JULIEL - Einfluss von außen wollte ich keinen!


Das einzige Solo-Album „The Time Of The Ashes“ von Juliane Ehl, das unter dem Banner Juliel erschienen ist, war bereits ein Jahr alt, als die Anfrage zu diesem Interview kam. Es gibt mit „“ zwar eine neue Single, aber da wir digitale Auskopplungen auf unserer Seite nicht besprechen, haben wir uns auf ein (wenn auch etwas verspätetes) Interview geeinigt, wo das Konzept des vielseitigen Albums noch einmal ausführlich durchleuchtet wird. Bei den Antworten merkt man schon, wie detailverliebt und akribisch Frau Ehl an die Sache herangegangen ist. Vielleicht werdet Ihr ja nach dem Lesen neugierig und beschäftigt Euch mit dem Album, das es auch auf CD zu kaufen gibt.

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Daniel: Hi Juliane! Na, alles klar? Kommen wir mal zu Deinem Projekt: Juliel scheint eine Ableitung Deines bürgerlichen Vornamens zu sein. Ist das Absicht oder Zufall?

Juliane: Nein, kein Zufall! Da es sich um ein Solo-Projekt handelt, hatte ich überlegt, es einfach nach mir zu benennen: Juliane Ehl. Ich musste jedoch feststellen, dass manche Menschen tatsächlich Probleme haben, meinen Namen richtig auszusprechen, also habe ich Vor- und Nachnamen zusammengezogen und ein paar Buchstaben gestrichen, bis Juliel übrigblieb.

Daniel: Das leitet mich eigentlich direkt zur nächsten Frage: Handelt es sich hierbei um Dein Soloprojekt oder um eine richtige Band? Du hast ja auf einige Gastmusiker zurückgegriffen. Könnte man da überhaupt noch von einem Soloprojekt sprechen?

Juliane: Es ist definitiv ein Soloprojekt. Die Gastmusiker beschränken sich auf Valentin Mayr am Schlagzeug, der einen tollen Job gemacht hat. Die Orchestersounds waren mir etwas zu steril, also habe ich einige Passagen von Fabian Dost an der Viola und Violine doppeln lassen. Das hat den Sound sehr aufgewertet und gab einen menschlichen Touch dazu. Den Chor konnte ich schlecht selbst machen, aber alle anderen Instrumente und Gesänge stammen von mir.

Daniel: Wie viel Einfluss hatten Deine Helfer auf das Songwriting? Oder gab es von Dir strikte Vorgaben?

Juliane: Meine Demos waren bereits komplett ausgearbeitet und in Logic X vorproduziert. Valentin hat die Demos bekommen, danach geübt und mein programmiertes Schlagzeug durch das echte quasi 1:1 ersetzt. Ich hätte ihm da gerne etwas mehr freie Hand gelassen, aber dazu war die Studiozeit zu knapp. Fabian habe ich Noten der Streicher-Parts zukommen lassen. Wir haben bei der Aufnahme dann nur einzelne Sachen angepasst. Den größten Einfluss hatte mein Produzent „Doc.Rock" Jochen Schwaerzel. Wir kennen uns schon ewig. Er war mein Gitarren- und Schlagzeuglehrer, hat mir viel über Studiotechnik beigebracht und mich auch darin bestärkt, mir für die Produktion des Albums ein eigenes Studio aufzubauen und auch selber zu singen.

Daniel: Hättest Du alle Instrumente selbst eingespielt, wenn Du sie beherrschen würdest? Oder wolltest Du auch gezielt Einfluss von außen?

Juliane: Hätte ich so gut Schlagzeug spielen können, hätte ich es auch selbst eingespielt. Einfluss von außen wollte ich keinen, was Jochen, glaube ich, etwas frustriert hat. Er hatte nämlich einige abweichende Ideen für die Songs. Ich war da aber stur, grade weil ich schon so lange an den Arrangements gewerkelt hatte. Da haben sich also nur Kleinigkeiten geändert.

Daniel: Das Album ist weder reiner Folk Metal noch Symphonic Metal, enthält aber eine Menge aus beiden Lagern. Welche musikalischen Einflüsse hattest Du für dieses Album?

Juliane: Ich bin ein großer Iron Maiden-Fan, was man meinem Gitarrenspiel auch anhört. Ich habe aber auch Enya im CD-Regal stehen und finde Ayreon großartig. Nightwish sind ein Einfluss, aber auch die melodischen, symphonischen Anteile im Black Metal von Bands wie Enslaved oder Borknagar haben abgefärbt. Ich habe auch eine große Soundtrack-Sammlung, und die hat definitiv Einfluss gehabt.

juliel Daniel: Es handelt sich offensichtlich um ein Konzept-Album. Worum geht es genau?

Juliane: Das Album beginnt, als ein Meteorit die Erde trifft, die Welt, wie wir sie kennen, verwüstet und einen nuklearen Winter auslöst. Die Erde verwandelt sich in ein Asche-Ödland, der Himmel verdunkelt sich, und das Überleben scheint unmöglich. Dann driftet die Geschichte etwas in die Fantasy ab, denn es beginnt eine Reise zum verheißungsvollen „Land Of Light", einem Ort, an dem die Sonne noch scheinen soll. Mehr will ich nicht verraten, ich glaube, da sollte sich jeder selbst seinen Reim auf die Texte machen. Für mich ist die Geschichte eine Allegorie darauf, mit einem Schicksalsschlag umzugehen.

Daniel: Welche Fantasy-Autoren oder Filme beeinflussen Dich beim Texten?

Juliane: Tatsächlich keine. Es ist eher umgekehrt. Ich packe konkrete Ereignisse in ein Fantasy- oder Science-Fiction-Gewand, weil sie dadurch häufig leichter zugänglich werden und mehr Menschen ansprechen.

Daniel: Könntest Du Dir vorstellen, diese Geschichte auch in Buchform für Fantasy-Leser zu veröffentlichen? Oder gibt es vielleicht sogar schon Pläne dafür?

Juliane: Beim Schulabschluss war mein Zukunftsziel: Ein Buch schreiben, es verfilmen und den Soundtrack dazu komponieren. In der Tat habe ich ein halbes Buch geschrieben - aber über ein anderes Thema. Ich bin leider stecken geblieben und habe mich später dafür entschieden, quasi direkt einen Soundtrack zu schreiben. Das hat lange genug gedauert. Also nein, leider. Der Tag hat nur 24 Stunden.

Daniel: Wie lange hat es überhaupt gedauert, bis diese Geschichte zu Ende geschrieben war?

Juliane: Die ersten Ideen hatte ich bereits, als ich bei meiner ersten richtigen Band Insinerate gespielt habe. Das war noch zu Schulzeiten. Später bin ich bei Candela eingestiegen, und da haben wir zusammen im Proberaum unsere Songs geschrieben. Die Richtung war eine etwas andere, und meine Liedfragmente schlummerten lange Zeit in der Schublade, weil sie nicht zur Band gepasst haben. 2013 ist mein bester Freund bei einem Autounfall ums Leben gekommen, und da habe ich mich auf den Hintern gesetzt und gesagt: Das Leben kann morgen rum sein, schreib entweder Dein Buch oder Dein Konzept-Album zu Ende! Ich entschied mich offensichtlich zu letzterem, und das hat dann mit allem Drum und Dran bis 2020 gedauert.

Daniel: Wird es eine Fortsetzung geben? Kannst Du uns dazu schön Näheres sagen?

Juliane: Diese Geschichte ist abgeschlossen.

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Daniel: Wo habt Ihr aufgenommen, und wer hat produziert?

Juliane: Wie gesagt hat mich Jochen Schwaerzel dahingehend unterstützt, mir mein eigenes Tonstudio aufzubauen. Wir haben viel gemeinsame Soundsuche begangen, um herauszufinden, in welche klangliche Richtung es gehen sollte. Das Schlagzeug hat Jochen in seinem Studio Doc.Rock's Alte Schule aufgenommen. Ich habe den Rest bei mir zu Hause aufnehmen können. Final gemixt und gemastert habe ich.

Daniel: Von wem stammt das Artwork? Und wie bist Du mit dem Künstler in Kontakt gekommen?

Juliane: Das Artwork stammt von mir; die Fotos im Booklet und das übrige Design auch. Das habe ich alles mit Photoshop bearbeitet. Das Cover sollte ursprünglich auch aus einer Fotomontage bestehen, aber mir haben diverse Versionen nicht gefallen, also habe ich es per Hand gezeichnet und nur am Computer koloriert. Den Schriftzug habe ich auch selbst entworfen.

Daniel: Könntest Du Dir vorstellen, Dir auch eine Besetzung für Live-Auftritte zu suchen? Oder soll Juliel ein reines Studioprojekt bleiben?

Juliane: Momentan habe ich keine Live-Pläne, aber ich habe schon Songs probeweise mit anderen Musikern gemeinsam gespielt. Es wäre also machbar.

Daniel: Wie sehen sonst Deine Zukunftspläne mit Juliel aus?

Juliane: Ich schreibe momentan Lieder für ein zweites Album. Da ich zwei Jobs und drei Bands habe, wird es aber etwas dauern, bis die fertig sind.

Daniel: Alles klar, Juliane! Dann gebührt Dir noch das Schlusswort!

Juliane: Vielen Dank für dein Interesse an meiner Musik! Ich hoffe sie gefällt.

 

 



Autor: Daniel Müller