Stephan: Filippa, Deine Gibson Explorer ist Dein Markenzeichen und Dein Spielstil ist purer, klassischer Rock ’n’ Roll. Welche Gitarristen sind Deine größten Vorbilder und Einflüsse?
Filippa: Als ich aufwuchs, gab es nicht so viele Frauen, von denen ich mich inspirieren lassen konnte. Am Anfang war da Ozzy Osbourne. „Crazy Train“ war der erste Rocksong, den ich wirklich geliebt habe. Weißt du, das Solo – wie sehr ich dieses Solo spielen wollte! Eben Randy Rhoads und später Zakk Wylde. Was verrückt ist, denn wir werden bald in Barcelona als Vorband für Zakk spielen! Das ist wie ein geschlossener Kreis, jemanden zu treffen, der mich als Kind so sehr inspiriert hat.
Stephan: Aber Du bist keine Shredderin, die extrem viele Noten spielt, richtig? Du spielst klare Melodien.
Filippa: Ja, lange Noten und das, was den Song gut macht.
Stephan: Also songdienlich...
Filippa: Alles, um den Song hervorzuheben.
Stephan: Ja. Die aktuelle Besetzung ist nun seit drei Jahren zusammen. Wenn Du zurückblickst, wie würdest Du dieses Kapitel der Band bisher zusammenfassen?
Filippa: Also, das glücklichste Band-Kapitel in meinem Leben. Ich war bei Thundermother noch nie so glücklich wie jetzt. Auch mental – wir sind echte Freunde.
Stephan: Habt Ihr jemals darüber nachgedacht, eine feste zweite Gitarristin in die Band zu holen?
Filippa: Nein, weil es nicht nötig ist. Linnéa spielt ja auch Gitarre. Und wie ich immer sage: Man muss zusammen in ein Auto passen. Sonst wird es teurer, dann braucht man zwei Autos zum Flughafen. (lacht)
Stephan: Die alte Sängerin hat keine Gitarre gespielt, ne?
Filippa: Nein, sie hat gar nichts gespielt.
Stephan: Gibt es Unterschiede im Songwriting-Prozess mit der aktuellen Besetzung im Vergleich zu früheren Band-Phasen?
Filippa: Ja, es ist super. Wir hatten einen wirklich guten Flow. Ich, Linnéa, Joan. Ich glaube, wir haben zehn Songs in sechs Stunden geschrieben, als wir uns getroffen haben. Wir spornen uns gegenseitig an.
Linnéa: Wir haben fünf Songs geschrieben …
Filippa:Okay, aber in sechs Stunden.
Stephan: Oh, das ist sehr viel.
Filippa: Zehn insgesamt in zwei Tagen. Es ist sehr cool, wie wir einen Song aufbauen, von der Idee bis zum fertigen Song. Und es ist so schön und geschmeidig und ja, es macht Spaß.
Stephan: Das klingt gut. Die Frage klingt vielleicht simpel, aber wie schafft Ihr es, solche unvergesslichen Hymnen zu schreiben – die Art von Songs, die in den 80ern zweifellos weltweite Riesenhits gewesen wären?
Filippa: Ich mag einen guten Refrain, Linnéa mag einen guten Refrain und unsere Drummerin Joan liebt einen guten Refrain. Viele Bands haben sozusagen nicht den Mut, einen Akkord zu nehmen, der ein bisschen kommerziell ist. Aber wir denken uns: „Oh, das macht es zu einem Hit!“. Wir mögen das.
Linnéa: Ich liebe kommerzielle Musik.
Stephan: Rockmusik darf auch kommerziell sein.
Filippa: Natürlich! (lacht) Es geht einfach um die besten Akkorde und den besten Song. Für uns klingt das einfach gut und schön, und es klingt groß – Arena-Stil. Und das mögen wir.
Stephan: Wie läuft Euer Songwriting-Prozess? Macht ihr zuerst die Riffs und die Musik und danach den Gesang dazu, oder habt Ihr zuerst eine Melodie-Idee? Wie läuft die Arbeit am Gesang ab?
Filippa: Es ist ein bisschen unterschiedlich. Aber meistens komme ich mit einem Riff. Und ich glaube, so haben wir auch das neue Album gemacht, das bald kommt.
Linnéa: Viele Songs haben mit einer Hook angefangen.
Filippa: Wie eine Hook, die wir hatten. Und dann sind wir damit in die Songwriting-Session mit dem dritten Songwriter gegangen. Und dann haben wir daraus wie ein Puzzlespiel gemacht. Aber es lief so geschmeidig, und dann nahmen wir so viel Zeug wie möglich auf und hielten nicht an. Wir nahmen einfach auf und machten weiter. Deshalb haben wir so viel Material gemacht. Und am nächsten Tag hörten wir es uns an und dachten: „Verdammt, oh, gut!“
Linnéa: Wir haben gutes Zeug gemacht.
Stephan: Als Ihr Euer letztes Album gemacht habt, wie viele Songs habt Ihr dafür geschrieben? 20, 30, und Ihr nehmt die besten 10, oder …?
Filippa: Ja, so ungefähr. Wir hatten einen ganzen Ordner voller Songs. Und jetzt hören wir, dass manche Sachen, die wir übrig gelassen haben, nicht gut genug waren, aber dann können wir Teile davon nehmen und wiederverwenden.
Stephan: Wie ist das Verhältnis zwischen den verschiedenen Bands in der schwedischen Hard-Rock-Szene? Habt Ihr Kontakte und Freunde in anderen Bands?
Filippa: Stockholm hat eine großartige Rockszene. Und die Leute sind sehr nett zueinander, so nach dem Motto: „Ah, du hast eine tolle Gitarristin, können wir sie uns vielleicht für unser Projekt ausleihen?“ – „Ja, klar!“ Es gibt nicht viel Drama in der Stockholmer Rockszene. Es ist eine gute Stadt dafür.
Stephan: Sehr gute Musik kommt oft aus Skandinavien, ich liebe sie. Ich kenne Liv Sin persönlich, sie hat einen Song für mich gesungen, für mein Soloprojekt.
Filippa: Sie ist natürlich auch eine Freundin von uns.
Stephan: Ich sehe Thundermother als eine der Bands, die das Zeug dazu haben, das Erbe weiterzutragen und in die Fußstapfen zu treten, wenn legendäre Bands wie Judas Priest oder die Scorpions irgendwann in Rente gehen. Wie fühlt Ihr Euch mit dieser Perspektive?
Filippa: Majsan, hast du eine Antwort? Hast du es gehört?
Majsan: Ich habe es nicht gehört, was hat er gesagt?
Filippa: Wie wir uns dabei fühlen – ob wir das Erbe der alten Bands weitertragen, die bald sozusagen abtreten? (lacht)
Majsan: Ja, natürlich!
Filippa: Das denke ich auch!
Stephan Georg: Was sind Eure Pläne für die Zukunft? Ich denke, Ihr wollt Thundermother immer größer machen.
Filippa: Ja!
Linnéa: Weltherrschaft, worüber wir gesprochen haben! (lacht)
Filippa: Wirklich, nach dem gestrigen Auftritt, der echt großartig war, und davor vor 20.000 Leuten in Wacken zu spielen, und jetzt kommen wir mit dem besten Studioalbum heraus. Wir sind sehr zuversichtlich. Wir lieben das nächste Studioalbum absolut abgöttisch.
Majsan: Ja, wir sind total begeistert. Wir waren super beschäftigt, mit dem Live-Album und allem, und wir touren ununterbrochen.
Linnéa: Und ich weiß einfach, weil wir es so lieben, wird es im Sweden Rock Magazine die vollen fünf Sterne geben! (lacht)
Stephan: Wann werdet Ihr es veröffentlichen? Was sind die Pläne für den Release?
Filippa: Wir werden es Anfang nächsten Jahres veröffentlichen. Die erste Single wird jetzt im Herbst kommen. Direkt nach dieser Tour werden wir also ein verrücktes Musikvideo drehen.
Stephan: Jetzt eine Frage, die Ihr nicht beantworten müsst: Die ehemaligen Mitglieder haben jetzt eine neue Band gegründet. Habt Ihr schon Musik davon gehört oder interessiert Euch das nicht?
Filippa: Das ist Vergangenheit. Kein Interesse. Es hat nichts mit Thundermother zu tun.
Stephan: Als Bandleaderin musstest Du Dir manchmal den Vorwurf gefallen lassen, die Dinge undemokratisch oder diktatorisch zu führen. Wie gehst Du mit dieser Kritik um?
Filippa: Ich bin nett, wenn Du nett bist, aber wenn Du mich verarschst, verarsche ich Dich auch! (lacht) Sei also freundlich und respektvoll und, weißt Du, so wie Du behandelt werden möchtest.
Stephan: Habt Ihr schon mal an Nebenprojekten oder Gastauftritten bei anderen Projekten mitgewirkt oder habt Ihr so etwas geplant?
Filippa: Linnéa, Du machst bald ein Projekt. Und Majsan war gerade mit den schwedischen Legenden Ronny & Ragge unterwegs. Eine wirklich legendäre schwedische Gruppe.
Stephan: Aber Du nicht?
Filippa: Ich? Nein. Mich fragt nie jemand, ich weiß auch nicht warum. (lacht) Die Leute haben Angst vor mir! Oder ich bin einfach nicht gut genug. (lacht)
Stephan: Sehr gut. Da Ihr international tourt und das Publikum auf der ganzen Welt vergleichen könnt: Was macht die deutschen Fans einzigartig? Haben sie eine besondere Energie oder Art, Bands zu unterstützen?
Filippa: Es ist ein großes Land! Ich habe so viel Liebe für Deutschland übrig. Ich meine, die Deutschen sind das beste Publikum, die unterstützendsten Leute, sie mögen Rock und es sind nette Leute. Und es ist so nah an uns dran, wir kommen sehr gerne hierher. Es ist sehr nah an Schweden, das ist toll.
Stephan: Es ist eindrucksvoll, wie Du es schaffst, Muttersein und Bandleaderin unter einen Hut zu bringen. Wie hat sich Dein Leben verändert, was die Musik und die Band angeht?
Filippa: Nun, die Mädels – Majsan, Linnéa und Joan – haben mich darin unterstützt, ein Baby zu bekommen und trotzdem mit dem Baby auf Tour zu sein. Es ist also ihr Verdienst, dass ich das tun, meinen Traum leben und mein Kind trotzdem bei mir haben konnte. Also danke Euch!
Majsan: Selbstverständlich!
Stephan: Die nächsten Pläne für Thundermother habt Ihr bereits mit dem neuen Album nächstes Jahr beantwortet.
Filippa: Es ist noch nichts angekündigt, aber es wird bald angekündigt.
Stephan: Danke für das Interview!
Filippa, Linnéa & Majsan: Danke für Deinen Support!












































