ORANGE GOBLIN, VUMM

Osnabrück, Bastard Club, 02.06.2013

VUMMNun kam mal endlich so etwas wie Sommer nach Teutonien, mit Sonnenschein bei fast 20°C Grad, da kamen so hundert Leute auf die Idee, zu Orange Goblin in den dunklen Keller des Bastard Clubs zu gehen. Und das schon am Nachmittag. Wegen Lärmschutz, Nachbarschaft und Rücksichtnahme sollten sich die Tore bereits um 16:00 Uhr öffnen. Aus der Sonne in den Keller herab geklettert, war man erst einmal blind. Auf der Stage prügelten sich Vumm aus unseren Landen durch ihren Set, die offensichtlich ohne Basser auftraten. Ich musste wirklich blind sein, doch nachdem sich die Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, stellte sich heraus, Vumm zockten zu zweit. Der Shouter zerfräste eine Gibson SG, und ein durchdrehender Vollbartdrummer vermöbelte tight sein Kit und brachte dazu ungestüme Shoutings über seine Schulter ins hinter ihm stehende Mikro. Apropos Möbel. Haben die beiden Noise Groover doch tatsächlich eine Stehlampe aus Omas Wohnzimmer auf der Bühne stehen. In wie weit das Leuchtmöbel optisch einen Bassmann auf der Bühne ersetzt, konnte nach dreißig Minuten Spielzeit nicht abschließend geklärt werden. Jedenfalls Daumen hoch für die Beiden, die beachtenswerten Lärm für Zehn machten.

 

 

ORANGE GOBLIN chris & martynGleich zu Beginn des Feldzuges der Briten Orange Goblin wurde offensichtlich, dass es auch jetzt auf keinen Fall zu leise war. Shouter Ben Ward im Shirt von The Damned“ spielte die Luftgitarre mit dem Mikrofonständer, während die Saitenbretter zu seiner Linken und Rechten permanent mit fliegenden Haaren aufmuckten. Bei seiner coolen Action, bei der er fast durch seine nicht unstattliche Körpergröße mit den Kopf unter die Decke des Kellers zu geraten schien, gab es immer wieder jeden Kontakt zum Publikum, auch mit Abklatschen. „Let’s Get Fucking Drunk Tonight“ kündigte Ben an, und griff dann aber erstmal zur Wasserflasche. Und bei den coolen Getränkepreisen sollte das auch kein Problem sein. So legte man für die 0,3er Pulle sechsprozentigem Astra nur 1,8 Euronen auf den Tresen. Mein Fave „Some You Win, Some You Lose“ vom 2003er Album “Thieving From The Hose Of God” schloss sich an, und erst jetzt erkannte ich das Shirt von St. Vitus, das Basser Martyn Millard trug, weil durch sein Mehr an Action bei diesem Song seine Haare weiter zur Seite flogen und das Motiv freigaben. Die langsamsten Groover waren die Londoner nie, und die pure Energie übertrug sich auf den vollen Keller des Clubs. Kurz vor Schluss sprach Ben dem verstorbenen Slayer-Gitarristen Jeff Hannemann eine Widmung aus, wonach plötzlich ein Circlepit losbrach; für ein Stoner Konzert sicher keine typische Angelegenheit. Dafür gab es dann zum Schluss den Klassiker „Scorpionica“ vom 2000er Album „The Big Black“, das als letzte Zugabe in die Menge geworfen ORANGE GOBLIN benwurde, und auch keinesfalls fehlen durfte. Erst recht nicht bei diesem energiereichen Konzert. Der Aufforderung von Ben, am Stand für Merchandise vorbei zu schauen, wo ein äußerst gutaussehender Mensch verkaufe, lohnte sich. Es gab nicht nur das neue Vinyl der zu promotenden Livescheibe „A Eulogy For The Fans“ abzugreifen, sondern auch das zuvor veröffentlichte Studioalbum „A Eulogy For The Damned“. Die Preise für die fünf verschiedenen Shirts lagen zwischen 18 und 22 Euro, hatten aber leider keinen Backprint. Am nächsten Abend ihrer Europatour sollte es für Orange Goblin wieder treppab gehen, nämlich in den Rosenkeller nach Jena.



Autor: Joxe Schaefer - Pics: Joxe Schaefer