COMMUNIC - THE BOTTOM DEEP


Label:NUCLEAR BLAST
Jahr:2011
Running Time:55:11
Kategorie: Neuerscheinung
 
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Sind drei Jahre eine lange Zeit, wenn man auf ein neues Album seiner Faves warten muss? Gemessen an der Wartezeit, die Anhänger von Anthrax auf sich zu nehmen hatten, nicht. Im Falle Communic aber schon. Auf ihrem Viertling „The Bottom Deep“ geht’s nach unten, in finsterere Welten, als man es von den Norwegern gewohnt ist. Und daran ist der Tod Schuld. Der Tod seiner Tochter Sofie hat Mainman Oddleif Stensland zu diesem Album gebracht, ohne dass er auf die süßen Melodieführungen verzichtete. Der Opener „Facing Tomorrow“ verbindet erdiges Getrampel mit einem Mollrefrain zu einem Ohrwurm mit Suchtpotenzial, und geht fließend in „Denial“ über, einem schleppend-mächtigen, komplett mitreißendem Bassgroover, der sich anfühlt, als würde man auf dem Meeresboden wandeln. Die potentielle Single „Flood River Blood“ besitzt wunderschöne Harmonien und trägt zur Erinnerung an die großen Momente ihres Debuts „Conspiracy in Mind“ bei. Am Stärksten kommen Oddleif & Co. sowieso mit den gewohnten Wechseln zwischen progressiven und vorantreibenden Riffs im Refrain und halbakustischen Verses, wie in „Voyage Of Discovery“, das bei Letzterem die nie verstummenden wie schwachsinnigen Vergleiche zum Gesang von Warrel Dane aufkommen lassen könnten. Weil inzwischen Szeneunkundige die Eigenständigkeit beider Bands unterscheiden können, und die Stimmen ihrer Aushängeschilder nie Brüder werden, dürften diese Metapher bei Menschen mit wachem Verstand bereits ad acta gelegt sein. Die göttlichen Trademarks der Norweger aus Kristiansand finden auf diesem Album ihre Vollendung im fantastischen „Wayward Soul“, das zusammen mit dem Opener die Siebenminutenhürde schafft und damit nicht nur diesmal die längsten Tracks darstellen, sondern auch mit dem kleinen Hit „Flood River Blood“ die Übersongs des Albums. Die anderen Sechs gingen mir trotz ihrer komplexeren Erscheinungen ebenfalls sofort ins Ohr, wie es mir von einem kompletten Album von Communic bislang noch nicht widerfahren war. Mit der ein oder anderen Nuance eines Hits oder Ohrwurms in diesen Sechsen mehr, hätte sogar die volle Punktzahl drin gewesen sein können, denn diesem vom Mainman himself zeitgemäß und warm produzierten Album fehlt es sonst an nichts.

Einigen Albumversionen wurde die Coverversion von Overkill’s „In Union We Stand“ zugefügt, die mir jedoch zur Zeit der Fertigung dieses Reviews nicht vorlag.

Note: 9 von 10 Punkten
Autor: Joxe Schaefer


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