CRAAFT - NO TRICKS - JUST KICKS

| Label: | RCA |
| Jahr: | 1991 |
| Running Time: | 57:54 |
| Kategorie: |
Classics |
Wieder einmal sorgt ein Tod eines Musikers für ein Classic Review auf unserer Seite. Als ich Anfang der Neunziger mit zarten 13 Jahren mit Hard Rock und Heavy Metal anfing, waren Glamrock und AOR so langsam auf dem absteigenden Ast. Die „Schlussphase“ habe ich also noch so gerade direkt mitbekommen. Eine der gängigen Bands damals waren Craaft aus Frankfurt, über die heute leider kaum noch jemand spricht. Warum eigentlich nicht? Das ist aus heutiger Sicht nur schwierig zu beantworten. Damals waren sie recht groß, wenn auch nur für kurze Zeit. Zwischen 1981 und 1984 veröffentlichte Sänger Klaus Luley (74, R.I.P.!) zunächst mit der AOR-Band Tokyo drei ihrer vier Alben, bevor er Craaft aus der Taufe hob, mit denen er zwischen 1986 und 1991 alle drei Alben veröffentlichte. Kleine Beachtungserfolge gelangen ihnen als Support Act auf Tourneen mit Queen, Bon Jovi und Rod Stewart. Der ganz große Wurf blieb jedoch aus. Die Musik ihrer Alben bleibt jedoch unsterblich. Sie sind – meiner Meinung nach – mit jedem Album besser geworden. Ich tue mich oft schwer mit Alben, die länger als eine Dreiviertelstunde dauern. Aber hier ist bei fast einer Stunde jeder Schuss ein Treffer! „No Ticks – Just Kicks“ eben! Dreizehn Tracks sind auf ihrem dritten und letzten Album enthalten, nach dem man einfach in Vergessenheit geraten ist. Normalerweise bin ich kein großer Glam- und AOR-Fan, aber das hier ist ganz große Kunst!
Mit dem The Beatles-Cover „Day Tripper“ gibt es einen kleinen Abzug in der B-Note, da es a) ein Coversong ist und b) eigentlich nichts mit dem Stil der Band zu tun hat, vom perfekten, mehrstimmigen Harmoniegesang in den Refrains vielleicht mal abgesehen. Ansonsten ist hier aber alles im grünen Bereich! Bei der langen Spielzeit muss man den Pegel erst einmal halten! Aber es funktioniert! Knackige Riffs, einprägsame Melodien, wilde Soli, gelegentliche Keyboards (wie beim Opener „No Promises“, der stark an alte Bon Jovi-Alben erinnert), treibendes Schlagzeug und tolle Vocals (Leadgesang wie Backings!), gute Arrangements, spielerisches Können, ohne zu übertreiben: Hier gibt es alles,was ein gutes Hard Rock-Album ausmacht. Das, was mir bei Bands wie Bonfire oder Gotthard schnell auf den Keks geht, haben Craaft mal eben so viel besser gemeistert. Bei dem flotten „I Need A Woman“ geht es auch mal metallischer zu. Mit „Coming Home“ gibt es sogar eine schöne Akustikballade ohne pompösen Kitsch. „All ´N´ Now“ erinnert mit seinem partytauglichen Refrain (vermutlich nicht zufällig!) an „You Shook Me All Night Long“ von AC/DC. Die Refrains von Tracks wie „Make It To The Top“, „Bad Line“ und „Hold On“ sind Ohrwürmer für die Ewigkeit! Die Songs sind massentauglich, ohne anzubiedern. Man hört der druckvollen und sauberen Produktion an, dass da viel Geld investiert wurde. Und auch das schlichte Artwork weiß zu gefallen. Wer Bands wie Dare, House Of Lords, Night Ranger oder Def Leppard mag, sollte Craaft unbedingt mal antesten!
Tracklist:
Side 1:
No Promises (4:37)
Nothin´ We Can´t Take (3:52)
Rocket (4:50)
Coming Home (5:12)
Step Inside (5:07)
Bad Line (5:30)
Side 2:
Dayrtripper (The Beatles-Cover) (3:23)
I Need A Woman (3:54)
Make It To The Top (6:01)
All ´N´ Now (3:51)
Hold On (5:29)
Break Out (3:55)
You Were There (2:16)
Line Up:
Klaus Luley (R.I.P. 2026!) - Lead Vocals
Vitek Spacek – Guitar
Franz Keil – Keyboards, Backing Vocals
Denny Rothhardt – Bass, Backing Vocals
Tommy Schneider – Drums
Note: 8 von 10 Punkten
Autor: Daniel Müller











































