SOUTHERN SONS - NOTHING BUT THE TRUTH


Label:BMG
Jahr:1992
Running Time:54:49
Kategorie: Classics
 
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Hier haben wir es mit einem ganz besonderen Juwel aus der Sparte Westcoast / Melodic Rock zu tun. In ihrem Heimatland Australien eine große Nummer und auch in Europa mit ihrem selbstbetitelten Debüt von 1990 noch recht erfolgreich, ging dieses feine Stück melodischer Rock an (zu) vielen Liebhabern dieses Genres vorbei. Das mag daran liegen, dass dieser Silberling damals nur als Import erhältlich war und das Rühren der ganz großen Werbetrommel wie zu oft auch hier ausblieb. Ein Blick auf das Erscheinungsjahr mag ebenfalls Aufschluss über den Misserfolg geben, verbindet man dieses doch landläufig eher mit Bands gänzlich anderer stilistischer Ausrichtung. Hinzu kommt, dass sich das musikalische Oevre dieses Releases nicht wirklich kategorisieren lässt. Schon irgendwie im Westcoast beheimatet, hört man kleinere Anklänge an Toto hier, die bombastische und dramatische Produktion der kongenialen Mr. Mister dort, und trotzdem werden diese musikalischen Eckpfeiler diesem Pflichtalbum nicht gerecht. Was hört man also? Lupenreinen Adult Oriented Rock in „Lead Me To Water“, einem Song, der einem nach erstmaligem Hören nicht mehr in Ruhe lässt, nicht wegen eines käsig-penetranten Refrains, sondern wegen seiner Feingliedrigkeit, seiner Tiefe im Arrangement und dem über allen thronenden, majestätisch-klaren Vocals von Sänger und Gitarrist Jack Jones. Etwas souliger und knarziger geht es bei „Is It Any Wonder“ zur Sache, wo sich durchaus auch Motown und Souleinflüsse im Gesamtsound ausmachen lassen, „Can't Wait Any Longer“ drängt dann mehr nach vorne und verwöhnt mit einer Hookline, die zu schön ist, um wahr zu sein. „Wildest Love“ ist eine der seltenen Balladen-Exemplare, die kitschfrei aus den Boxen zu schweben scheint, genau wie die Titelnummer des Albums. Machen wir uns also nichts vor: Wir haben es hier mit einem Album für die ruhigeren Momente im Leben zu tun, aber eben mit einem, dass man viel besser nicht machen kann. Kitschfrei, musikalisch und songwriterisch auf allerhöchstem Niveau, prachtvoll produziert ist dieser Meilenstein seines Genres zum persönlichen Antesten mehr als nur empfohlen, als Soundtrack für die nächste Grillsause mit den Kumpels vom Bikerclub eher weniger. Der minimale Abzug von der Höchstnote erfolgt nur, da eine weitere, etwas rockigere Nummer der Dynamik des Albums gut getan hätte, was allerdings Klagen auf ganz hohem Niveau gleich kommt.

 

Note: 9.5 von 10 Punkten
Autor: Tammo Krauß


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