Pistol: Hallo Aliki, mein Name ist Pistol. Wir haben uns ja vor einiger Zeit schon kennengelernt und ich möchte Dir heute gerne ein paar Fragen für das deutsche Crossfire Metal Webzine stellen. Wie kam es zur Gründung der Band, und wer sind die aktuellen Mitglieder?
Aliki: Hi, Pistol! Ich bin Aliki, die Sängerin von Eight Lives Down.
Ich war entschlossen eine Band zu gründen, hatte aber Schwierigkeiten, das Ausmaß des musikalischen Chaos, sowie die Einflüsse, die ich kombinieren wollte, zu vermitteln. Also habe ich James Scott (Cyclocosmia) gefragt, mir zu helfen, ein paar Demo-Songs zu erstellen. James hatte bereits mit Rodrigo – unserem Schlagzeuger – zusammengearbeitet und meinte, er würde perfekt zu Eight Lives Down passen. Rodrigo war sofort dabei. Marcin, unser Bassist, wohnte zu der Zeit bei uns. Ich wusste, dass er Oldschool-Metal, Funk und Punk mag, also dachte ich, er wäre eine gute Wahl – und zum Glück hat er auch Ja gesagt! Paul, unser Gitarrist, und ich haben uns bei einem anderen Musikprojekt kennengelernt, und er hat auf eigene Initiative gefragt, ob er für Eight Lives Down vorspielen könnte. Und so haben wir uns letztendlich zusammengefunden!
Ende letzten Jahres kam für Rodrigo leider ein Punkt, an dem er Leben und Band nicht mehr unter einen Hut bekam, und er daher schweren Herzens aussteigen musste. Unser neuer Schlagzeuger heißt Jean-Philippe, und wir arbeiten uns gerade auf Hochtouren mit ihm durch das Material.
Pistol: Ihr stammt aus Griechenland, Neuseeland, Frankreich und Polen, wenn ich richtig informiert bin. Habt ihr irgendwo ein Basislager, oder wie komponiert ihr eure Musik und nehmt sie auf? Und auch wenn Lemmy von Motörhead immer sagte, wer probt kann nichts, denke ich doch, das ihr zumindest vor Konzerten euer Material probt, oder?
Aliki: Hehehe, ich stimme Lemmy voll und ganz zu … Aber davon mal abgesehen! Ich bin halb Griechin, halb Neuseeländerin und lebe in Kroatien. Marcin ist Pole und lebt in Großbritannien. Paul ist Franzose und lebt in Spanien. Und Jean-Philippe ist Franzose und lebt in Großbritannien, was bedeutet, dass wir jetzt immerhin nur noch auf drei statt vier Länder verteilt sind!
Wir versuchen, uns, wenn möglich, ein- bis zweimal im Jahr zu treffen. Wenn wir dann zusammen sind, versuchen wir, Ideen zu jammen. Normalerweise nehmen wir unsere Ideen und Parts auf und schicken sie uns gegenseitig zu. Wir machen alles remote und online. Der typische Ablauf wäre, dass wir Songs schreiben, alle Details klären und uns in persona treffen, sobald wir eine gute Anzahl an Stücken haben, um sie zusammen zu spielen und Änderungen vorzunehmen, je nachdem, wie sie live klingen und sich anfühlen.
Wir versuchen so oft wie möglich online zu proben, über Software mit geringer Latenz, wie beispielsweise bei der JamKazam (eine vernetzte Musik-Performance-Software, die das Proben an entfernten Orten in Echtzeit ermöglicht). Und ja, wir versuchen, vor Auftritten zu proben, aber das haut nicht immer hin, und wir sind schon bei einigen Auftritten „ins kalte Wasser gesprungen“. Bisher hat das gut geklappt, da jeder sowieso individuell zu Hause übt.
Pistol: Wenn ich euer neues Album höre, fällt mir immer wieder auf wie vielschichtig die Auswahl der verschiedenen Musikstile ist. Woher kommen die Ideen dazu? Du kannst mir auch gerne etwas zu dem Album erzählen, ist es ein Konzeptalbum und gibt es eine Message die ihr mitteilen wollt?
Aliki: Vielen Dank! Jeder in der Band bringt musikalische Ideen ein, es gibt also viele Einflüsse. Außerdem hören wir alle so unterschiedliche Musik und haben so viel Spaß am Chaos, dass ich mir ziemlich sicher bin, es wäre selbst dann noch abwechslungsreich, wenn die Ideen nur von einer Person in der Band kämen! Wir versuchen, jeden Song von einem anderen Ausgangspunkt aus zu komponieren. Manchmal beginnen wir mit einem Bass-Riff, einer Gesangslinie, dem Text, einem Konzept, einem anderen musikalischen Bezugspunkt, einem Drum-Fill – es kann wirklich alles sein. Ein großer Anreiz ist auch immer: „Das haben wir noch nicht gemacht!“ …
Unsere Alben haben konzeptionelle Themen, die die Songs lose miteinander verbinden. Wir haben bisher noch kein vollständiges, narratives Konzeptalbum gemacht. Wir sind aber für die Zukunft durchaus offen dafür.
Für „Fates“ wollten wir einfangen, was auf psychologischer Ebene mit Menschen passiert, wenn sie jegliche Kontrolle verlieren. Die Covid-Pandemie fing gerade an, als wir mit dem Schreiben des Albums begannen, und es war eine sehr interessante Zeit, um die menschliche Psyche zu beobachten, sowohl innerlich als auch nach außen gewandt. Wir wollten auch inhaltlich und thematisch heavier und düsterer werden, daher beschäftigt sich das Album stark mit dem Tod. Eines meiner persönlichen Ziele mit Eight Lives Down war es immer, eine positive, energiegeladene Live-Show zu bieten und damit einzufangen, wie man an all dieser Negativität, Hilflosigkeit und Ohnmacht festhalten kann, ohne darin zu ertrinken. In gewisser Weise gibt es bei Eight Lives Down immer einen „bejahenden“ Unterton. Die Art und Weise wie wir performen, unterstreicht die menschliche Fähigkeit, Herausforderungen des Lebens zu meistern. Ich wollte sehen, ob wir die Identität der Band bewahren und sogar stärken können, indem wir es mit dem Tod als Thema aufnehmen.
Pistol: Aliki, du schreibst die Texte zu eueren Liedern. Wie stelle ich mir das vor? Du hast einen Text und die Jungs komponieren dann die Musik dazu, oder ist es umgekehrt?
Aliki: Wir machen alle Varianten. Bei diesem Album waren die Texte zu „The Process of Dying“, „Phobia“ und „Green Light In The Distance“ fertig geschrieben, bevor die Musik komponiert wurde. Ich habe die Grundakkorde für „Phobia“ geschrieben, damit sie zum Text passten, und dann Rodrigo gebeten, ein Schlagzeugmuster für die Strophe im 9/8-Takt zu erstellen, basierend auf griechischer Musik. Für „Green Light In The Distance“ wusste ich, dass ich ein 6/8-Feeling wollte, aber ich habe Marcin die Lyrics gegeben, und er hat das Fundament des Songs komponiert. Bei „The Process of Dying“ hatte ich den genauen Rhythmus und das Tempo für die Vocals im Kopf. Also habe ich mir die Seele aus dem Leib geschrien und das Ganze aufgenommen, an Paul weitergegeben, und er hat dann die Gitarrenparts um den Gesang herum komponiert.
Bei allen anderen Songs kam zuerst die Musik, dann die Texte – obwohl ich oft schon anfange, die Texte zu schreiben, während ich mir die ersten musikalischen Ideen anhöre … „Dog’s Breakfast“, „The Point“, „Deicide“ und eine Reihe anderer Songs entstanden aus Gitarrenriffs, Bassriffs oder Schlagzeugideen. Andere Songs waren konzeptbasiert, wie „Storm“ und „Left Behind“, aber das Konzept war ein musikalisches, kein textliches, und die Lyrics spiegeln lediglich die Ideen wider. „Storm“ ist zum Beispiel hauptsächlich von Marcin komponiert. Er wollte den Klang des Regens in all seinen Varianten einfangen, von kleinen Tropfen, über strömenden Regen, bis hin zu tosenden Gewittern, und der Text versucht dies widerzuspiegeln, indem er sich mit Herausforderungen und Schwierigkeiten des Lebens befasst. Das Konzept von „Left Behind“ bestand darin, einen brasilianischen Forró -Beat mit etwas anderem zu kombinieren. Da Forró sozusagen eine „Musik der einfachen Leute“ ist, entschieden wir uns für Blues als bestes Gegenstück. Und damit haben wir auch gleich unseren ersten Song mit einer Blues-Tonleiter geschrieben. Der Text handelt vom Leben in Ausgrenzung, vor allem aufgrund von Altersdiskriminierung – ein Faktor, den man nicht selbst beeinflussen kann. In dieser Hinsicht versuche ich, die Sorgen von Menschen aus allen Lebensbereichen einzufangen, um dem musikalischen Konzept zu folgen.
Pistol: Heute ist es ja sehr schwierig Auftritte zu bekommen, wenn Du dein eigenes Ding machst und nicht als Cover- oder Tribute-Band rumreist. Wann kann man euch mal wieder live erleben?
Aliki: Wir bringen unseren neuen Schlagzeuger gerade auf den Stand der Dinge. Und da wir alle in verschiedenen Ländern leben, müssen wir leider etwas wählerischer mit unseren Live-Shows sein. Was wir derzeit wissen, ist, dass wir 2026 die (einzige) offizielle W:O:A-Warm-Up-Show in Bremen spielen werden.
Pistol: Was bedeutet touren und Live-Shows spielen für dich, ist es mehr Stress oder gibt dir das den Kick?
Aliki: Wir lieben Live-Shows und die Band war immer als Live-Band und nicht als Studioprojekt gedacht. Das ist auch einer der Gründe, warum wir versuchen, unsere Songs so aufzunehmen, wie die Leute sie live hören – die einzige Ausnahme, auf beiden Alben, ist die gelegentliche Unterlegung einiger Gitarrensoli mit Rhythmusgitarre.
Wir alle lieben es, live zu performen, aber Marcin hat definitiv am meisten Antrieb und Motivation. Gigs sind für ihn das absolute Highlight an einer Band! Ich liebe es, live zu spielen, aber der kreative Prozess ist für mich am spannendsten. Ich glaube, keiner in der Band hat große Probleme mit Lampenfieber. Klar gibt es vor einem Live-Auftritt immer einen gewissen Stress-Pegel, und einen massiven Adrenalinschub, aber ich glaube, wir empfinden das am Ende eher als spannend und nicht als stressig
Pistol: Wo hast Du so singen gelernt? Hattest du Unterricht oder bist du ein Autodidakt?
Aliki: Ich bin der Inbegriff von jemandem, der Unmengen an Unterricht genommen hat, hehehe. Am Anfang habe ich für mich alleine gesungen, und bin später Schulchören, Musiktheatergruppen und Bands beigetreten – überall, wo ich in irgendeiner Form singen konnte und durfte. Mit 16 habe ich mit klassischem Gesangsunterricht begonnen, den ich bis heute nehme – normalerweise jeden Mittwoch! Ich hatte eine ganze Reihe verschiedener Unterrichtsstunden in zeitgenössischem Gesang, mongolischem Kehlgesang, Obertongesang und Verzerrungstechniken. Ich versuche immer, Lehrer für verschiedene traditionelle Gesangsstile zu finden, aber die sprechen oft kein Englisch und sind ohnehin ziemlich schwer zu finden…
Den größten Teil der Zeit übe und lerne ich allein, aber ich brauche trotzdem Lehrer, um über Blockaden/Probleme sprechen zu können und weil ich externe Ohren brauche, die nicht meine eigenen sind. Aufnahmen können durchaus hilfreich sein, da sie die beim Singen auftretenden internen Schwingungen umgehen, die einen großen Effekt darauf haben, wie wir uns selbst hören. Aber wenn ich mir eine Aufnahme von mir selbst anhöre, höre ich sie trotzdem mit meinen eigenen Ohren und brauche andere Leute mit anderen Meinungen und einem anderen Geschmack, um Feedback zu bekommen!
Pistol: Wenn ich Dich auf der Bühne sehe, fallen mir immer Nina Hagen oder auch Lene Lovitch ein, weil Du so herrliche Grimassen schneidest und total durchgeknallt rüberkommst. Wie bist Du denn im privaten? Genauso, oder ist es nur ein Showelement?
Aliki: Waaaaah, vielen Dank!!!!! Das ist fantastisch zu hören! Natürlich kenne ich Nina Hagen und Lene Lovich!
Ich würde sagen, dass ich auch privat ziemlich verrückt bin. Ich kann mein Auftreten kontrollieren und einordnen, aber ich halte mich oft bewusst nicht an gesellschaftliche Höflichkeitsfloskeln und Konventionen, insbesondere wenn ich das Gefühl habe, dass sie mir moralisch etwas aufdrängen und mich zu grundlegender Unehrlichkeit zwingen. Im Grunde lässt sich mein Auftreten am besten so beschreiben: Ich liebe das Leben und finde es lebenswert. Wenn das bedeutet, ein bisschen verrückt oder unansehnlich zu wirken, ist das für mich perfekt. Wenn es auf der anderen Seite bedeutet, deprimiert und still zu sein, habe ich damit auch kein Problem. Ich mag die Vorstellung, das Leben in vollen Zügen genießen zu können, ohne sich in eine bestimmte Richtung drängen zu lassen oder „das Beste“ aus allem machen zu müssen. Die Dinge sind einfach, wie sie sind, und das ist gut so. Und das gilt auch für meine Grimassen!
Pistol: Bei euren Auftritten haltet ihr es schlicht, kein großer Schnickschnack oder Maskerade, sondern einfach reduziert auf das Maximum, was mir persönlich sehr gefällt. Musik pur und euer Bandshirt als Stage Outfit. Kannst Du dir vorstellen, auch mal mit Showelementen aufzutreten wie aufwendige Bühnendekoration, Pyros oder ähnlichem?
Aliki: Bäh, kann ich schon, aber ich finde, dass all der Schnickschnack am Ende nur von einer guten Live-Show ablenkt. Für mich ist eine gute Live-Show pur, ohne Ablenkungen. Es ist wie bei einem großen Orchester! Man will alles sehen, die Musiker, wie sie sich bewegen, wie der Dirigent Zeichen gibt, wie die Künstler in diesem kleinen, engen Zeitfenster, das der Rhythmus ihnen erlaubt, Emotionen ausdrücken … Ich finde es fesselnd, gute Musiker live zu sehen, und Lichtshows, die mich daran hindern, sie zu sehen, störende Pyrotechnik oder bizarre Outfits entlocken mir normalerweise nur ein genervtes Stöhnen.
Meine liebste „pompöse“ Show ist Carach Angren. Das Corpse Paint, die theatralisch einstudierten, inszenierten Abläufe, die Beleuchtung … in dem Fall trägt das alles zur Atmosphäre bei. Es verleiht auch ein Gefühl von Verspieltheit, Theatralik und – bis zu einem gewissen Grad – offenkundiger „Unehrlichkeit“, was ich in diesem Kontext künstlerisch großartig finde!
Wenn wir mit Eight Lives Down eine Show mit Schnickschnack, Pyrotechnik und extravaganter Beleuchtung machen müssten, sollte das auf jeden Fall als bewusst und ironisch rüberkommen. Ich würde mich am Ehesten an Carach Angren und Bo Burnhams Stand-up-Comedy-Shows orientieren, was Ausmaß, Umfang, Timing und Vibe des Ganzen angeht. Aber ich fände es ziemlich traurig. Ich mag Shows ohne Schnickschnack. Wenn es ohne Schnickschnack nicht gut ist, sollte man es zuerst mal ohne Schnickschnack besser machen!
Pistol: Verrate mir doch mal welche Art von Location du bevorzugst, die kleinen Venues mit direktem Kontakt zum Publikum, oder lieber die großen Bühnen auf Festivals oder Stadien?
Aliki: Oooooohh!!! Große Bühnen!! Was wahrscheinlich seltsam klingt, da ich glaube ich eher einen „kleine-Bühnen-Vibe“ ausstrahle. Ich liebe kleine Bühnen, ich liebe kleine Locations, ich mag es, nah am Publikum zu sein! Was ich allerdings noch mehr mag, ist genug Platz zu haben, um wie eine Verrückte auf und ab laufen zu können!! Auf großen Bühnen fühle ich mich befreit und sicher. Ich denke, ich kann jede Bühne ausfüllen, auch große … Wenn die Bühne zu klein ist, muss ich die anderen mehr im Auge behalten. Du hast bestimmt schon ein- oder zweimal miterlebt, wie sich meine Haare im Gitarrenkopf verfangen haben haha (ja das habe ich! - Anm. des Verf.) Der andere große Nachteil kleiner Bühnen ist, dass man zwangsweise näher am Schlagzeug ist und dadurch alle anderen schlechter hört. Wenn ich genug Platz zum Headbangen habe und ein paar Schritte laufen kann – I love it! Also, große Bühnen sind genial, mittelgroße Bühnen sind super und relativ kleine Bühnen sind auch gut. Wir haben allerdings auch schon ein paar extrem winzige Bühnen erlebt – bis zu dem Punkt, dass wir alle drei (Marcin, Paul und ich) vor der Bühne stehen und spielen mussten, weil wir den Becken des Schlagzeugers einfach im Weg waren!!!
Pistol: Ihr seid eine DIY-Band und bestimmt selbst über das, was ihr macht. Wie wäre es, wenn ihr einen Major Deal bekommt, aber nur unter der Voraussetzung euren Stil zu ändern und an die Vorstellungen der Plattenfirma anzupassen?
Aliki: Hahaha, nein! Die Welt braucht ganz sicher nicht noch mehr solche Bands. Meiner Erfahrung nach bringen Plattenfirmen selten interessante Kunst hervor. Sie denken eher in Richtung Geld und Marketing. Und das ist auch verständlich: Es sind schließlich Unternehmen, und Unternehmen können sich nur begrenzte finanzielle Risiken leisten. Allerdings schränkt dies natürlich die Kreativität enorm ein. Darüber hinaus sind ihnen oft Deadlines wichtiger als Qualität. Ich würde persönlich lieber länger warten und dafür ein gutes Album bekommen, sowohl als Künstler als auch als Fan. Ehrlich gesagt ist es mir sogar ziemlich egal, ob ein Album „gut“ ist. Mir ist es wichtiger, dass es interessant, roh und experimentell ist. Wenn es dann auch noch „gut“ ist, fantastisch! Aber das ist nicht die Art kreativer Leistung, die ich an Künstlern in erster Linie schätze.
Pistol: Siehst Du Eight Lives Down als deine einzige Band an oder hast Du auch noch Nebenprojekte?
Aliki: Es ist definitiv für uns alle unsere Hauptband. Ich arbeite an einer Menge Nebenprojekten, wie zum Beispiel Desolate Plains, einem Thrash/Death-Studioprojekt mit starken Black-Metal-Einflüssen. Aber Eight Lives Down ist meine einzige Live-Band und die, zu der ich am meisten beitrage und mit der ich mich voll und ganz identifiziere.
Pistol: Welche Art von Musik hat Dich am meisten beeinflusst und hast Du bestimmte Lieblingsalben?
Aliki: Meine eigenen Einflüsse sind extrem vielfältig. Marcin ist stark von Punk, Funk und Blues beeinflusst. Paul kommt in erster Linie von Funk/Jazz und New Wave of American Heavy Metal. Rodrigo war in Prog und Thrash Metal zuhause. Jean-Philippes Einflüsse liegen hauptsächlich in Jazz, Funk und Rock, mit einem Schuss Metal.
Ich bin mit westlicher Klassik und griechischer Musik aufgewachsen und hatte immer eine Vorliebe für Punk und Metal. Ich höre gerne Musik aus anderen Ländern, besonders wenn die Vocals in einer Sprache sind, die ich nicht spreche! Zu meinen Lieblingsalben zählen definitiv Savatages „The Wake of Magellan“, Blind Guardians „Imaginations From The Other Side“ und Nobuo Uematsus Soundtracks für Final Fantasy 6-9. In Sachen Komposition, Lyrics und Aufbau des Albums liegt Eminems „Encore“ immer ganz weit vorne … Von da an läge die Entscheidung zwischen Death, Carach Angren und Cattle Decapitation, aber ich wüsste nicht mal, bei welchen Alben ich anfangen sollte …
Pistol: Was machst Du in deiner Freizeit? Vor dem Spiegel stehen und Grimassen üben oder hast Du einen ganz normalen Job?
Aliki: Ironischerweise habe ich tatsächlich Jahre meines Lebens vor dem Spiegel gestanden und Grimassen geschnitten. Zu meiner Verteidigung: Es war nicht meine Idee, sondern eine Forderung meiner Theaterlehrer! Hauptberuflich bringe ich Leuten bei, zu singen und sich die Seele aus dem Leib zu schreien – eine echte Glückssache, und es bezahlt obendrein die Miete! Die Jungs sind alle in irgendeiner Form in der IT/Softwareentwicklung tätig, haben also wirklich „normale“ Bürojobs. Zu einem gewissen Grad besteht ein großer Teil meiner Arbeit tatsächlich darin, Grimassen zu schneiden …
Pistol: Wie wichtig ist die Familie in Deinem Leben? Und wie würdest Du deine Kindheit beschreiben?
Ich beantworte das einfach aus meiner Perspektive - keine Ahnung, wie die Jungs öffentlich mit dieser Frage umgehen würden. Familie ist mir wichtig und gleichzeitig vollkommen unwichtig. Ich habe nicht das Bedürfnis, einer Familie anzugehören, ich habe kein Verlangen, eine eigene Familie zu gründen oder zu erschaffen, und wo immer sich eine Gruppe als „Familie“ bezeichnet, fühle ich mich eher unbehaglich. Ich denke, Familie ist insofern wichtig, dass sie genetische Prägungen mitgibt, dass sie oft den Grundstein für interne und soziale Denk- und Funktionsweisen legt, und dass sie – vorausgesetzt, es gibt keine extremen Situationen, die die Familieneinheit auflösen oder ihre Existenz unmöglich machen – unausweichlich ist, bis man nach dem Gesetz seine grundlegenden Menschenrechte hat. Man steckt also mit ihnen fest. Daher ist es gut, wenn möglich zu lernen, miteinander zu kommunizieren und zusammenzuarbeiten. Und: So sehr man sich auch mit den Eltern gefangen fühlt, sie sind rechtlich gesehen genauso mit einem gefangen. Also keine Sorge, am Ende ist niemand wirklich glücklich.
Ich würde meine Kindheit als eher schwierig beschreiben. Wir hatten eine Reihe externer Probleme. Meine Mutter lebte in einem Land, das ihren Doktortitel in Biochemie nicht anerkannte, sie sprach die Sprache nicht, die griechische Kultur unterschied sich stark von der neuseeländischen, und sie hatte sehr spezielle medizinische Bedürfnisse. Mein Vater war der einzige Verdiener und musste täglich sehr lange arbeiten. Insgesamt haben wir alle gut zusammengearbeitet und uns gegenseitig so gut wie möglich geholfen. Die Grundschule war schwierig, weil viele Kinder, hauptsächlich von ihren Großeltern, gesagt bekamen, sie sollten „nicht mit dem ausländischen Kind reden“. Dementsprechend fühlte ich mich dort nicht sehr willkommen. Außerdem hatte ich das Pech, inder ersten und zweiten Klasse dieselbe Lehrerin zu haben -zwei Jahre sind für eine Sechsjährige eine sehr lange Zeit – die uns regelmäßig mit einem großen Holzlineal schlug. Ich hatte also Angst vor der Schule und der Außenwelt.
In der Mittelschule war es einfacher und die Oberschule war fantastisch! Im Grunde wurde es mit der Zeit immer besser. Aber speziell meine Kindheit ist in meiner Erinnerung trotzdem eine stressige und traurige Zeit, in der Videospiele die einzige wirkliche Freude waren – und ich bin meinen Eltern unendlich dankbar, dass sie mir zugehört und erlaubt haben, Videospiele zu spielen, selbst nach der Medienhysterie nach Ereignissen wie dem Columbine-Massaker (für die Leser, die um 1999 noch nicht gelebt haben: Die konventionellen Medien und Diskussionen in den USA waren darauf hinaus, Videospielen und Metal-Musik die Schuld für Gewalt geben – weil es immer wichtig ist, abzulenken und über irrelevanten Unsinn zu reden).
Pistol: Angenommen, es ist Dein letzter Tag auf Erden, hoffentlich nicht, aber was ist das Wichtigste, was Du dann tun müsstest?
Aliki: Für mich wäre das ganz einfach. Idealerweise relativ früh aufstehen, rausgehen, einen Baum anschauen und aufs Meer gucken, wenn möglich. Allen, die ich liebe, sagen, dass ich sie liebe, mit den Katzen kuscheln, Musik hören, ein Videospiel spielen. Nicht mehr und nicht weniger. Nichts Besonderes. Realität in ihrer pursten Form.
Pistol: Was denkst Du über die Situation in der heutigen Welt, zum Beispiel über den Klimawandel, die große Anzahl an Kriegen derzeit, und Dumpfbacken wie Trump, Putin und ähnliche Machtgierige Staatsoberhäupter?
Aliki: Das klingt jetzt vielleicht hart, aber ich denke, „das Volk“ trägt einen Großteil der Schuld. Sowohl Klimawandel als auch Kriege sind größtenteils Nebenprodukte der menschlichen Unfähigkeit zu akzeptieren, dass wir uns nicht grundsätzlich unterscheiden und dass „gut“ und „böse“ zu oberflächlichen Konstruktionen sind, um Verhalten, Rückhalt oder Diskussionen daran zu orientieren.
Kultur ist ein wunderschöner, faszinierender, organischer Prozess, aber sie ist keine ausreichende Entschuldigung für die Schaffung von Konzepten wie Nationen und Grenzen. Natürlich können wir Dinge trennen und unterscheiden. Dein Haus ist dein Haus und nicht das deines Nachbarn. Aber wenn wir anfangen, nationalistisch zu spalten, ist das philosophisch betrachtet etwas ganz anderes. Politiker sind gezwungen, im Rahmen von „Nationen“ zu agieren. Sie müssen geopolitische Spannungen, Grenzen, Öffentlichkeitsarbeit usw. berücksichtigen. Sie sind nicht einfach nur Vertreter einer Gruppe, die an der Zusammenarbeit mit Vertretern anderer Gruppen interessiert ist. Nationalismus und Patriotismus haben ihren Preis und der ist genau das, was wir in der realen Politik erleben. Wenn jemand also aus einem „wunderbaren“ Land kommt, das „nie jemandem etwas getan hat“, und auch nur halbwegs froh und stolz ist, zu diesem Land zu gehören, dann trägt diese Person dennoch ursächlich zum grundlegenden Problem bei.
Vielleicht ändere ich meine Meinung eines Tages. Es wäre nicht das erste Mal. Aber es gibt Themen wie den Klimawandel, grundlegende Menschenrechte und Pandemien, die – theoretisch – nichts mit „Politik“ oder „Blickwinkeln“ zu tun haben, und wir alle würden davon profitieren, gemeinsam an einer besseren Lösung für diese Probleme zu arbeiten. Um Missverständnissen vorzubeugen: Es geht nicht darum, für die eine Seite und gegen die andere zu sein. Es geht darum, dass wir zusammenarbeiten und im Dialog bleiben müssen, egal wie unterschiedlich wir sind, oder wie sehr wir gewisse Ideen oder sogar einander nicht leiden können. Oh, und nur um eins klarzustellen: Die „andere Seite“ herabzusetzen, sie für „dumm“ zu erklären und sich über sie lustig zu machen, ist keine Kommunikation. Sie mögen anders sein, sie mögen sogar dumm oder lächerlich sein, aber stell dir vor - das sind wir letztendlich alle!
Pistol: Was macht Dich glücklich?
Aliki: Kaninchen!! Nager… Mäuse, Ratten, Eichhörnchen, Kaninchen, Capybaras. Tiere. Tiere machen mich glücklich. Katzen, Otter, Igel, Nilpferde!!
Ich liebe Musik, Videospiele, Manga. Gute Choreografien versetzen mich in Ekstase! Ich werde euch eine absurde Tirade darüber ersparen, welche Elemente meiner Meinung nach eine gute Choreografie ausmachen, aber Yaaay! Ich liebe es, Live-Gesang zu hören, ich LIEBE es, wenn Sänger leicht schief singen – es tut so gut, Vocals zu hören, die echt und live sind und nicht tonhöhenkorrigiert!
Meine Arbeit und die Band machen mich auch sehr glücklich. Nach jeder Probe und jedem Live-Auftritt fühle ich mich sehr entspannt und ruhig.
Pistol: Eine gute Freundin von mir wird dieses Jahr achtundsiebzig Jahre alt und steht immer noch auf der Bühne für eine 90 Minuten Metal Show. Allerdings wird sie Ende 2025 damit aufhören, weil einfach die Bookings nicht mehr kommen. Was glaubst Du, wie lange wirst Du Musik machen und Live-Shows spielen?
Aliki: Das ist eine wirklich gute Frage. Es wird über die Jahre immer schwieriger und finanziell weniger tragbar. Wer weiß? Der Gedanke existiert zumindest, als limitierender Faktor. Wir sind definitiv nicht reich genug, um zu sagen: „Haha, wen kümmert’s, wir werden nie aufhören!“ … Ich habe eine Menge persönliche Erfahrung mit dem Tod, mit geplatzten Projekten, damit, nicht tun zu können, was ich möchte… Ich denke, dass ich an diesem Punkt meines Lebens mit so ziemlich allem klarkommen kann, was passiert. Es macht mich als Künstlerin und Gesangslehrerin ein bisschen traurig, weil ich es wirklich liebe, Auftritte älterer Künstler zu sehen. Es gibt einfach etwas, das mit der Erfahrung kommt, was kein junger Act auf die Beine stellen kann! Außerdem verlasse ich mich meist auf ältere Künstler (wie zum Beispiel Rob Halford von Judas Priest), um zu sehen, welche Techniken nachhaltiger sind als andere, damit ich meinen Schüler helfen kann, ihre Karriere oder ihr Hobby langlebig zu gestalten. So interessant und aufregend neue Acts auch sein mögen, wenn ich nicht sagen kann, ob die ihr Ding auch mit über Vierzig noch machen können, ist es schwer zu beurteilen, ob es sich lohnt, dieser Technik viel Zeit zu widmen…
Pistol: Ich glaube, Du hast sicher schon ein paar Interviews gegeben. Gibt es eine Frage, die Du gerne beantworten würdest, die Dir aber noch nie jemand gestellt hat? Und wie würde die Antwort lauten?
Aliki: Hmm, ich denke, eine Frage, die ich interessant fände, wäre, ob die Bands, mit denen Eight Lives Down in Verbindung gebracht wird, wirklich einen Einfluss auf mich haben. Oft genannt werden beispielsweise Jinjer, Lamb of God, Gojira, Faith No More, System of a Down und eine Reihe anderer Bands. Alle diese Bands sind großartig und haben definitiv einige der Jungs in der Band beeinflusst – Pauls Stil ist stark von Lamb of God gefärbt, Rodrigos stark von Faith No More – aber was die Vocals und gesangliche Inspiration angeht, würde ich sagen, dass diese Bands vielleicht maximal ein Prozent Einfluss auf mich haben … Ich fühle mich stimmlich viel stärker beeinflusst von Zak Stevens, Jon Oliva, Jorn Lande, Michael Kiske, Hansi Kürsch, Tarja Turunen, Geoff Tate, Rob Halford, Amanda Palmer (weil ich eindeutig Punk-Geschrei mag), Regina Spektor (weil ich jeden Sänger bewundere, der seine Stimme wie ein Instrument betrachtet), James Hetfield und Mats Leven… Mir ist schon klar, dass meine Vocals verrückt und chaotisch sind, ich so ziemlich alles probiere und normalerweise niemanden imitiere. Ich finde es halt nur interessant, dass niemand jemals auch nur eine einzige Band erwähnt hat, die mich tatsächlich beeinflusst hat haha.
Pistol: Ich danke Dir herzlich für Deine Zeit und die Beantwortung meiner Fragen. Möchtest Du unseren Lesern noch etwas mitteilen?
Aliki: Nur ein riesiges Dankeschön! Leute, die sich wirklich in der Musikindustrie engagieren, indem sie Interviews lesen, Musik hören, Bands, die sie mögen, mit Freunden teilen und zu Live-Gigs gehen (wenn sie dazu in der Lage sind), leisten einen unbezahlbaren Beitrag dazu, Bands am Leben zu erhalten!












































