Es ist den Eisheiligen entsprechend schweinekalt und gleichzeitig Vatertag, oder wie es auf neudeutsch jetzt heißt „Herrentag“. So geht es über eine fast leergefegte Autobahn zu einer Legende des New Wave Of British Heavy Metal, obwohl die Bandgründung schon etliche Jahre vor der Entstehung dieser Sparte war. Der Club Nieuwe Nor liegt im Zentrum von Heerlen und es gibt ein Parkhaus in fußläufiger Nähe, das einen Konzerttarif anbietet, den man vorher buchen sollte. Von 18.00 Uhr bis 6:00 Uhr am Folgetag für schlappe zehn Euronen, da kann man nicht meckern. Vor allem wenn man bedenkt, dass ein Bußgeld wegen falsch Parken in den Niederlanden, ein extrem teures Vergnügen ist. Die angeschlossene Kneipe hat bereits auf und so bleibt noch Zeit für ein kühles Blondes vor der Show.
Als Opening Act spielen heute Lord Volture, die ursprünglich aus Wageningen im Gelderland stammen und im Jahr 2010 gegründet wurden. Der Fünfer, bestehend aus David Marcelis an den Vocals, Paul Marcelis und Dennis Moree an den Gitarren, Simon Geurts am Bass und Erik Verheij an den Drums, spielen traditionellen Heavy Metal. Orientiert an den Großen der Szene wie Iron Maiden, Judas Priest und eine kräftige Prise Manowar, zocken sie ihr Programm runter, wobei manches ein wenig aufgesetzt wirkt. Vor allem Sänger David hat sich wohl einiges bei Ralf Scheepers oder auch Ripper Owens abgeguckt. Gitarrist Dennis hatte anfänglich scheinbar ein paar technische Probleme mit seiner Gitarre, die er aber recht schnell in den Griff bekam. Das ich mit meiner Meinung nicht alleine da stehe, merke ich bei Gesprächen mit Einheimischen, die das ähnlich empfinden. Trotzdem eine druckvolle Performance, auch wenn der Bass zeitweise alle anderen Instrumente überlagert. Thematisch bedient man Bereiche wie Geschichte, Natur, Science-Fiction oder den persönlichen Kampf mit den Überraschungen des Lebens. Klar, es sind Lokalmatadore, die natürlich ihren festen Fan Stamm im Publikum haben und dementsprechend gefeiert werden. Ich empfand es halt als tausendmal gehörte Mucke, nicht schlecht aber auch nichts Neues.
Setlist: Where The Enemy Sleep, Minutes To Madness, Taklamakan, The Pugilist, Wendigo, Taiga, Line’Em Up, Hearts Of Steel
Flotter Umbau und die älteren Herren von Raven entern die Bühne. Gegründet wurde die Truppe 1974 in Newcastle/Groß-Britannien, von den Gallagher Brüdern John und Marc. Am Schlagzeug sitzt Mike Heller (ex Fear Factory, ex Malignancy) der einen satten Bumms drischt. Ich habe die beiden verrückten Engländer von Beginn an geliebt und auch heute regiert vom ersten Ton an unfassbare, schiere Power das Set. Die Herren zeigen wo der Barthel den Most holt. Mit minimalistischem Set Up, dafür durchweg auf die Zwölf und noch mehr Humor knallen sie dem Publikum einen Banger nach dem anderen um die Ohren. Das Trio ist richtig gut drauf und spielt mit dem begeisterten Publikum im fast vollen Saal.
Irgendwann fragt John, wer sie denn schon beim Wacken Auftritt 1997 gesehen hat.Die lautstarke Reaktion einiger Fans, die wohl dort gewesen sind, quittierte John mit einem süffisanten „You fucking old bastards!“. Natürlich hat er die Lacher auf seiner Seite und weiter jagen die Gallaghers durch ihr Programm. Da wir schon bei Old School sind, logischerweise gibt Marc ein Gitarrensolo zum Besten inklusive seiner allseits beliebten Grimassen, die er dabei zieht. Nicht so toll fand er allerding die Lightshow und irgendwann riss ihm der Geduldsfaden und er rief „Stop that fucking flashlights. I feel like in a fucking disco. I want to see the details!” Naja, ein wenig hat es gebracht, aber trotzdem war die Beleuchtung eher suboptimal, was für eine Show in den Niederlanden eigentlich ungewöhnlich ist.
Wenig später spielte dann auch John ein Solo auf seinem Dicksaiter, nicht ohne jegliche Möglichkeit für Feedbacks zu nutzen. Mal rieb er den Bass an seinem Amp, dann wieder an der Beschallungsanlage. Sehr zur Freude der Zuschauer, die jede Aktion mit kräftigem Beifall honorierten. Eine gelungene und schweißtreibende Darbietung der britischen Recken, die dann auch zügig nach dem Auftritt am Merchandise Stand auftauchten und mit den Fans rumalberten. Immer wieder Fotos, mit jedem der danach fragte und stapelweise Autogramme auf Platten schrieben. Coole Socken, die noch lange nicht zum alten Eisen gehören!
Setlist: Can’t Take Away The Fire, Hell Patrol, The Power, Top Of The Mountain, Surf The Tsunami, All For One, Rock Until You Drop, Guitar Solo, Faster Than The Speed Of Light, Pick Your Window, For The Future, Bass Solo, All Hell’s Breaking Loose, On And On, Break The Chain, Chainsaw











































