raushauer „Feel So Good“ gibt es sogar ein Schlagzeug-Solo im Mittelteil, wie es dies häufig auf Studio-Alben in den Siebzigern gab. Die Band hat einen so geilen Drive, dass man das Gefühl hat, einer Live-Aufnahme zu lauschen. Hier ist richtig Leben drin. Besonders geil ist die Produktion. Die Gitarren klingen schön dreckig, das Schlagzeug schön natürlich. Leider redet heute kaum noch jemand über Cactus. Aber Fans von Led Zeppelin, Grand Funk Railroad, Jeff Beck Group, Cream, Humble Pie oder Ten Years After sollten sich zumindest die ersten vier Alben vor der Trennung (bis 1972) unbedingt anhören!

Tracklist:
Side 1:
Parchman Farm (Mose Allison Cover) (3:06)
My Lady From South Of Detroit (4:26)
Bro.Bill (5:10)
You Can´t Judge A Book By The Cover (Willy Dixon-Cover) (6:30)

Side 2:
Let Me Swim (3:50)
No Need To Worry (6:14)
Oleo (4:51)
Feel So Good (6:03)

Line Up:
Rusty Day – Lead Vocals, Harmonica
Jim McCarty – Guitar
Tim Bogert – Bass
Carmine Appice – Drums

Note: 8 von 10 Punkten
Autor: Daniel Müller


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