CZECHIA UNDER THE HORNS - AN UNDERGROUND DOCUMENTARY FILM von Sebastian Dörner

| Label: | UNDERGROUNDED |
| Jahr: | 2026 |
| Running Time: | 75:17 |
| Kategorie: |
Neuerscheinung |
Der Undergroundtube macht seinem Namen mal wieder alle Ehre und veröffentlicht nun schon die dritte Doku in Serie. Der zweite Teil „Tartu Under The Horns“ wurde vor knapp zwei Jahren von Schreiberkollege Dennis Eikenkötter übernommen. Nun steht „Czechia Under The Horns“ in den Startlöchern. Als Ostblock Metal-Sammler seit 1999 konnte ich mir diese Anfrage natürlich nicht entgehen lassen. Schließlich bin ich über Maniac Butcher auf Bands wie Root, Törr, Debustrol, Assesor und Kryptor gestoßen (Master´s Hammer kannte ich vorher schon). Und siehe da: Ich bin praktisch auch mit allen enthaltenen Bands der Doku vertraut. Zu Beginn läuft die selbstbetitelte Band-Hymne der Siebziger Rocker Katapult, der mir ebenfalls geläufig sind, da sie mir vor Jahren von Vlasta Henych (ex-Törr) empfohlen wurden. Er hatte mir damals sogar die beiden CD-Boxen mit allen Alben bis 2007 besorgt.
Im Grunde genommen kann man diese Doku in drei Teile unterteilen. Im ersten Teil geht es um die Black Metal-Anfänge in Tschechien. Die erste Welle wurde circa 1986 mit Törr, Root und Master´s Hammer eingeläutet, wobei alle drei unterschiedliche Einflüsse hatten. Törr beriefen sich auf Venom, Master´s Hammer auf Bathory und Root mit ihrer Theatralik eher auf Mercyful Fate. Die Protagonisten kommen mal auf Tschechisch und mal auf Englisch zu Wort. Untertitel sind jedes Mal beigefügt. Interessant finde ich, dass Master´s Hammer heute mit Black Metal an sich eigentlich gar nichts mehr zu tun haben wollen. Jedenfalls sagt Sänger František Štorm aus, dass er sich heute nur noch für Kunst und elektronische Musik interessiert. Wer hätte das gedacht? Darkthrone-Schlagzeuger Fenriz kommt übrigens auch zu Wort und erzählt, dass er über den „Ultra Metal“-Sampler auf Master´s Hammer aufmerksam wurde, und dass „Ritual.“ damals in Euronymous´ Laden Helvete erhältlich war. Fenriz bezeichnet „Ritual.“ sogar als „das eigentlich erste norwegische Black Metal-Album“. Totaler Kult!
Ebenfalls interessant ist der zweite Teil der Doku, wo es um die zweite Welle des Black Metal in Tschechien geht. Hier geht es um Horden wie Maniac Butcher, Dark Storm, Silva Nigra, Inferno, Sezarbil, Avenger oder Trollech. Auch die Beziehung von Maniac Butcher zu Annaberg-Buchholz wird ausführlich erläutert. So kommen Eminenz-Sänger Leviathan und Nargaroth-Frontmann René „Ash“ Wagner (der jedoch aus Eilenburg kommt) zu Wort. Auch über Marcel Spaller, 2006 verstorbener Inhaber von Sombre Records, der viele tschechische Black Metaller auf seinem Label veröffentlichte, wird ausführlich geredet. Ich bekomme beim Schauen nostalgische Gefühle zu meiner Tapetrading-Zeit, denn Eminenz höre ich schon seit über dreißig Jahren, Nargaroth kenne ich seit der Jahrtausendwende, und auch bei Sombre Records hatte ich damals häufig Platten und Singles bestellt.
Der dritte Teil ist dann (zumindest für mich) am wenigsten interessant. Hier geht es um kleine tschechische Festivals, die ich aber zum Teil nur vom Namen her kenne. Das Eternal Hate Festival oder das Armageddon Of Decibels in Pilsen sagen mir zwar nichts, aber das Open Hell in Volyně oder das Brutal Assault in Jaroměř sind mir dagegen ein Begriff. Musiker und Veranstalter erzählen, dass sie es im eigenen Land schwer haben, Festivals zu veranstalten und dass meist Fans aus anderen Ländern dorthin anreisen. Im Hintergrund des Films werden über den gesamten Verlauf immer wieder Songs tschechischer Bands abgespielt, die alle auch am Ende im Abspann chronologisch aufgelistet werden. So muss das! Für mich „Czechia Under The Horns“ ein geiler Nostalgie-Trip. Für viele Underground Black Metaller sollte der Film aber als Einführung oder Entdeckungsreise dienen. Das Teil lohnt sich auf jeden Fall!
Note: 9 von 10 Punkten
Autor: Daniel Müller











































