EXILIA - ANTI GRAVITY


Label:LUCKY BOB
Jahr:2026
Running Time:34:00
Kategorie: Neuerscheinung
 

Jetzt halte ich das neue Digipack von Exilia in der Hand und wundere mich im ersten Moment fast ein wenig über den Titel. „Anti Gravity“? Schwerelosigkeit bei einer Band, die eigentlich seit über zwanzig Jahren für tonnenschweren Crossover und Nu Metal der alten Schule bekannt ist? Nun, des Rätsels Lösung offenbart sich direkt beim ersten Durchlauf. Die italienische Truppe um die unverwüstliche Frontfrau Masha Mysmane erfindet das Rad zwar nicht komplett neu, verpasst ihrem Sound aber eine überraschende, fast schon schwebende Finesse. So ein bisschen vom brutalen Sound-Massaker vergangener Tage abgespeckt und durch moderne Elemente ergänzt, gewinnen die Tunes allesamt an Dynamik. Fein austarierten Synthesizer-Teppiche und Keyboard-Experimente, mischen sich mit fetten Riffs. Dazu Mashas unvergleichlich raues Organ, das den Tracks eine gewaltige Portion Wucht und Seele einhaucht.

Insgesamt wirkt die Formation hier und da um einiges melodischer und zugänglicher als gewohnt, ohne jedoch ihre Wurzeln zu verleugnen. Dabei scheuen sie sich aber auch nicht, im Songwriting neue Pfade zu betreten. Der Opener „From The Shadows“ kommt mit echtem Ohrwurmpotential, der mich im ersten Moment ein wenig an die glänzenden Tage von Acts wie den Guano Apes erinnert. Mein absolutes Highlight ist allerdings „Worst In Me“. Noch nie habe ich Masha mit einer solchen Emotionalität singen gehört, der Track startet fast balladesk, nur um im Mittelteil mit ein paar wuchtigen Riffs zu explodieren. Allein dafür lohnt sich der Kauf der Scheibe!

Aber wo Licht ist, gibt es auch manchmal Schatten. Der Titeltrack „Defying Gravity“ ist mir einfach zu sehr Mainstream, aber okay, man will die Scheibe ja auch verkaufen. Und Exilia ist eine dieser Gruppen, die seit Jahrzehnten total unterbewertet sind. Auch der Rausschmeißer „Goodbye My Love“ ist für meinen Geschmack eine recht trostlose Nummer. Die hätte man sich schenken können. Die Truppe ist und bleibt eben eine Live-Band, die dich mit ihrer Power von der Bühne bläst. Trotz kleiner Schwächen aber ein absolut empfehlenswertes Album der Italiener.

Note: 8 von 10 Punkten
Autor: Pistol Schmidt


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