SYNTHETIC - HERE LIES THE TRUTH


Label:SELBSTVERTRIEB
Jahr:2016
Running Time:49:40
Kategorie: Eigenproduktion
 
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Ehrlich gesagt hatte mich die Gestaltung des Covers, sowie die Schriftart der Songs zur Übernahme des Reviews, hinreißen lassen. Erwartete ich danach doch irgendwas femal fronted lastiges an Material oder zumindest etwas in Richtung Symphonic Metal gehendes. Voll verfehlt. Aus Cambridge, den meisten Lesern wahrscheinlich als Wurzel der englischen Sprachlehre geläufig, stammt das durchweg männlich besetzte Sextett, mit Sterge B. an den Vocals. Genreeinstufungen von Kollegen der schreibenden Zunft, deuten bei der Band einen Mix aus klassischem, europäisch beeinflussten Heavy Metal und skandinavischen Melodic Death Metal an. Dunkel war es, die Gitarren klingen helle. So könnte der Einstieg in das Intro "Encore" beschrieben werden und großartig, ja pathetisch geht es erst mal auch bei "Lie" los, mit klasse riffigen Gitarren und guten, von Tasten begleiteten Melodien. Die Stimme ist harsch, rau und kräftig und wir hören tatsächlich die oben bereits erwähnte Mixture, mit meines Erachtens aber mehr symphonisch angelegten Power- oder auch Heavy Metal, mit bislang nur Spitzen aus dem Melodic Death Metal. "Synthetic" ist dann wesentlich derber angelegt, mit schmetternden Drums und guten Leads bei gleichsam böseren, bissigeren Shouts. "Hollows" startet mit klasse galoppierenden Gitarren und nachgelegt starken Melodien, ehe die nun schon als typisierend angelegten melodischen Todeskomponenten folgen. Im Gegensatz zu anderen Reviewern vernehme ich aber durchaus noch Unterschiede zu den vorangegangenen Nummern mit einer hier beispielsweise, sanfteren Stimme im Wechsel zu den Grölattacken. "Memories" geht sanft hinein und klingt im Ganzen epischer mit hier viel mehr Pathos und durchaus sehr klangvoll daher kommenden Gitarren. Auch das langsamere "Still Cold" nimmt das Hymnische auf und überrascht mit folkartig gespielten Langhälsen und in eine ähnliche Richtung gehender Arrangements. "Kingdom Circus" baut Nu- und Alternative-Metalkomponenten ein, geht in das Proggige und reduziert das Böse auf wenige Angriffe. Andere Rezensenten nennen an dieser Stelle zum Beispiel Fear Factory als Querverweis. "Walk This Line" arbeitet mit einem Grusel, ja Horror erzeugenden Einstieg und hämmert dann stakkatoartige Blöcke in mehr technischer Manier heraus. Bei "Forgiveness" erklingen wieder mehr symphonische Strukturen, mit proggigen Sechssaitern und hier durchaus auch mitnehmenden, ja schon fast dahin schmachtende Melodien, die nur noch Bruchteile härterer Gangarten aufweisen. Der Song erinnert hier an komplexere, sehr melodisch angelegte Werke von zum Beispiel den schwedischen In Flames. Auch "Withering Shadows" erklingt komplexer mit zeitweise an Amon Amarth erinnernden Runs, ohne aber das Große im Refrain vermissen zu lassen. Der Rausschmeißer "Scream In Your Dreams" lässt das Opus langsam, sphärisch und mit beigefügten Akustikgitarren ausklingen. Synthetic hauen den Hörer sicherlich nicht weg, überraschen aber mit teils recht ausgeklügelten Arrangements, Stilwechseln und die Band zieht ihr Ding dabei recht selbstbewusst durch. In der Summe ist dabei eine durchaus hörbare und abwechslungsreiche Platte heraus gekommen, die man sich ruhig mal zu Gemüte führen sollte.

Note: 7 von 10 Punkten
Autor: Andreas Gey


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