PORTA INFERI - Eine Tür aus der Unterwelt


Seit einer halben Ewigkeit wühle ich im tiefsten Metal-Underground, und seit der Jahrtausendwende auch im Ostblock Metal-Bereich. Und immer wieder stößt man im Internet nicht nur auf alte Recken, sondern auch mal auf jüngere Combos. Eine davon sind Porta Inferi, die ich seit knapp zwei Jahren kenne, und von denen ich zufällig von einem neuen Album erfahren habe, das in diesem Jahr erschien. Tschechien und Englisch ist zwar immer etwas schwierig, aber Porta Inferi haben sogar englische Texte, was für dieses Land eigentlich eher ungewöhnlich ist! Und so klappte das dann auch mit der Kommunikation im Internet. Warum der vielversprechenden Band dann keine Plattform geben? Denn verdient haben sie es! Gitarrist und Teilzeit-Keyboarder Mirek Andrássy, einziges noch verbliebenes Urmitglied von Porta Inferi, stand mir Rede und Antwort.

logoDaniel: Hi Mirek! Erzähl uns doch zunächst etwas über die Entstehung, den Werdegang und die Veröffentlichungen von Porta Inferi!

Mirek: Hi, da draußen! Nach dem Ende meiner alten Band Nathania wollte ich mein eigenes Projekt starten. Also habe ich angefangen, mit Schlagzeuger Michal Baron und Bassist Lukas Ryc zusammen zu arbeiten. Das war die erste Besetzung von Porta Inferi im Mai 2008. Wir haben dann nach einem geeigneten Sänger gesucht und uns nach einer Anhörung von sechs Kandidaten schließlich für unseren ersten Mira Raindl entschieden. Wir arbeiteten dann hart an unserem ersten Album “Another World” das dann letztendlich 2011 erschien. Am fünften November 2014 erschien jetzt endlich unser neues Album “Out Of The Difference”.

Daniel: Welche Bands haben Euch hauptsächlich beeinflusst?

Mirek: Ich mag eigentlich nicht den “klassischen Power Metal”, den jede Band spielt, wie z. B. Helloween oder Gamma Ray. Es gibt so viele großartige Bands, aber wenn von Power Metal geredet wird, fallen immer wieder dieselben Namen wie Helloween, Gamma Ray oder Sonata Arctica. Aber es gibt auch viele andere gute Bands, die zwar Power Metal spielen, aber doch anders klingen, wie z. B. Brainstorm, Amaranthe, Evergrey usw. Meine persönlichen Einflüsse gehen also mehr in diese Richtung Power Metal.

Daniel: Wovon handeln Eure Texte? Und steckt eine gewisse Botschaft in ihnen, die Ihr dem Hörer vermitteln wollt?

Mirek: Das ist sehr unterschiedlich. Meistens handeln sie vom Leben und all seinen Problemen, die es mit sich bringt. “Lights Of Andromeda” handelt z. B. von einem jungen Vater und seiner Tochter. Ihr Vater hat kein Geld zum Leben und verkauft deshalb Drogen, um Geld für seine Tochter zu haben, ohne jedoch darüber nachzudenken, dass er seine Familie so in Gefahr bringt. Als er sich entschließt, sein Leben zu ändern, erschießt ihn jedoch sein Chef und er stirbt. “Lights Of Andromeda” soll aussagen, dass es für jedes Problem eine Lösung gibt, und dass es immer ein Licht am Ende des Tunnels gibt!

porta inferiDaniel: Es ist ungewöhnlich für eine tschechische Band, dass Ihr englische Texte habt. Ich kenne das sonst nur noch von Eagleheart. Warum habt Ihr Euch dazu entschlossen, die Texte nicht in Eurer Landesprache zu verfassen, wie das die meisten Bands in Eurem Land tun?

Mirek: Weil wir unsere Karriere nicht im Landesinneren beenden wollen! Eaglehart und wir spielen für gewöhnlich mehr im Ausland, und das funktioniert eben nicht, wenn man keine englischen Texte hat...

Daniel: Ich weiß, dass Ihr auch live spielt. Wie wichtig ist es Euch, auch auf der Bühne zu stehen und nicht nur zwischendurch mal im Studio etwas aufzunehmen?

Mirek: Wir spielen ungefähr dreißig Konzerte im Jahr und finden das auch notwendig für uns als Musiker, weil wir die Energie von unseren Fans bekommen und das auch der Weg des Rock 'n' Roll ist! Konzerte sind immer wichtig für Bands. Wenn eine Band nicht aktiv ist, ist sie für die Fans schnell tot...

Daniel: Habt Ihr denn schon einmal außerhalb Tschechiens gespielt??

Mirek: Ja, das tun wir so fünf-sechs Mal im Jahr. Wir waren schon in Polen, Ungarn, in der Slowakei, in Italien und in Deutschland.

Daniel: Bei Metal Archives steht, dass es zwei Demos von Euch gab: “Devil Inside” (2007) und “Fire Road” (2009). In welchem Format sind sie erschienen: auf Kassette, CD-R oder MP3? Und kann man als Sammler diese Demos heute noch bekommen?

Mirek: Die Demos sind heute leider nicht mehr erhältlich. Beide gab es auf CD. Wir haben sie zu Promozwecken genutzt und an interessierte Fans verteilt. Vielleicht finde ich noch die MP3-Datien auf dem PC, aber ich würde lieber nicht danach suchen...

Daniel: Euren beiden Alben sind auf CD erschienen. Wollt Ihr sie vielleicht auch eines Tages auf Vinyl rausbringen? Habt Ihr daran überhaupt Interesse?

Mirek: Ja, natürlich! Wir würden gerne eine größere Plattenfirma im Rücken haben, die auch Digipacks und LPs von uns rausbringt! Aber es ist leider immer schwierig, einen guten Plattenvertrag an Land zu ziehen, mit dem beide Seiten einverstanden sind...

Daniel: Ich mag Eure Cover sehr! Wer hat sie gemalt? Und wie seid Ihr mit dem Künstler in Kontakt getreten?

Mirek: Unser Schlagzeuger Lukas Kroutil ist sehr begabt, wenn es um Graphikdesign und Videodrehs geht. Im gebührt das Lob!

Daniel: Lass uns mal bitte über die tschechische Metalszene reden, OK? Ich bin nämlich ein großer Fan von Bands wie Arakain, Citron, Titanic, Vitacit, Neutral, Eagleheart, Arkus, Direct, Dux, Sax, Törr, Root, Master´s Hammer, Debustrol, Assesor, Moriorr, Fata Morgana, Old, V.A.R., Tudor usw. Wie denkst Du über die Metalszene in Eurem Land? Unterstützen sich Bands gegenseitig, wenn es z. B. um Konzerte geht? Und hast Du Kontakt zu einigen der aufgelisteten Bands?

Mirek: Ich denke, dass die tschechische Metalszene schon recht groß ist. Ich mag sehr viele der von Dir aufgelisteten Bands, aber Metal ist hier in Tschechien nicht gerade Mainstream. Es ist also etwas schwierig, auf sich aufmerksam zu machen. Wir haben hier zwei-drei Radiostationen und nur einen TV-Sender, wo Rock gespielt wird. Kannst Du Dir vorstellen, wie 10.000 tschechische Rockbands dann dort Airplay kriegen sollen?

mirekDaniel: Wie sehen Eure Zukunftspläne mit Porta Inferi aus?

Mirek: Wir würden gerne einen Plattenvertrag mit einem größeren Label an Land ziehen, um mehr Möglichkeiten zu haben. Wir arbeiten zur Zeit an einem Konzeptalbum und werden auch wieder viel im Ausland spielen. Wir wollen der Welt zeigen, dass wir eine gute Band sind und in der ersten Liga spielen wollen!

Daniel: OK, Mirek! Das Schlusswort soll Dir gehören!

Mirek: Wir wollen ein ganz großes Danke Schön an Dich loswerden! Aber auch an alle anderen Leute, die uns unterstützen, sei es durch den Kauf unserer CDs, das Hören unserer Musik, das Ansehen unserer Videoclips usw. Ihr seid der Motor, der uns die Kraft gibt, immer weiter zu machen! Stay Porta!

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Autor: Daniel Müller