BOWIE ODYSSEY 70 - von Simon Goddard


Label:HANNIBAL
Jahr:2021
Running Time:208 Seiten
Kategorie: Neuerscheinung
 

Eine Biografie der etwas anderen Art. Es ist, wie der Titel schon hergibt, eine Retrospektive jedoch nur aus dem Jahr 1970 rund um David Bowie. Man macht kleine Sprünge zurück in die später 60er-Jahre, um einige Dinge näher zu erläutern. Es handelt sich aber nicht nur um Mister Bowie. Das kurzweilige Buch ist eher eine zeitgenössischen Milieustudie, mit allen Facetten und Ortschaften, wie das britische Örtchen Hull, die zur damaligen Zeit, mit dem Künstler in Berührung kamen. Will heißen: wir dürfen über Musiker und Sänger lesen, die rund um David zum Erfolg kamen, Künstler, Fotografen, Freunde und Weggefährten die mit ihm in Kontakt kamen (oder nur in dem Jahr aktuell waren) und Bowie´s sexuellen Neigungen.

Dazu berichtet man uns über die Zeit selbst, der damaligen Mode, den großen Stars und Einflüssen...eben dem ganzen Drumherum aus dem Jahr 1970. Der Autor schreibt allerdings so Insider-intensiv, dass man schon irgendwie dabei gewesen sein muss um das Flair der Locations, Clubs, Bars, Events und Happenings zu erfassen. Du sitzt im Wohnzimmer mit deiner Frau und ihrer besten Freundin aus Jugendzeiten und hörst ihren nostalgischen und privaten Momenten zu aber du bist nicht Teil der Diskussion. So ging es mir beim Lesen. Viele Passage blieben mir unerschlossen, da ich absolut nicht wußte wovon der Autor schrieb, der anscheinend vetrauteste Interna von David´s ex-Frau Angie Bowie Branett erfahren hatte.

Am intensivsten ist die Geschichte zwischen David und Marc Bolan, der mit T.Rex zeitgleich durchstartete. Wobei Freundschaft und Konkurrenz nahe beieinander lagen. Somit erfahren wir etliches über den noch jungen Mister Bowie aber auch vieles was mich überhaupt nicht interessiert hat oder bereits bekannt war, wie zum Beispiel über George Best, den Mann des Jahres oder Susan George – der Frau des Jahres, über den Trend der Mini-Röcke für Frauen oder dem Midi-Rock für Männer, sowie über die damalige Protestbewegung. Und immer wieder werden einem die Meinungen der damals tredigsten Magazine auf´s Auge gedrückt. Diesbezüglich ist auch die Foto-Auswahl ausgefallen. Nahezu die Hälfte der Pics haben nichts mit David zu tun. Wie das Portrait von Greta Grabo.

Mag sein, dass diese Zeilen für manchen Fan einzigartig und vor allem anders sind, ich persönlich wurde in meinen Erwartungen enttäuscht. Die Zwiegespräche mit seinem psychisch kranken Bruder haben mich verwirrt und die ignorante Art wie David seinen ersten Manager in den Sand setzte, fand ich enttäuschend. David Bowie wußte damals nicht wer David Bowie ist und war in der Findungs-Phase und ich muss nach diesem Buch erst wieder zu Bowie finden.

 

Note: Keine Wertung
Autor: Steve Burdelak


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