DEAD MAN´S HAND FESTIVAL

Bochum, Zeche, 29.03.2026

 

EinleitungDieses Event, die zehnjährige Feier der Lucky Bob Agency, stand unter keinem guten Stern. Zuerst musste der Auftritt von Orphaned Land abgesagt werden. Sänger Kobi Farhi war zwar vor Ort und erklärte die Umstände auf der Bühne, aber seine Mitstreiter konnten Israel nicht verlassen. Im späteren Verlauf des Abends cancelte Geoff Tate seinen Auftritt, da seine Frau plötzlich erkrankte. Somit sollte seine Formation einen Instrumental-Gig abliefern. Zur Enttäuschung der Fans fiel auch das ins Wasser und man sorgte für einen namenlose Coverband (zumindest konnten mir die Mitglieder keinen nennen), die mal eben ein paar Tunes absolvierten. Der Rest der Feier war jedoch gelungen.

 

LesungZuerst präsentierte man eine Lesung zum Buch „Soundchaser- Lebenslänglich Heavy Metal. Mein Leben mit Rage“ vom Rage Fronter Peter „Peavy“ Wagner (mit Timon Menge). Die Geschichte seiner Laufbahn. Zusammen mit Schauspieler Ralf Richter („Bang Boom Bang – Ein Todsicheres Ding“, „Superstau“), der auch den Abend moderierte, saß man im oberen Bereich der Zeche und stellte sich der vollen Zuschauerzahl. Ralf intonierte mit seinem ureigenen Humor, Peavy sprach so manches Mal Bekannte direkt im Publikum an. Inwieweit das Buch interessant ist, kann ich natürlich kaum sagen, da es sich natürlich nur um einige Passagen handelte. Leider war auch Herr Richter, der manchmal etwas wirr nuschelte, nicht immer zu verstehen. Danach Small-Talk und Autogramme.

 

Broken FateAls Opener hatte man die Formation Broken Fate auserkoren. Die Schweizer waren gut aufgestellt und rockten amtlich ab, obschon ich mit den aggressiven Sounds nicht ganz warm wurde. Sänger und Gitarrist Tobias John Bänteli ist zwar äußerst aktiv auf den Brettern und hält Zwiesprache mit den Zuschauern, kann mich aber gesanglich nur selten hinter dem Ofen hervorlocken. Musikalisch gab es eine moderne Mischung aus Thrash-Metal der mal in den Hard-Rock abwandert. Dann wiederum gibt es eine Breitseite Metalcore. Ich denke, dass der gewählte Facettenreichtum nicht ganz Vorteilhaft für die Zürcher ist. Das Publikum schien jedoch Gefallen an der Band zu finden.

 

Mission In BlackMission In Black war der nächste Act. Ihre Sängerin Steffi Stuber kennen viele Anwesende noch aus der Casting-Show „The Voice Of Germany“, aus dem Jahr 2019. Viele ihrer Anhänger hatten sich passend angezogen und feierten den Gig völlig ab. Musikalisch lag die aktuelle Scheibe „Divinity Of Lies“ im Vordergrund. Die Fans waren natürlich sehr textsicher und Steffi samt Band gaben Vollgas. Aber auch hier fand ich die gesangliche Art etwas begrenzt. Das glich die Gruppe jedoch mit rasanten Tunes und coolem Sound aus. Dennoch, ihr Melodic-Death aus Baden-Württemberg wird wohl nie zu meinen Favoriten zählen.

 

CoverbandDie Coverband mit ihren totgenudelten Beiträgen, wie zum Beispiel „Zombie“ von Roxette, zeigte ganz deutlich, wie sicher die Metaller auch in den TOP 40 gesangstechnisch sind. Und am meisten die Mädels. Die Band hatte Spaß, ein mancher im Publikum ebenso, aber viele gingen jetzt an die Bar oder nach draußen, um ihre Lungen durchzupusten. Verständlich. Die Formation war eher eine Jam-Gruppe, die mal eben herangezogen wurde und halbwegs vernünftig bekannte Lieder abriss. Es gab aber jede Menge Missmut da die Geoff-Tate Band wie anfangs erwähnt nicht instrumental aufwartete. Warum dies nicht der Fall war, konnte nicht geklärt werden.

 

VaentisAls Ersatz für Orphaned Land zitierte man die Band Vaentis auf die Bühne. Die sagten mir erst mal gar nichts. Bei ihrem Metalcore mit zwei Shoutern, angemalten Gesichtern und Aufforderungen zum Jumpen und am besten noch eine Wall Of Death, war ich raus. Natürlich ist der Sound energiegeladen und aggressiv, aber hier war man deutlich auf der falschen Baustelle. Kein guter Schachzug von den Organisatoren. Na ja, sie waren gerade auf ihrer eigenen Headliner-Tour und verfügbar. Den meisten Anwesenden ging es wahrscheinlich ähnlich wie mir, denn die Reihen vor der Bühne lichteten sich.

 

Tri StateNun war es an der Zeit für meinen alten Drummer Lucky und seiner formidablen und einzigartigen Truppe Tri State Corner die Stage zu entern. Lange habe ich sie nicht mehr gesehen und stelle fest, dass der Bassist Markus mit Abwesenheit glänzte. Warum auch immer. Diese Jungs sind immer eine Bank und haben selbstredend mit Ioannis Maniatopoulos, Luckys Bruder und dem Mann an der Bouzouki, ein markantes Aushängeschild. Gesanglich mit Fronter Lucky ist die Chose nahezu perfekt und packend in ihrer Umsetzung. Hier spürt man die Magie einer festen Besetzung von Freunden und Familie, den intensiven Hauch der Vocals, den mächtigen Bums von Drummer Christos, sowie die filigranen Parts von Gitarrist Christoph. Publikumsnähe ist fast wie eine Verbrüderung, obschon das von Lucky oft zitierte „Album,-Jubel-Gehabe" etwas ausgelutscht ist. Leider spielte man nicht eine meiner Lieblingsnummern, „Ela Na This", aber dafür durfte ich wenigstens mal live ins Mikrofon jaulen. Tri State Corner 2026, wie immer erste Sahne.

 

RageNach dem kurzen Statement von Orphaned Land Sänger Kobi Fahri kam nun der Headliner Rage in Begleitung des Lingua Moris Orchestras, dirigiert von Pepe Herrero. Somit hatte Lucky heute einen Doppel-Job, da er in dieser Formation als Drummer aktiv ist. Vierzig Jahre Rage. Natürlich hatte man hier schon gespielt, als man noch Avenger hieß und das wollte sich niemand der Anwesenden entgehen lassen. Und es wurde furios und emotional. Peavy, gewohnt Herr der Lage, führte durch ein Song-Set, das sich wohl jeder anders ausgesucht hätte, aber wer will bei so vielen Releases jedem gerecht werden. Der ganz wilde des Abends war Gitarrist Jean Bormann, der mittlerweile wie ein junger James Hetfield (Metallica) aussieht. „Don´t Fear The Winter“ ist natürlich das Highlight und der absolute Favorit der Fans gewesen. Na dann, auf zu fünfzig Jahren Rage!

 



Autor: Steve Burdelak - Pics: Steve Burdelak