Heute mal ganz was anderes, kein Heavy Metal und auch kein reiner Punk. Es gilt den eigenen Horizont zu erweitern und somit begebe ich mich zum Kölner Club Luxor. Ja ich gebe es zu, der Laden gehört nicht zu unbedingt zu meinen Favoriten der Live Clubs, aber manchmal muss man eben Kompromisse machen. Die Bühne ist halt recht klein und sehr niedrig, wer als Musiker gerne springt oder andere Kapriolen macht, stößt schnell an die Decke. Und bei ausverkauftem Haus ist kaum noch ein Durchkommen zur Theke möglich. Die sehnsüchtig benötigten Kaltgetränke muss man dann vor oder nach der Show goutieren. Jedenfalls klappt das nicht so, dass man nachher seinen Platz wieder einnehmen kann, sofern man keine Freihalter hat. Aber gut, in erster Linie ist man ja wegen der Band hier. Wobei heute teilweise einige ziemlich respektlose Zeitgenossen unter den Zuschauern weilen. Während die Vorband spielt ist ein Gelabber und Geblubber im Gange, das den Musikgenuss doch trübt. Wer quatschen will, soll halt draußen bleiben und nicht lauter wie die Musiker sein.
Als Opener spielen heute Johanna Rose & the Dreamboats aus New Orleans. Die Musik kombiniert traditionellen Folk mit der Energie von Punk und düsterem Jazz. Der Einfluss ihrer Heimatstadt ist hier deutlich heraus zu hören. Hauptsächlich akustisch, aber meist derbe laut. Front Lady Johanna Rose ist die Songwriterin und Komponistin der Stücke, wobei sie auch den Kontrabass spielt. Ihre Stimme gefällt mir recht gut, ein verdammt rauchiges Timbre und sehr intensiv. Auch Gitarristin Myra Burnette hat meine volle Aufmerksamkeit. Ein sympathischer Rotschopf, die auch als Miss Myra and The Moonshiners mit ihrer eigenen Kapelle selber im Bereich Jazz unterwegs ist. Des Weiteren gibt es noch einen Trompeter, einen Saxophonisten und eine weitere Gitarre. Zusammen erinnert das an einen verrauchten Nachtclub aus längst vergangenen Zeiten. Eine wilde Mischung Folk-Punk trifft auf ein wenig Kabarett in einer verruchten Kneipe. Zum Mitwippen ja, aber nicht zum pogen oder gar um einen Moshpit zu bilden. Eher gefühlvolle Trinkmusik, wie in irischen Pubs. Dem Publikum, also denen die zuhören und nicht unentwegt blubbern, gefällt es sehr gut und viele kennen auch die Songs, was man am Mitsingen feststellen kann. Nicht zu hundert Prozent mein Geschmack, aber ein guter Anheizer allemal.
Da kein großer Umbau von Nöten ist, denn die Musik funktioniert auch ohne dickes Schlagzeug, ist es jetzt an der Zeit für The Bridge City Sinners aus Portland, Oregon. Der Bandname beruht auf dem Spitznamen ihrer Heimatstadt Portland, Oregon, die sehr viele große, historische Brücken, über den Willamette River hat. Die Gründungsmitglieder, Frontsängerin Libby Lux und Kontrabass-Spieler Scott Michaud, starteten die Band im Jahr 2016, nachdem sie bereits viele Jahre durch den gesamten amerikanischen Kontinent getrampt waren. Ihr musikalisches Spektrum bewegt sich vom Jazz der Prohibition-Ära bis hin zum „Appalachian Death Folk“. Mit der klassischen String-Band-Besetzung dehnen sie den Begriff Genre bis an seine Grenzen aus und treten auf Festivals auf, die von Punk Rock Bowling über Muddy Roots bis hin zu Oregons Bluegrass String Summit reichen. Heute Abend sind mit Sängerin und Banjolele-Spielerin Libby Lux, Scott Michaud am Kontrabass, King Strang und Clyde McGee an der Gitarre, sowie Banjo Lightnin' Luke an der Geige, echte Superstars der Szene am Werk.
Und getreu dem Motto „Punk As Fuck“ rocken die fünf Musiker auch direkt los, also ob es kein Morgen mehr gäbe! Ohne riesige Marshall Wände im Rücken drückt der Sound voller Energie in den Saal, da qualmen die Socken. Eine gutgelaunte Libby ist ständig am Strahlen und man merkt welchen Spaß sie bei diesem Auftritt hat. Aber auch Kontrabassist Scott ist ein echter Clown, optisch würde ich ihn im Film Waynes World vermuten, so irre wie er mit seinem Instrument rumtobt. Ebenfalls Teufelsgeiger, nein nicht Lonzo, sondern Banjo Lightnin' Luke gibt alles und fiedelt wie ein vom Jenseits Geschickter. Libby schrubbt auf ihrer Banjolele (eine Banjo-Ukulele, ist ein viersaitiges Musikinstrument, das den Körper eines Banjos mit dem Hals und der Stimmung einer Ukulele verbindet) in High Speed und singt dazu im feinsten punkigen Stil, immer wieder durchbrochen von markerschütternden Screams. Das ist so geil, das macht richtig Laune. Logisch, dass sie ihre Aufforderung zum Circle Pit nicht zweimal wiederholen muss. Ab geht die Luzy und die Temperatur im brechend vollen Saal bewegt sich Richtung finnische Sauna.
Zwischenzeitlich duellieren sich Luke und King Strange mit ihren Instrumenten knieend auf dem Boden. Nicht eine Sekunde Stillstand, es geht immer weiter. Das ist also flott geschrammelter Folk-Punk in seiner reinsten Form, ich gebe zu das ich echt geflasht bin, da ich eine solch energetische Show nicht erwartet hatte. Klar, im Vorfeld hatte ich mir ein paar YouTube Videos gesehen um mich über die Band zu informieren, aber was hier gerade live rüberkommt ist überhaupt kein Vergleich zu den Studio Aufnahmen. Ihre Alben veröffentlichen die Sinners auf ihrem eigenen Label, Flail Records, also vollkommen im DIY-Stil. So fliegt die Zeit vorbei und die ansehnliche Setlist ist leider irgendwann durchgespielt. Eins ist sicher, bei der nächsten Tour bin ich wieder mit am Start! Und wer noch die Chance hat, diese wahnsinnige Kapelle live zu erleben, nichts wie hin!
Setlist: Port Street Strut, Midnight To Vice, Heavy, Doubt, Run From The Sun, Rock Bottom, The Devil’s Swing, Pick Your Poison, Song Of The Siren, Virgin Sacrifice, Ashes, Shame, Laughing Song, Death's Door, The Crawl, Spears And Blades, Departed, Bossa, Crazy, Devil Like You,Kreature, Repent And Repeat, Break The Chain











































