TANKARD, DELIRIOUS

Lünen, Lükaz, 10.01.2026

tankard1 Nachdem die Band zeitweise omnipräsent in unseren Gefilden erschien, hat mich doch diesmal nach einiger Zeit das Fieber wieder gepackt und das Lükaz bietet ja auch eine familiäre Atmosphäre. Rappelvoll war es bei den Hessen. Dabei nicht nur meine Generation, sondern tatsächlich auch ein nicht geringer Anteil an Nachwuchs, der mich u.a. mit Accept-Audruck oder Savatage-Backpatch ins Staunen versetzte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

delirious1Von 20 bis 21 Uhr spielten Delirious, die man praktisch als Lokalheroen und eine Art Testament (die Band) aus Hamm bezeichnen könnte. Habe ich mir schon oft angeguckt und sie waren wieder hervorragend und hatten sogar Songs eines offensichtlich bald erscheinenden Albums "The Uninvited" dabei. Nach etwa 25 Minuten dachten wir, es sei vorbei mit dem an die Bay Area angelehnten Thrash Metal, doch mit "No One" ging das Set erstmal richtig los. Sie kamen super beim Publikum an und die vielen neuen Songs gefielen auch sehr, obwohl Sänger Betty mal ein wenig Text spicken musste oder auch mal den Einsatz verpasste, was aber  die Allgemeinheit der saufenden Fanhorde eh nicht mitbekam und das nun mal so ist bei neuen Songs und echter Liveperformance. Als letzten Song gab es noch "Ragers Elite", wie auch das kleine Festival in Hamm benannt wurde, das immer sehr sehenswert ist.

 

tankard2Tankard, die zu den Big Four des deutschen Thrash Metal zählen, haben eine Headliner-würdige Show gespielt. Sänger Gerre verwies scherzhaft darauf, dass man in deren Alter seit 30 Jahren seriös sei und nur einen Song mit dem Wort 'Bier' im Titel spiele, was natürlich zu verdutzten Gesichtern im Publikum führte, da dieses Thema sich doch textlich sehr durch deren Liedgut zieht. Aber es folgte dann erstmal "Need Money For Beer". Sehr witzig auch die Einlage eines Fans, eine leere Flasche Bier mit dem Frontmann gegen eine gefüllte zu tauschen. Ansonsten war es feucht-fröhlich wie erwartet. Viel Bier, Stagediving, großartige Stimmung und 1,5 Stunden Thrash. Standesgemäß verabschiedete man das Set mit dem Song "Freibier" und "(Empty) Tankard" in der Zugabe, wo sich die Leute schon zurecht in den Armen lagen. Üblicherweise viel Bewegung auf der Bühne bei den drei Akteuren und ein Frank, der immer ein wenig wie ein Hardcore-Saiteninstrumentalist herumsprang. Frontmann Gerre hat auch inmitten des Gigs mein Telefon genommen und ein Selfie auf der Bühne gemacht. Witzig! tankardVerrückt, dass ich vor dreißig Jahren mit Tankard auch in Lünen gespielt habe und die Band nun 44 Jahre auf dem Buckel hat, wie Gerre auch immer wieder von der Bühne erwähnte. Zum Familientreffen im Ruhrpott trieb es auch die langjährigen Ex-Sodom-Kollegen Bernemann (Bonded) und Bobby, der uns demnächst auch mal wieder mit neuer Musik beglücken will. Konnte ja zwischendurch auch kaum die Finger zum Mittrommeln auf Tisch und Beinen stillhalten. Thrash Metal hat man auch einfach im Blut. Das kann das Alter nicht terminieren. Die Band hatte auch viel Merch dabei und Vinyl in limitiertem rosa. Da war ich bei Mercher und Manager Buffo auch gerne mal am Stand. Da ich auch Personen traf, die Tankard noch nie gesehen und dementsprechend voll begeistert waren, kann ich jedem eine solche Show wärmstens empfehlen. Die spielen nicht umsonst ganz oben mit und haben mit ihrem letzten Album Platz 8 in den Charts erreicht.



Autor: David Ivanov - Pics: David Ivanov/Gerre