GHÛLHEIM - Was dabei herauskam, war einfach zu gut, um nichts damit anzufangen!


Nach einigen Jahren Funkstille bekam ich eine E-Mail von Daniel Rojewski, der über sein altes Label Godeater Records zwei Alben meiner Ex-Band Black Horizonz veröffentlicht hatte, und er erzählte mir, dass er mit ADG ein neues Label am Start habe und Schreiber für Reviews suche. Er schickte mir daraufhin zwei Tapes zu. Eines davon ist die einzige bisher erschienene EP des schwedischen Soloprojektes Ghûlheim, das von Lovecraft inspirierten, melodischen Schweden Black-/Death Metal mit düsteren symphonischen Elementen bietet. Hinter diesem Projekt verbirgt sich Sorcery-Schlagzeuger Tommy Holmer, der sich hier Umr Al-Tawil nennt. Ich redete mit ihm über den Werdegang und die Zukunftspläne dieses sehr interessanten Projektes!

logoDaniel: HELL-ö Umr At-Tawil! Bitte erzähl uns doch zunächst, wann und wie es zur Gründung von Ghûlheim kam!  

Umr At-Tawil: Grüß Dich! Ghûlheim war zunächst eigentlich nicht mehr als nur eine Übergangslösung, um die Wartezeit bei Planet Rain zu überbrücken, weil der Sänger und Gitarrist in Norwegen gearbeitet hat. Das muss so 2012-2013 gewesen sein. Also brachte ich mir bei, Midi-Dateien und so´n Zeug zu benutzen, was ich bei all meinen anderen Bands nicht machen konnte. Ich hatte weder einen Namen noch Ideen für Texte, als ich diese Songs geschrieben hatte!   

Daniel: Die Musik erinnert mich größtenteils an den typischen Melodic Death-/Black Metal, wie man ihn aus Schweden kennt. Aber es gibt auch viele orchestrale Momente, die dem Ganzen einen völlig eigenen Sound verleihen. Welche Bands haben also einen Einfluss auf Ghûlheim?

Umr At-Tawil: Wie Du richtig erkannt hast, bin ich sehr fasziniert von dem Neunziger Jahre Melodic Death-Sound. Es ist schwierig für mich, bestimmte Bands zu nennen, weil es eine Mischung aus allem ist, womit ich aufgewachsen bin; von Fear Factory bis hin zu Bal-Sagoth. Ich habe eine Zeit lang auch viel klassische Musik gehört, was natürlich auch einen Einfluss auf meine Musik gehabt hat. 

Daniel: Du nennst Deine Musik Symphonic Lovecraftian Death Metal. Beziehst Du Dich textlich also nur auf H. P. Lovecraft? Oder würdest Du auch darüber hinausgehen?  

Umr At-Tawil: Für diese Songs habe ich mich lediglich auf „Die Traumsuche Nach Dem Unbekannten Kadath” bezogen, weil diese Geschichte einfach gut zur Musik passt. Ich habe sie zwar etwas umgeschrieben, um sie den Songs anzupassen, aber mehr auch nicht. Diese drei Songs sind also Teile derselben Story. Mal sehen, was die Zukunft bringt. Ich habe schon wieder ein paar Ideen.   

Daniel: Könntest Du Dir vorstellen, auch Geschichten von Clark Ashton Smith, Robert Bloch, Algernon Blackwood usw. zu vertonen, die ja ebenfalls über den Cthulhu-Mythos geschrieben oder H. P. Lovecraft inspiriert haben? 

Umr At-Tawil: Ja, ich hatte tatsächlich die Idee, verschiedene Teile aus diesem Mythos zu verarbeiten.   

Daniel: Magst Du den auch Lovecraft-Verfilmungen wie „Dagon”, „Dreams In The Witch-House”, „Re-Animator” usw., oder interessierst Du Dich lediglich für seine Bücher?

Umr At-Tawil: Ich habe mir tatsächlich noch gar nicht so viele Lovecraft-Verfilmungen angesehen. Ich mochte allerdings „Die Farbe Aus Dem All“ mit Nick Cage. Dort wurde die Atmosphäre der Geschichte gut eingefangen. Ich habe alles von ihm gelesen, was ich auftreiben konnte, und bin Fan, seit ich ein Teenager war.  

Daniel: Wie lange hat es gedauert, die Songs für die einzige bisher erschienene EP, „The Terrible Pilgrimage To Seek The Nighted Throne Of The Far Daemon-Sultan Azathoth”, zu schreiben und aufzunehmen?

Umr At-Tawil: Schwer zu sagen, weil es einige Jahre dauerte… Ich habe zum Beispiel die Schlagzeugspuren noch dreimal wieder neu eingespielt und die Gitarren, glaube ich, auch noch einmal. Wie gesagt: Es war ja eigentlich nicht mehr als ein Projekt, um um mich selbst weiter zu entwickeln, aber was dabei herauskam, war einfach zu gut, um nichts damit anzufangen!    

Daniel: Warum zur Hölle hast Du denn eigentlich einen so langen Titel für die EP gewählt, haha?  

Umr At-Tawil: Haha! Ja, das war der originale Arbeitstitel der Geschichte, auf der die EP basiert! Aber ich mag lange Songtitel eh, sieh Dir nur Bal-Sagoth an!    

Daniel: Die EP wurde ursprünglich 2019 nur digital bei Bandcamp hochgeladen. Wie bist Du mit der deutschen Plattenfirma ADG in Kontakt gekommen, die 2020 eine professionell gefertigte Fabrikkassette Davon gemacht hat?  

Umr At-Tawil: Daniel von ADG war bei unserem Sorcery-Konzert in Stockholm. Ich denke, dass er danach über Metal Archives auf dieses Projekt gestoßen ist.   

ghulheimDaniel: Ist es Dir den wichtig, im heutigen digitalen Zeitalter dieses alte Kultformat am Leben zu erhalten?   

Umr At-Tawil: Ich mag das physische Format, weil es mehr Lebensdauer hat. Das muss nicht unbedingt eine Kassette sein, aber auf jeden Fall ein analoges Medium. Ich habe auch eine Kassette mit Rimthurs veröffentlicht. Ich persönlich sammel aber lieber Vinyl. An dem Tag, an dem das Internet stirbt, wird viel Kunst verloren gehen, und ich möchte dem wenigstens auf diese Art mit meiner eigenen Musik vorbeugen!

Daniel: Auf der Kassette ist auch ein Bonustrack enthalten: „Killer” von King Diamond, einem eher untypischen Song von ihm von „The Spider´s Lullabye (1995), im Prinzip seinem ersten Album, das kein Klassiker mehr war... Warum hast Du Dich gerade für diesen Track entschieden?

Umr At-Tawil: Ich mag diesen Song sehr. Es gibt noch viele andere auf dem Album, die richtig gut sind. Das Ding ist, dass ich immer das Gefühl hatte, das dem Song ein wenig die Power fehlt und ich immer eine andere Version in meinem Kopf hatte. Deswegen wollte ich ihn auf meine Weise machen. Ich finde auch, dass King Diamond häufig einen Hauch Lovecraft in seiner Musik hat. Also passt es auch ins Konzept.   

Daniel: Ich mag das Artwork der EP sehr! Von wem stammt es? Und wie bist Du mit dem Künstler in Kontakt gekommen?

Umr At-Tawil: Das stammt komplett von mir. Vielen Dank!

Daniel: Das Artwork eignet sich perfekt für eine CD- oder Vinyl-Veröffentlichung. Ist in dieser Hinsicht irgendetwas geplant?

Umr At-Tawil: Wenn jemand daran interessiert ist, kann er mich gerne kontaktieren! Momentan gibt es aber keine Pläne dafür.  

Daniel: Könntest Du Dir vorstellen, Dir eine komplette Besetzung zu suchen und mit Ghûlheim live aufzutreten? Oder handelt es sich dabei nur um ein Studioprojekt für zwischendurch?

Umr At-Twil: Ich habe darüber nachgedacht, aber das wäre mir zu viel Arbeit, und ich habe dafür einfach nicht die Zeit. Ich glaube nicht, dass das passieren wird, aber man soll niemals “Nie” sagen. Im Moment vertrete ich aber den Standpunkt, es als ein reines Studioprojekt zu halten.   

Daniel: Du spielst in vielen Black- und Death Metal-Bands und -projekten gleichzeitig: Sorcery, Patromycon, Rimthurs, Undivine, Planet Rain und Ghûlheim. Warum spielst Du nur Extreme Metal? King Diamond als Coversong zeigt doch, dass Du anscheinend auch klassischen Metal magst. Oder liege ich da falsch? 

Umr At-Tawil: Dafür gibt es eigentlich keinen bestimmten Grund; das ist einfach so passiert! Ich mag es einfach, extremen Metal zu spielen. Ich bin momentan allerdings auch in ein Projekt involviert, das eher klassischen Heavy Metal spielt. Mehr kann ich dazu aber momentan noch nicht sagen, weil wir noch nicht dafür geprobt haben. Ich mag eine ganze Menge klassischen Metal, weil ich in den Achtzigern und Neunzigern damit aufgewachsen bin.   

Daniel: Wie bekommst Du die vielen Bands und Projekte eigentlich alle unter einen Hut? 

Umr At-Tawil: Keine von ihnen nimmt allzu viel Zeit ein, weil sie ziemlich im Underground verwurzelt sind. Davon sind drei lediglich reine Studioprojekte. Nur Sorcery und Patronymicon haben eine richtige Besetzung und proben regelmäßig. Undivine liegen für unbestimmte Zeit auf Eis. Keine Ahnung, ob wir noch einmal etwas machen…   

ghulheimDaniel: Wie sehen denn Deine Zukunftspläne mit Ghûlheim aus? Wird es bald ein neues Album geben? Und werden die EP-Tracks dort ebenfalls noch einmal Verwendung finden?  

Umr At-Tawil: Ich denke nicht, dass es in naher Zukunft etwas Neues geben wird. Ich habe gerade erst ein altes Haus gekauft, und da steckt noch ganz viel Arbeit drin. Ich habe jedoch wieder ein paar Sachen geschrieben, und von Zeit zu Zeit will ich mich da schon wieder dran setzen. Die Songs der EP werden aber sicherlich nicht auf dem nächsten Album zu finden sein, da dort eine ganz andere Geschichte erzählt wird! 

Daniel: Na gut, Umr At-Tawil! Dann gebührt Dir noch das Schlusswort!

Umr At-Tawil: Danke für das Interview und Dein Interesse an Ghûlheim! Hört mal in meine anderen Bands und Projekte rein, während Ihr auf neues Zeug wartet!

https://www.facebook.com/ghulheimofficial/

https://ghulheim-official.bandcamp.com/releases

https://www.youtube.com/channel/UCDpIIJpzvmnNoYifUap7E_A



Autor: Daniel Müller