Kurz vor den bald anstehenden, besinnlichen Feiertagen, oder wie es ein alter Kollege von mir zu sagen pflegte „Emotionsterror“, noch ein wenig Punk-Rock auf die Ohren zu bekommen, halte ich für eine gute Idee. Also auf in die nordrhein-westfälische Landeshauptstadt, in den ehrwürdigen Schuppen für diese Art der Musik. Logisch, der Pitcher in Oberbilk, was sonst. Es ist Sonntag und daher eine Matinee Veranstaltung, wohl auch wegen der Nachbarn. Somit ist bereits um Vier Uhr Nachmittag Einlass und das Live Programm soll nach Plan eine Stunde später starten. Erstaunlicherweise ist es doch recht voll in dem Laden, das hätte ich jetzt gar nicht erwartet. Zumal der Headliner gestern schon im nicht allzu weit entfernten Bochumer Rockplast gespielt hat.
Als Support Band hat man heute die Jelly Janes am Start. Laut ihrer Internetpräsenz, vier musikverrückte Düsseldorferinnen, die verschiedenste Musikstile mixen und so ihren ganz eigenen rauen Jelly Sound erschaffen. Irgendwo zwischen Indie, Alternative, Garage- und Punkrock mit einem Spritzer Ska, einem Schuss Blues und jeder Menge Spaß. Hm, das schießt heute leider weit am Ziel vorbei. Die drei Damen an der Front sind relativ steif und der Spaß offenbart sich mir auch nicht so wirklich. Ich mag es ja nicht, kleine Bands zu verreißen, aber ich will auch keine Märchen erzählen. Auch einige Zuschauer, die jetzt nicht zum direkten Freundeskreis der Ladies zählen, sind nicht wirklich angetan von der Darbietung. Zur Ehrenrettung trägt dann allerdings Tritze am Schlagzeug bei. Das Mädel ist mit vollem Elan und jede Menge Spaß bei der Sache. Man merkt ihr richtig an, mit wieviel Freude sie ihren Job heute macht. Die Songs sind eigentlich auch ganz okay, es hapert einfach an der Darbietung derselben. Wenn ich es auch nicht so krass ausdrücke wie ein Besucher hinter mir, muss ich sagen, da ist in Sachen Stage Acting noch sehr viel Luft nach oben. Wenn man auf ein Punk-Rock Konzert geht, dann soll es gefälligst auch kacheln!
Setlist: Way Up, Anger, Good Fight, Surf Song, Sister, Revelation, No Tomorrow, Treasure Hunt, Mayfly, Return, Damned, Jelly Janes
Jetzt wird kurz umgebaut und dann geht im wahrsten Sinne des Wortes der Punk ab. Die vier Schwestern von Maid Of Ace machen keine Gefangenen und brettern los wie die Hölle! So und nicht anders muss das! Zuletzt hatte ich Abby, Alison, Anna und Amy Elliott vor acht Jahren gesehen, das war im Musikbunker in Aachen. Damals war ich schon fasziniert von der schieren Power, welche die jungen Ladies von der Bühne gerotzt haben. Und heute hat sich das Ganze noch extrem gesteigert, mit vierfacher Warp Geschwindigkeit rasen die Mädels durch ihre Setlist. Stillstand oder Verschnaufpausen sind nicht wirklich eingeplant. Das macht einfach Spaß und die Menge ist fröhlich am pogen. Die Schwestern aus Hastings injizieren dir pures Adrenalin in die Ohrmuscheln, das es nur so kracht. Mit ihrem schnörkellosen Punkrock gaben sie sich schon als Support für Green Day die Ehre, wobei ich ehrlich gesagt wahrscheinlich nur wegen der Vier dahin gegangen wäre. Hier sind einfach alles zersägende Riffs, die dich mit dem aggressiven Gesang von Alison in Grund und Boden schmettern. Das ist pure Rebellion im Hier und Jetzt, voll auf die Fresse und mit jeder Menge Spaß am Rock ‘N‘ Roll. Getreu ihrem Motto „Live Fast Or Die“, erobern die Mädels mit ihren kompromisslosen Songs die Welt, sofern der Planet dazu bereit ist.
Und ganz egal, wer von den Vieren, jede macht ihren Job zu einhundert Prozent. Ob Abby, das Tier am Schlagzeug, die trommelt wie eine vom Jenseits geschickte. Gitarristin Anna im Prodigy Shirt, die ihre Saiten mit der gleichen Inbrunst bearbeitet, während Amy mächtige Bass Salven in den Saal feuert. Ein Rundum Wohlfühl-Paket also, das von der begeisterten Menge frenetisch gefeiert wird. Da strömt der Schweiß und läuft das Bier, klassischer Punk-Rock in Reinkultur! Interaktivität mit dem Publikum ist natürlich selbstredend der Job von Alison, den sie vorzüglich erledigt. Nach einer guten Stunde Vollgas sind die Ladies dann auch erst einmal ausgepowert, was sie aber nicht daran hindert, für die Fans da zu sein und die üblichen Wünsche, wie Fotos, Autogramme und ein wenig Small Talk zu erfüllen. Da geht man gerne wieder hin, wenn denn die nächste Tour ansteht.
Setlist: Hit’ Em Harder, Hollywood Rain, Disaster Of Noise, Minimum Wage, Spittin’ Blood, This Is War, These Are The Days, Fight, Monster, Live Fast Or Die, Let’s Go, The Terror, Repent, Forever, Bone Deth, Nostalgia, Made In England











































