Manchmal kommt es ganz anders als erwartet, klar das eine ausverkaufte Show bei gerade mal zwei Auftritten in Deutschland zu erwarten war. Im Rahmen der „Across The Pond Tour“ sind nur Köln und Berlin gelistet, bevor es weiter nach Kanada und in die USA geht. Umso mehr verwundert es mich, dass eine viertel Stunde vor Einlass gerade mal ein Dutzend Leute vor der Halle stehen. Okay, das ändert sich dann im Laufe der Wartezeit auf die Show und die Venue ist schließlich vollgepackt. Der nächste Punkt, der mich ungläubig gucken lässt, ist der Bühnenaufbau. Also ja, der nicht vorhandene Bühnenaufbau! Keine Backline, kein Schlagzeug, einfach nichts von allem. Lediglich ein Rack in Tischform steht auf den Brettern. Gibt das ein Akustik oder gar ein a capella Set heute? Aber dann wäre ja wenigstens eine Perkussion Box oder sowas aufgestellt. Nun gut, warten wir es ab was der Abend bringt.
Mit leichter Verspätung von fünfzehn Minuten erscheint dann Kels auf der Bühne, dazu gesellt sich ein weiterer Mann, der seinen Platz hinter dem Tisch einnimmt. Kels ist der Künstlername, der US-amerikanischen Soul- und Jazzsängerin Kelsey Hillock aus Pittsburgh, die aber in Atlanta lebt. Sie erreichte einen großen Bekanntheitsgrad durch eine komplett selbst organisierte US-Tour mit über fünfzig Konzerten. Außerdem supportete sie Kat Wright und spielte eine Headliner Performance auf dem Atlanta Jazz Festival. Im April dieses Jahres sang sie sogar die National-Hymne zur Eröffnung des NFL Draft (das Hauptereignis der Profiliga National Football League) in ihrer Heimatstadt Pittsburgh. Musikalisch vermischt Sie die besten Elemente aus Jazz, Pop, R&B und Soul zu einem Retro-Sound, der ziemlich einzigartig ist. Normalerweise allerdings mit einer Begleitband dargeboten, die heute leider nicht mit am Start ist. So kommt die Musik aus der Konserve und nur ihre fantastische Stimme steht im Raum. Die Songs sind wie heutzutage üblich recht kurz, was dem Spotify Konsumverhalten geschuldet ist. Kels ist von sehr zierlicher Statur und kommt live ganz anders rüber, als in ihren diversen YouTube Videos. Auch die Lockenwickler als Markenzeichen fehlen. Ich hatte jedenfalls optisch eine ganz andere Vorstellung von ihr, aber so kann man sich von den Medien täuschen lassen.Schließlich geht es aber um die Musik und singen kann die Lady allemal! Zur Begrüßung gibt es eine Ansprache in perfektem Deutsch und auch zwischen den Stücken immer mal wieder ein paar deutsche Worte.Dazu ist sie äußerst gut aufgelegt, ständig am Lachen und extrem sympathisch. Natürlich ist sie absolut überwältigt von der Reaktion des Kölner Publikums, die in der ausverkauften Location jeden Song mit ausuferndem Applaus feiern.Anscheinend hat sie nicht mir so einer Resonanz gerechnet, zumal es ihr absolut erster Auftritt in Deutschland ist. Logisch spielt da auch ein Funken Nervosität mit, was dazu führt, dass sie ständig ihr Bühnenoutfit zurecht zupft, obwohl alles am rechten Platz ist. Was sie umso sympathischer macht, keine Starallüren, sondern ein bodenständiges Mädchen.
Auch ihre Texte handeln von selbst erlebten Momenten, die nicht immer positiv waren.So erlaubt sie sich die Frage, ob denn Kinder im Publikum anwesend sind. Wenn ja, könne sie die Story zu dem nächsten Stück nicht erzählen. Ja so sind sie, die Amerikaner, manchmal etwas zu ängstlich. Aber gut, es sind keine Kinder da und die Story nimmt ihren Lauf. Kurz vor Ende der Show sagt sie dann noch „Hey, wenn ich schon mal in Deutschland bin, dann komme ich auch gleich raus. Kommt vorbei sagt Hallo und macht ein Foto“ Auf jeden Fall verspricht sie, im nächsten Jahr wiederzukommen und dann mit ihrer Band. Darauf bin ich sehr gespannt und garantiert dabei! Dann hat sie hoffentlich auch ihre Debüt EP mit im Gepäck, denn diesmal gab es lediglich T-Shirts mit dem Aufdruck „Dirty Blues Princess“. Aber wenn man mit der Bahn unterwegs ist und Airbnb Unterkünfte gebucht hat, ist es natürlich schwierig mit viel Gepäck zu reisen. So geht nach einer guten Stunde ihre Darbietung zu Ende und es ist trotz fehlender Begleitband ein anregender Abend einer wundervollen Musikerin mit erstklassigem Gesang gewesen.
Setlist: Daddy’s Not the One, Amphetamines, Fly On The Wall, Bluffin, 6ft Under, Motorcycle Man, Call Me, Ain't Nothing Like A Dog, Taxi, Living In Hell, Gone, Ember











































