CACTUS - TEMPLE OF BLUES II: ALL STARS


Label:CLEOPATRA
Jahr:2026
Running Time:49:00
Kategorie: Neuerscheinung
 

Cactus ist eine Blues-/Hardrock-Band, die Anfang der Siebziger vier Alben veröffentlichte. Das Line-Up fiel auseinander. Es gab noch ein Werk mit dem Nachfolger The New Cactus Band. Danach war vorzeitig Schluss. Ich habe gar nicht gewusst, dass es die Truppe seit 2000 wieder gibt. Es sind aber nur noch sporadisch Tonträger veröffentlicht worden. Der letzte Output war 2024 „Temple Of The Blues: Influences And Friends“, nun gibt es den Nachfolger. Von früher ist nur noch Schlagzeuger Carmine Appice (der ältere Bruder von ex-Rainbow- und Black Sabbath-Drummer Vinnie) dabei. Eine richtige Besetzung scheint es nicht mehr zu geben, denn für die hier enthaltenen elf Songs hat er sich zahlreiche prominente Gäste ins Studio geholt, unter anderem Billy Sheehan (Mr. Big, The Winery Dogs), Ty Tabor und Dug Pinnick (beide King´s X), Pat Travers, Alex Skolnick (Testament, ex-Savatage), Rudy Sarzo (Quiet Riot, ex-Ozzy Osbourne, ex-Blue Öyster Cult), Joe Lynn Turner (ex-Rainbow, ex-Deep Purple), Derek Sherinian (ex-Dream Theater), Tony Franklin (The Firm, Blue Murder), Steve Morse (ex-Kansas) und sogar Melanie.

Braucht man einen Release einer uralten Formation, die unbekannte Songs covert, die noch älter sind? Eigentlich nicht... Lohnt es sich dennoch? Ja, vorausgesetzt, man ist als Hard Rocker auch mal im klassischen Blues unterwegs. Und bei der Besetzung sowieso! Dadurch, dass ich in Dortmund regelmäßig Second Hand-Läden plündere, höre ich alten Blues zumindest fachfremd. So ist mir der Opener „Back Door Man 1 & 2“ von Howlin´ Wolf tatsächlich bekannt. „The Little Red Rooster“ kenne ich von den Rolling Stones (stammt aber eigentlich von Willie Dixon), „Purple Haze“ natürlich von Jimi Hendrix (mit Melanie am Gesang! Sehr geil!). „Spoonful“ hatte ich zum ersten Mal auf dem 1997er Solo-Album „Child Of The Darkness“ von Dickie Peterson (ex-Blue Cheer; R.I.P.!) gehört, aber auch das Original von Ten Years After ist mir bekannt. Bei dem Rest muss ich leider passen, aber ich muss sagen, dass die Tunes auf dieser CD alle toll sind!

Wer Blues nur langweilig von irgendwelchen Jam Sessions in Kneipen und Jugendzentren kennt, muss sich eines Besseren belehren lassen. Hier gibt es tonnenschwere, trockene Riffs, wilde Soli, in sich Extase steigern, kraftvollen, kratzigen Gesang, manchmal auch eine mitreißende Mundharmonika. Eine langweilige Schnulze oder andere Lückenfüller sind nicht auszumachen. Carmine Appice trommelt druckvoll mit viel Wucht. Der Drum-Sound knallt und klingt schön natürlich. Der Longplayer ist bodenständig produziert. Von neumodischer Technik ist hier nichts zu hören. Trotzdem klingt „Temple Of Blues II: All Stars“ nicht altbacken, sondern einfach nur zeitlos! Nicht essentiell, aber eine tolle Lehrstunde zur Geburt des Blues Rock Ende der Sechtziger/Anfang der Siebziger Jahre!

Note: Keine Wertung
Autor: Daniel Müller


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