COBRA SPELL, ISABEAU

Diest (Belgien), Hell, 05.12.2025

Cobra Spell Hell live2025 5Knapp einhundertvierzig Kilometer hatte ich auf mich genommen um gegen Ende des Jahres noch einmal die niederländisch/spanische Band Cobra Spell zu sehen. Die Truppe um Bandchefin Sonia Anubis war Anfang des Jahres bereits mit Thundermother unterwegs und in diesem Rahmen konnte ich den Fünfer in der Zeche Bochum erleben. Mit den Schwedinnen sind sie auch aktuell „on the road“, nur rockten Thundermother an diesem Abend auf dem „Pott Out -Festival“ in Bochum. Anstatt einen Day-Off einzulegen, nutzen Cobra Spell den Abend, um Belgien eine Stippvisite abzustatten. Demnach war im Hell-Club Diest eine Headliner-Show angesetzt. Nachdem im Jahre 2024 bereits die damalige Basserin und die zweite Gitarristin ausgetauscht wurden, kam an demselben Tag des Auftritts in Belgien die News, dass mitten in der Tour die quirlige Drummerin Hale Naphtha und die erst letztes Jahr dazugestoßene Basserin Bel Mena nicht mehr zur Band gehören. Dass es natürlich ultra-kompliziert ist, im laufenden Tour-Geschäft gleich zwei Posten auszuwechseln dürfte jedem klar sein. Vor dem Gig konnte ich am Merchandise-Stand lediglich erfahren, dass die beiden Aushilfen an den Fellen Eric und am Viersaiter Richie heißen. Der Hell-Club, liebevoll geführt vom Inhaber Erik, ist ein Domizil für Headbanger welches man einfach mal erlebt haben muss. Man fühlt sich förmlich von jetzt auf gleich in der goldenen Achtziger versetzt. Musik von Exodus und King Diamond erklingt. Das Publikum ist ebenso kultig. Eine Metal-Höhle vor dem Herrn. Aber auch was die Mobilität angeht fühlt man sich an früher erinnert, denn der Handy-Empfang ist gleich null.

 

Isabeau (1)Gut achtzig Fans hatten ihren Weg ins Venue gefunden. Im Vorprogramm war eine Band namens Isabeau von der Partie. Die holländisch/belgische Formation um Sängerin Renée zelebriert groovigen Death-Metal und war als Support für den Headliner, welcher dem Achtziger-Poser Sound frönt, nicht so ganz passend. Ich finde es immer förderlich, wenn eine weniger bekannte Formation es durch Networking gelingt ins Vorprogramm einem bekannteren Act zu kommen, auch wenn es diesmal nicht so ganz passte. Sei es drum Isabeau zogen ihren Streifen fünfundvierzig Minuten durch und für ihr Genre machten sie die Sache wirklich gut. Shouterin Reneè hat Feuer im Hintern und hatte den Mob fest im Griff. Die Fronterin sang abwechselnd im Growl Stil und mit klaren Vocals. Ab und an brachte Bassist Frank sich gesanglich noch mit ein. Ich bin nun wirklich kein Death-Metal Fan aber erstaunlicherweise waren die fünfundvierzig Minuten Darbietung der sympathischen Truppe kurzweilig.

 

 

 

Cobra Spell Hell Diest (2)Nach einer kurzen Umbaupause, in der sich die Cobra Spell, wie schon bei früheren Gigs, bereits voll aufgestylt, selbst die Bühne vorbereiteten, erklang das Intro der letzten Scheibe „666“ und die Band stieg mit dem Kracher des erwähnten Albums „The Devil Inside Of Me“ voll ein. Das Gitarren-Duo, Sonia Anubis und Adri Funerailles, welches auch außerhalb der Bühne liiert, beziehungsweise verheiratet ist, fegte wie wild geworden über die Bretter und feuerte die Gitarren-Salven nur so ab. Die große Waffe von Cobra Spell ist und bleibt jedoch Sängerin Kristina Vega, an welche so schnell keine Kollegin und auch fast kein Kollege rankommt. Von tief bis ultrahoch beherrscht die Spanierin alle Facetten. Wer die Frontfrau jedoch mal persönlich kennenlernen durfte, kann bestätigen, dass von Starallüren oder abgehoben Gehabe keine Spur ist. Wenn man da an so manche selbsternannten Stars denkt, tut diese Tatsache gut. Cobra Spell sind wahre Workaholics, denn neben ständigem Touren stehen sie kurz vor der Fertigstellung eines neuen Albums, das im ersten Halbjahr 2026 erscheinen soll. Die Setlist besteht aus den bisherigen Releases und beinhaltet Smasher wie „Satan Is A Woman“, „Bad Girl Crew, „Love Crime“ und „Warrior From Hell“. Mehr Achtziger Feeling geht nicht! An den Drums drischt Sub-Drummer Eric präzise die Felle und begeistert mit präzisem kraftvollem Spiel. Auch Richie am Bass liefert einwandfrei ab. Dass man natürlich von heute auf morgen keine zweistündige Setlist bieten kann, wenn zwei Mitglieder ersetzt werden mussten, war vorauszusehen. So wurde geschickt die WASP-Nummer „I Wanna Be Somebody“ eingebaut. Die Gruppe gibt alles und keine Minute empfanden die Besucher als langweilig. Wenn man bedenkt, dass das Ticket im Vorverkauf nur schlappe 22,50€ kostete, kann man nicht meckern. Cobra Spell Hell Diest (1)Hier traf man auf zwei enthusiastische Acts mit eigenen tollen Songs, wobei der Focus der Masse auf ausgelaugte große Bands und Tribute-Formationen liegt. Danke daher an Sonia und Co., dass sie so den Rock nicht ausverkaufen und sterben lassen. Als letzte Nummer beschließt die Über-Komposition „Addicted To The Night“ den Reigen hinterlässt eine begeisterte Meute. Sonia, Kristina und Adri standen danach am Merch-Stand noch für Fotos und Autoramme zur Verfügung was von den Fans dankend entgegengenommen wurde. Ich selbst freute mich über Autogramme der beiden Haupt-Akteurinnen auf einer von mit mitgebrachten alten Flying-V-Gitarre. Bleibt zu hoffen, dass sich die Truppe von ständigen Line-Up-Wechseln nicht aus der Reihe werfen lässt. Solange jedoch Sonia Anubis und Kristina Vega dabei sind, sollte das Gesicht der Formation bewahrt bleiben. Wenn einer Mannschaft den Aufstieg in höhere Sphären gegönnt wäre, dann sind es Cobra Spell.



Autor: Stephan Georg - Pics: Gerard Hamels