APOCALYPTICA, EMBRACE THE SILENCE

Dortmund, FZW, 29.11.2025

Die Garderobenschlange ging bis in die Halle, da haben wir unsere Joppen einfach mal angelassen, obwohl es warm war wie in einem Nonnenkloster. Leider auch am Merch kein Vinyl ergattert, wusste ich doch, dass die neue „Apocalyptica plays Metallica Vol. 2" in blau erschienen ist, aber ich hätte ja ein Schweißband für 15 Euro nehmen können. Habe ich aber nicht.

Embrace The Silence - live - 2025Die Band Embrace The Silence eröffnete pünktlich um 20 Uhr und setzte sich aus Mitgliedern aus Hamburg, Hannover und den Heimvorteilern Castrop-Rauxel am Bass zusammen. In einer halben Stunde wurde das Programm runtergebrettert und, wie der Basser inmitten des Sets passend bemerkte, dass er zu alt für die Scheiße wäre, empfand auch ich es in Richtung ihrer Musik so. Die war zwar gut gespielt und vorgetragen, und das Publikum hatte sichtlich Spaß, doch wenn der shoutende Gitarrist von Thrash Metal sprach, kam mir das bei dem Cleangesang des Bassers immer etwas anders vor. So werden sie auch im Internet als melodischer Metalcore deklariert, was mir altem Sack dann die direkt die korrekte Definition liefert, was hier musikalisch divergiert. Dennoch waren sie sympathisch und haben cool abgeliefert. Das junge Publikum weiß da aber sicherlich mehr mit anzufangen, wenn zwischen thrashigen Akkorden melodische Mitsingrefrains auftauchen.

Apocalyptica - live - 2025Das Backdrop bei Apocalyptica fanden wir schon mal grundsätzlich unschick, und auch das Licht hat diese eigenartige Ästhetik nicht verschönern können. Um kurz nach 21 Uhr ging es dann wie bei den Vorbildern dieser cellistischen Vertonung mit „Ecstasy Of Gold" (Ennio Morricone) als Einmarschmelodie los. Bereits als zweiter Song wurde „Enter Sandman" und direkt darauf „Creeping Death" abgeledert. Lange nicht mehr live gesehen. Haben echt nichts an ihrer Power eingebüßt. Viel Bewegung trotz der großen und sperrigen Instrumente und eine nette und unterhaltsame Kommunikation mit dem Publikum. In Gedenken an den verstorbenen Ausnahmebassisten Cliff Burton gab es sogar „The Call Of Ktulu". Alles sehr schön und teilweise angenehmer als bei Metallica arrangiert (z.B. „St. Anger"), wobei man sich zwischenzeitlich wunderte, dass keine Felle am Drum ausgewechselt werden mussten, so hart wie der finnische Drummer dort die Schießbude malträtierte. Bei "Nothing Else Matters" gab es lautstarke Ovationen des Publikums und sogar eine verrückte Version von "One" mit einer Industrial-Note und gesprochenem Text vom Playback fand ihren Weg in die Playlist. Auch bei Seek & Destroy" forderte Bandgründer Eino Matti „Eicca“ Toppinen die Leute zum Mitsingen auf und stimmte selbst mit ein. War auch echt überraschend, dass es einen großen (sogar gutaussehenden) Frauenanteil im Publikum gab. Allerdings spielte ja auch zeitgleich unser BVB gegen Leverkusen. Um 22:40 Uhr ging es dann zu Ende, die Songauswahl passte und man hat komplett Metallica-Songs hinsichtlich des aktuellen, zehnten Albums, das diese Thematik ja aufgreift, im Programm. Das FZW bot wieder eine grandiose Soundkulisse, bei der alle Altersgruppen auf ihre Kosten kamen. Danke für diesen tollen Abend, hätte ich nicht noch in der späten Stunde den jährlich Ex-Freundinnen-Besoffenenanruf erhalten. Aber das Konzert hat trotzdem Spaß gemacht!



Autor: David Ivanov - Pics: David Ivanov