Da hat Google Maps mich aber ganz schön geleimt, mehr Verkehr als üblich war die Ansage und dann stehe ich eine Stunde vor Einlass schon an der Venue. Wäre ja ganz nett, wenn wir Sommer hätten und der Biergarten geöffnet. So ist Warten im Auto angesagt, um nicht komplett durch zu kühlen. Das Foyer ist zwar schon geöffnet, da im Bürgerhaus Stollwerck auf fünf Etagen viele Dinge zeitgleich ablaufen, aber dort ist auch nicht geheizt. Nun soll sich die Temperatur zumindest im großen Saal gleich spürbar ändern. Der Einlass ist allerdings pünktlich, jedoch füllt es sich nur spärlich. Bis kurz vor Showbeginn scheinbar ein oder mehrere Busse eingetroffen sind und die Bude schlagartig voll ist.
Los geht es mit Hannah Ashcroft, eine selbstständige Songwriterin, Gitarristin und Session Musikerin. Sie hatte ich allerdings auch nicht auf dem Schirm, da ich von nur einer Vorband ausgegangen war. Das Mädel steht alleine auf der Bühne, nur mit Gitarre und einem umfangreichem Effektpedalsortiment. Irgendwo bewegt sie sich zwischen Indie-, Psychedelic- und Folkrock, verziert mit schrägen Gitarrenriffs. Der Sound, wenn er nicht so gewollt ist, klingt allerdings ziemlich nervig und schrill. Nicht unbedingt mein Glas Bier. Stimmlich ganz nett, aber da ich heute Abend mehr auf Punk eingestellt war, packt es mich nicht so richtig an. Dem Publikum scheint es zu gefallen, denn es gibt brav Applaus nach jedem Stück. Und auch Charlotte Cooper vom Headliner scheint von der Musik angetan zu sein, jedenfalls sehe ich sie im Backstage Bereich zum Rhythmus wippen. Vielleicht hätte es mich mit einer kompletten Band mehr überzeugt, so kann ich dem Ganzen leider nicht viel abgewinnen.
Setlist: Under The Static, Amaryllis, Fist Fight, Little Consequence, Shadow, Like This, Amoeba
Als nächstes stürmen jetzt The Meffs auf die Bühne. Ein Punkrock Duo aus Colchester in Essex, die mal so richtig Gas geben. Nicht umsonst wurde ihr Debüt Album „What A Life“ von Frank Turner, der zufällig in der Nachbarschaft wohnt, produziert. Gitarristin und Sängerin Lily Hopkins hat scheinbar heute ihre Ritalin Dosis vergessen und geht ab wie ein Zäpfchen. Keine Sekunde steht sie still und jagt wie ein Derwisch über die Bretter. Hieß es vor einigen Jahren noch Three Man Are Enough, geht der Trend heute zum, ich nenne es jetzt mal so, Couple Core. Mit Gitarre und Schlagzeug ausgestattet, lassen Lily Hopkins und Lewis Copsey, auch wenn sie beziehungstechnisch kein Paar sind, so manche Konkurrenten in größer Besetzung recht alt aussehen. Unmissverständlich machen sie klar, dass sie gegen Faschismus, Ungleichbehandlung und sonstige Diskreditierung sind. Nebenbei geben sie dann noch eine knallige Version von The Prodigys Song „Breathe“ zum Besten. Ein Gig der super Spaß macht, leider insgesamt viel zu kurz für meine Begriffe.
Setlist: Deathwish, So Modern, Fire, Breathe, Stamp It Out, Disorder, Broken Britain Broken Brains, Clowns
Nun ist es aber an der Zeit für den Headliner, immerhin ist es ein Montag und die Uhr zeigt schon halb zehn. So erscheinen The Subways jetzt und legen los wie die Feuerwehr. Bassistin und Mitsängerin Charlotte Cooper schüttelt unentwegt ihr Haar und fegt über die Bühne als gäbe es kein Morgen mehr. Absoluter Energie Overkill! Dazu gibt Camille Phillips, die auch schon bei den Ramonas gespielt hat, lässig und doch präzise den Takt am Schlagzeug an, während Gitarrist und Sänger Billy Lunn augenscheinlich gerne Geschichten erzählt. Zu fast jedem Song gibt es eine Story. Erstaunlicherweise spricht Charlotte das Publikum in fließendem Deutsch an, was allerdings auf einem Zettel neben der Setliste steht. Zu ihrer Ehrenrettung muss ich aber anmerken, dass es keine Lautschrift ist, sondern wirklich lupenreines deutsch. Wer also die Sprache nicht kann, schafft die korrekte Artikulation erst gar nicht. Außerdem sind wir ja für die Musik hier, die jetzt so richtig losgeht. Im Saal wird heftig gepogt, es ist ja Punk und kein Metal, sonst wäre es ein Moshpit. Die Truppe aus Hertfordshire weiß auf jeden Fall zu überzeugen, umso verständlicher, dass auch die Zuschauer absolut textsicher sind und jede Nummer lautstark mitsingen. Die ausgelassene Stimmung und die Temperatur im Saal nähern sich dem Siedepunkt.
Zwischendurch widmet Billy einen Song „Mary“ seiner Mutter und wirkt dabei sentimental und sichert sich auch so die Sympathien der Menge. Absolut gewonnen hat er, als er dann während der Zugaben in die Menge springt und zurück zur Bühne surft. Nebenbei erwähnt er, dass er gar keinen Bock hat die Bühne zu verlassen, um die Zugaben Rufe abzuwarten und dann wieder zurück zu kommen. Also geht es direkt in den Zugaben Block und natürlich fordert er trotzdem die Zugabe Rufe ein, die auch prompt geliefert werden, bis dann eine Stunde vor Mitternacht endgültig Schluss ist. Positiv aufgeputscht geht es dann noch zum Merchandise, wo Charlotte, Camille und die Musikanten der Vorbands bereits im vollen Einsatz sind und signieren was das Zeug hält.
Setlist: Oh Yeah, Black Wax, We Don't Need Money To Have A Good Time (German version), Passenger's Side, My Heart Is Pumping To A Brand New Beat, Holiday, Kalifornia, Mary, Popdeath, At 1 AM, Turnaround, I Want to Hear What You Have Got To Say, Kiss Kiss Bang Bang, Girls & Boys, I Need To Feel You Closer, With You, Rock & Roll Queen











































