Eigentlich hatte es Absu ja seit 2020 nicht mehr gegeben (Es gibt seitdem jedoch eine neue Inkarnation unter dem Banner Proscriptor McGovern´s Apsu). Dennoch hat man sich noch einmal zusammengerauft, wenn auch – mal wieder – mit komplett neuer Besetzung. Anlass für die Tour ist ihr zweites Meisterwerk „The Sun Of Tiphareth“, welches 1995 erschienen war und sein 30-jähriges Jubiläum feiert. Deshalb wird dies auch komplett am Stück gespielt. Warum die alten Mitstreiter daran nicht teilhaben dürfen, ist mir nicht bekannt. Seltsam ist auch die neue Konstellation der Band, denn Proscriptor, der früher Schlagzeuger und Sänger war, übernimmt jetzt – erstmals in der Band-Geschichte – nur noch den Gesang. Für das Vorprogramm konnte man die Norweger Ancient gewinnen, deren legendäres Debüt-Album „Svartalvheim“ zwar schon 1994 wurde, aber dennoch auch auf 30-Jahre-Jubiläumstour geht. Ein cooles Package jedenfalls!
Den Anfang machen aber Trivax, die mir gar kein Begriff sind. Sie gründeten sich 2009 im Iran, sind aber schon länger in England ansässig. Neben einem Haufen EPs sind auch drei reguläre Langeisen von ihnen erschienen. Die Musiker sehen schon finster aus. Sie sind von Kunstblut überströmt. Auf der Stirn eines jeden Musikers kann man sogar Einschusslöcher erkennen. Das wiederum finde ich ziemlich originell! Sie spielen wütenden Black-/Death Metal, der ziemlich finster daherkommt, gut gespielt ist und auch sehr eigenständig rüberkommt. Am ehesten würden mir Behemoth und Hate als passende Vergleiche einfallen. Von daher bin ich hier auch von einer polnischen Band ausgegangen. Auch wenn der Gig sehr intensiv ist und Trivax für einen Opener im Helvete gut geeignet sind, holt es mich dennoch nicht so richtig ab, und ich gehe nochmal am Merchandise-Stand vorbei, wo mir aber die T-Shirts zu je 30 € entschieden zu teuer sind. Man quatscht noch mit vielen Bekannten, die sich ebenfalls in der Vorhalle tummeln, bevor es weitergeht.
Dann kommen Ancient aus Norwegen an die Reihe. Ich mag ihre Art Melodic Black Metal eigentlich gar nicht so sehr, bin aber ein großer Fan ihrer Frühphase, der 7“ EP „Det Glemte Riket“ und dem Debüt „Svartalvheim“, die beide 1994 erschienen waren. Von früher ist heute jedoch nur noch Gitarrist und Sänger Aphazel dabei, der mit seinem Nietenstirnband auf dem Kopf, der vermutlich wie eine Dornenkrone aussehen soll, zwar nicht so lächerlich aussieht wie befürchtet, aber leider auch nicht so böse wie erhofft. „Danke schön, Oberhausen!“, ist seine häufigste Ansage, und er scheint sich sichtlich darüber zu freuen, dass der Name dieses Clubs ein norwegisches Wort ist („helvete“ ist das Wort für „Hölle“). Er sagt an, dass „Svartalvheim“ Jubiläum hat und deshalb am Stück gespielt wird. So ganz stimmt das aber nicht, denn denn das neunminütige „Paa Evig Vandring“ und das darauffolgende „Ved Trolltjern“ werden aus Zeitgründen weggelassen. Dafür gibt es am Ende das Bathory-Cover „13 Candles“, das Ancient 2018 veröffentlicht hatten. Die Band hat sichtlich Bock. Die Spielfreude ist der Combo anzumerken. Vor allem der sympathische Bassist gefällt mir gut, der immer headbangt und das Publikum animiert. Sein Mikrofon funktioniert zwar bei „The Call Of The Absu Deep“ nicht (übrigens ein jahrelang währendes Problem im Helvete! Habe ich sowohl bei eigenen Gigs mit Brimstone Gate als auch als Fan bei Agathodaimon, bei Darvaza und heute bei Ancient und Absu erlebt!), dafür glänzt Frontmann Aphazel bei „13 Candles“ mit überraschend gutem Klargesang! Eine cooler, kurzweiliger Gig!
Setlist: Algol Svartalvheim (Intro), Trumps Of An Archangel, Huldradans, The Call Of The Absu Deep, Det Glemte Riket, Eerily Howling Winds, Likferd, Trolltaar, Lilith´s Embrace, Outro, 13 Candles (Bathory-Cover)
Headliner sind dann Absu, die schon um 21 Uhr als letzte Band die Bühne betreten und etwas mehr als eine Stunde spielen. Ich habe sie schon mehrere Male live gesehen; jedes Mal in einer anderen Besetzung, aber jedes Mal gut. Und so ist es heute auch! Früher hat Chef Prosciptor McGovern immer Schlagzeug und Leadgesang zusammen übernommen, was schon irre war, wenn man bedenkt, was er für komplizierte Sachen trommelt. Heute beschränkt er sich nur auf den Gesang. Hinterm Schlagzeug sitzt Dimitrios „Vorskaath“ Dorian von Zemial. Ein Blick auf das Agatus-Shirt des Bassisten weckt in mir einen Verdacht, dass es sich hier um eine komplette griechische Backing-Band handelt. Und tatsächlich erzählt Proscriptor bei der Bandvorstellung kurz vor Schluss, dass es sich bei seinen drei Mitmusikern um Zemial handelt, denen später auch der Zugabenteil zugesprochen wird. Zwischendurch probiert Schlagzeuger Vorskaath immer wieder sein Mikrofon aus, aus dem aber kein Ton kommt. Proscriptor sieht ziemlich obskur aus. Sein Mikrofonständer ist mit okkulten Symbolen gespickt. Er selbst trägt ein seltsames, glitzerndes Rüschenhemd, und sein Gesicht ist komplett schwarz angemalt. Und ich bin angenehm überrascht, wie homogen der Bühnen-Sound heute ist! Die Musik von Absu ist ja nun sehr komplex. Und auch wenn man heute nur eine Gitarre hat und sowohl die akustischen Gitarren als auch der Frauengesang nicht da sind (endlich sehe ich mal wieder ein Konzert ohne nervige Samples!), hat man nicht das Gefühl, dass etwas fehlt.
Die Ansagen sind zwar ohrenbetäubend laut und mit viel zu viel Hall versehen. Ansonsten ist hier aber alles im grünen Bereich! Die Band scheint die komplexen Strukturen mit Leichtigkeit zu spielen. Sie wirken fröhlich und headbangen viel. Proscriptor wirkt sehr theatralisch. Manchmal streckt er nur seinen Mikroständer aus und bleibt dabei regungslos stehen wie eine Statue. Mal streckt er beschwörend die Arme aus. Mal kniet er wie in Trance nieder. Aber er wirkt dabei immer authentisch. Neben den sieben Songs des „The Sun Of Tiphareth“-Album gibt es noch „...And Shineth Unto The Cold Cometh“ und „Never Blow Out The Estern Candle“ obendrauf, bevor nach der Bandvorstellung noch zwei Zemial-Songs kommen. Den Gesang bei „Under Scythian Command“ übernimmt weiter Proscriptor, den Gesang von „Fullmoon Necrophilia“ teilt er sich dann bei dann mit Drummer Vorskaath, der – genau wie Proscriptor bei Absu – bei Zemial gleichzeitig für Schlagzeug und Gesang zuständig ist. Im Vergleich zum Absu-Material klingen die beiden Zemial recht rumpelig. Das macht aber nichts. So gut der Sound vor der Bühne auch ist, auch das amerikanisch-griechische Quartett scheint auf der Bühne Probleme zu haben. Zwischen den Songs diskutieren die Mitglieder immer wieder untereinander. Und nach dem zweiten Zemial-Song verlassen die Musiker überraschend die Bühne. Auf vorherigen Auftritten gab es immer vier oder fünf Zemial-Stücke zum Schluss, was mich zu der Annahme führt, dass die Band den Gig wütend abgebrochen hat. Lediglich Drummer Vorskaath bliebt auf dem Podium, um in Ruhe seine Becken abzuschrauben.
Setlist: Apzu, Feis Mor Tir Na n´Og (Across The North Sea To Visnech), Cyntefyn´s Fountain, A Quest Into The 77th Novel, Our Lust For Lunar Plains (Nox Luna Inlustris), The Coming Of War (Morbid Scream-Cover), The Sun Of Tiphareth, ...And Shnieth Unto The Cold Cometh, Never Blow Out The Estern Candle, Under Scythian Command (Zemial-Cover), Fullmoon Necrophilia (Zemial-Cover)
Als großer Zemial-Fan finde ich es natürlich schade, dass heute nicht das volle Set gespielt wurde. So ganz schimm ist es aber auch nicht, denn es ist immerhin Sonntag, und ich muss noch eine Dreiviertelstunde zurückfahren. Als Fazit bleibt für mich dennoch die Tatsache, dass das Helvete endlich mal das Problem mit den Mikrofonen für Background-Gesang aus dem Weg räumen sollte, denn das kam in den letzten zwei Jahren hier doch sehr regelmäßig vor...











































