AORLHAC - PIERRES BRULEES


Label:LES ACTEURS DE L’OMBRE
Jahr:2021
Running Time:53:07
Kategorie: Neuerscheinung
 

In den Händen halte ich eines der schönsten Digipacks, das mir je untergekommen ist. „Pierres Brûlées“ heißt das Werk, „Verbrannte Steine“. Und tatsächlich ziert das Cover einen Lavastrom, der sich im Inneren des Drei-Panel-Digipacks erkaltet weiter erstreckt. Der Druck ist seidenmatt, die Lavaströme und -flecken sind in glänzendem Rot gehalten, dass es -bei aller Simplizität des Bildes lange Zeit Freude bereitet, einfach nur das Artwork zu bestaunen. Aber die Besonderheit einer physischen Musikveröffentlichung ist ja nicht nur das Visuelle, der Schwerpunkt sollte auf dem Inhalt der kleinen Scheibe liegen, und auch dieser hat es in sich. Aorlhac (benannt nach Ihrer Heimatstadt Aurlac in Frankreich in der occitanischen Aussprache) sind seit 2007 aktiv, legen hier ihr viertes Album vor und haben es geschafft mir bis dato vollkommen unbekannt zu sein.

Der Release startet recht abrupt, Aorlhac spielen ziemlich schnellen, französischen, melodischen Black Metal, auffällig sind die Hummel-haften Gitarren im Hintergrund, die mit teilweise immens hoher Geschwindigkeit sehr komplexe Riffs zu einem hypnotischen Hintergrundteppich verweben. Die Stimmung ist meist Hymnen-haft getragen mit einem mittelalterlichen Touch, ohne dass man der Musik bei aller Verspieltheit einen Pagan-Stempel aufdrücken könnte. Es kommen zwar Bilder auf von Ritter-gesäumten Landschaften, Schlachtgetümmel und großen Heldentaten, jedoch verzichtet das Werk vollends auf jeglichen Kitsch und geht steil geradeaus. Ich weiß nicht, ob es ausschließlich am Gesang liegt, an einigen Stellen erinnert mich das Album stilistisch ein wenig an die Landsmänner von Baise Ma Hache. Wo wir gerade beim Gesang sind: dieser präsentiert sich sehr facettenreich und immer der aktuellen Stimmung angemessen.

Auch die beinahe True Metallisch anmutenden Passagen passen. Die Texte sind in Französisch und gut verständlich, zudem finden sie sich im Booklet allesamt komplett abgedruckt. Das Schlagzeugspiel ist virtuos und vollends auf dem Punkt, die Stereoaufnahme macht einfach nur Spaß. Die Produktion ist makellos, das Werk ist sehr rund abgemischt und spielerisch ist das Dargebotene auf wirklich hohem Niveau. Selbst wenn das Album beinahe eine Stunde Spielzeit hat, bleibt es allen Stellen kurzweilig und präsentiert sich dermaßen komplex, dass man auch beim fünften Mal Hören immer noch neue Feinheiten entdeckt. Ganz großes Kino. Die neun Songs (davon ein Akustikstück) wirken wie aus einem Guss, reihen sich harmonisch aneinander und halten die Qualität über die ganze Länge auf einem konstant hohen Niveau. Wer Freude an melodischem Black Metal hat, kommt hier definitiv auf seine Kosten.

Die fünf Franzosen schaffen mit ihrem sehr eigenen Stil eine wirklich tiefe, irgendwie warme Atmosphäre, die einlädt, sich einfach treiben zu lassen und vollends der Musik hinzugeben. Was mir besonders gut gefällt, ist die Eigenständigkeit dieses Werkes, an keiner Stelle kam mir ein Riff bekannt vor, aber auch keine Passage wirkte gezwungen innovativ. Für mich die Entdeckung 2021 und eines der besten Veröffentlichungen, die ich dieses Jahr hören durfte. Bevor ich mich weiter in Superlativen verliere: ganz klare Empfehlung!

 

Note: 10 von 10 Punkten
Autor: Andreas Sprack


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