THE HAUNTED, FROSTSHOCK, DISTANT THUNDER

Essen, Turock, 24.07.2026

the hauntedEs begann dann gleich mal ein wenig früher, als offiziell angekündigt, was die Besucher immer wieder verärgert, ich mich aber mittlerweile fast daran gewöhnt habe, da ich ja mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ohnehin immer sehr viel früher losfahren muss, um überhaupt anzukommen.

 

 

distant thunderEs war noch nicht ganz gefüllt, während sich Distant Thunder auf der Bühne bereit machte. Es gab deftigen Thrash Metal, während wir zuerst erwarteten, mit Power Metal bespielt zu werden, was wohl dem Bandnamen der deutschen Combo geschuldet ist. Mit einem schnellen Sound und guten Animation des Publikums durch den Frontmann kam direkt Spaß rüber, obwohl im Gitarrenspiel auch mal der satanische Tritonus auftritt, wie es sich jedoch für diese Art der Musik gehört. Die Gitarristen harmonierten dabei sehr gut, Sound ebenso. Der linke Gitarrist bestach durch seine Soloarbeit. Es gab auch mal eine ruhigere Nummer, "Let It Be Done", und die Stilistik entsprach bei der Band etwa deutschen Topacts wie Tankard und hatte schöne Tempi Wechsel. Mittlerweile hat sich die Halle auch gut gefüllt und die Merchandise Preise waren sehr fair mit 30 Euro für ein Shirt für heutige Verhältnisse. Nach einer halben Stunde beendete man die Show mit dem Outro, der Titelmelodie der 80er Jahre Animeserie "Captain Future". Sorgte gleich mal wieder bei einigen alten Säcken inklusive mir für Nostalgie.

 

Frostshock ist ja mittlerweile allgegenwärtig hier im Ruhrpott. Sie spielen überall als Vorband. Muss wohl an deren Booker liegen. Darunter waren Supports bei Kerry King, aber auch Auftritte bei mehreren kleinen Festivals. Zwischendurch traf ich übrigens auch alte Musikerkumpels wie Jen Majura (Ex-Knorkator, Evanescence), die mir erzählte, dass sie nun in den Ruhestand gehen würde. Unfassbar! Viel zu jung dafür und eine viel zu gute Gitarristin. Die sehen wir bestimmt und hoffentlich bald wieder. Auch Sänger Dirk Weiss (Warpath) stand am Tresen und verriet, dass das neue Album im Februar kommt. Ich schweife aber ab. Um 20:35 Uhr stand die Band endlich auf der Bühne. Die Songs werden hier ziemlich durchgehämmert und klingen für meine Ohren eher nach Black Metal. Das Licht ist dementsprechend ziemlich düster und zwei Ego Riser, aus denen auch mal senkrecht ein Rauchschwall entfleucht, zieren die Frontstage. Eine Fangemeinde hat sich schon über die Zeit gebildet und in den ersten Reihen werden sogar die Riffs mitgesungen. Kein Wunder, denn bei "Web Of Lies" vom neuen Album kommt ja auch ein Chiptune-Sound zum Einsatz, der geradezu zum Mitsingen einlädt. Auch sonst werden immer mal wieder Samples eingespielt, der Drummer machte auch mal interessante Rhythmen auf den Floor Toms und manchmal kamen trotz zweier Gitarristen sogar Solosounds aus den Backingtracks. Tat dem Ganzen aber keinen Abbruch, denn die Leute feierten den Sound sichtlich und die Anfeuer Rufe brachten die Essener Location zum Beben. Um 21:20 Uhr war es dann vorbei und konnte nur noch durch lauteres Brett getoppt werden, denn die Band aus Haltern hat schon richtig eingeheizt.

 

the haunted live202621:45 Uhr wurde endlich der Hunger nach Death Metal gestillt. Tatsächlich feierte das Publikum The Haunted noch mehr und applaudierte enorm bei den melodischen Gitarrenläufen von Anders Björler, der ja auch bei At The Gates spielt. Den anderen Sänger fand ich irgendwie noch ein wenig geiler, weil er rein optisch und durch die Bühnenpräsenz wie ein entflohener Irrer aus dem Arkham Asylum wirkte. Allerdings macht Marco Aro einen hervorragenden Job, agiert viel mehr mit dem Publikum und verkauft sich viel sympathischer. Natürlich verzichteten auch die Schweden nicht auf einige elektronische Untermalung vom Band, aber die Klampfen wurden hier schon durchgängig und brutal laut gezockt. In der Setlist fanden sich Highlights wie "To Bleed Out" (das erste von The Haunted geschriebene Stück). Dennoch wurde ein hübsches junges Mädchen neben mir ziemlich müde. Jetlag aus Japan, aus dem sie erst gestern eingeflogen ist und auch ein Fan der Band Frostshock ist. Die Stimmung kochte und die Leute waren trotz der Hitze ausgelassen.

 



Autor: David Ivanov - Pics: David Ivanov