CACUMEN - BAD WIDOW


Label:BOOM
Jahr:1983
Running Time:43:07
Kategorie: Classics
 

Was mussten sich Bonfire-Fans nicht schon so alles gefallen lassen? Nervige Schnulzen-Alben, Schlager-taugliche Alben mit peinlichen deutschen Texten, eine Weihnachts-Single, ja sogar zwei Stadion-Hymnen für den FC Bayern und den FC Ingolstadt gab es von ihnen schon, später noch peinliche Albumtitel wie „The Räuber”. Als Fan der Band hatte man es wahrlich nicht leicht und musste schon so einiges ertragen. Bessere Zeiten – zumindest musikalisch – gab es noch mit der Vorgänger-Band Cacumen. Auch wenn die Band es nicht gerade einfach hatte… So erschien 1984 nach der Vier-Track-Vorab-Single „Longing For You“ das dritte Album „Down To Hell“ gar nicht mehr auf Vinyl. Dies erblickte erst 2004 – quasi zum zwanzig-jährigen Jubiläum – das Licht der Welt, und auch nur auf CD. 1984 wurden immerhin noch die beiden Live-Tracks „Longing For You“ und „Down To Hell“ von der Single auf dem Sampler „1. Rock-Fabrik Festival ´84“ veröffentlicht. Nach der Namensänderung in Bonfire verschwanden aber auch diese auf dem Re-Release des Samplers, der unter dem Titel „Heavy Metal Live In Germany Vol. 1“ nochmals erschien, und wo Cacumen durch zwei Livetracks von Gravestone („Son Of The Freeway“ und „Rock ´n´ Roll Is Easy“) ersetzt wurden. Das Hippie Rock-lastige, selbstbetitelte Debüt-Album von Cacumen aus dem Jahr 1981 klang noch etwas unbeholfen, auf dem dritten Album „Down To Hell“ konnte man schon erahnen, wo es bald mit Bonfire mal hingehen sollte. Der Höhepunkt ihres Schaffens stellt aber ihr zweites Album „Bad Widow“ dar, welches im Original 1983 erschien. Und was das für ein Brett war! Selbst Leuten, die nie etwas mit Bonfire anfangen konnten, wird hier die Kinnlade runterklappen! Übrigens möchte ich hier nicht über Bonfire ablästern! Ich besitze ihre ersten vier Alben auf Vinyl und finde sie auch toll! Erst danach wurde es komisch... Aber zurück zu besagtem Cacumen-Album: Bereits der Opener „Ain´t Got No Woman“ überzeugt auf ganzer Linie. Der treibende Rhythmus lässt den Hörer sofort mitwippen. Und der gedoppelte Gesang im Refrain erinnert nicht selten an einen gewissen Klaus Meine. Überhaupt hat man auf „Bad Widow“ den Eindruck, dass Cacumen den klassischen Sound der Scorpions und auch UFO so gut in den eigenen integriert haben, dass man ihnen kein Plagiat vorwerfen kann.

Knackige Riffs, tolle Melodieführung, eingängige, hymnische Refrains bestimmen das Geschehen, und es kommt keinerlei Langeweile auf. Dazu kommt eine scharfkantige Produktion, die noch längst nicht so glattpoliert klingt wie all das spätere Schaffen der Herren Lessmann und Ziller. Der Titeltrack ist ebenfalls ein cooler Rocker. Hier klingt der Gesang auch noch etwas rauer. Auch eine Talkbox ist hier im Gitarrensolo zu hören, bevor der Mitgröl-Refrain einsetzt. „Games Of Loneliness“ beginnt mit einem schönen Akustik-Intro und steigert sich dann langsam zu einer hymnischen Halbballade. „Broken Man“ könnte danach glatt als Classic Rock-Song aus den Siebzigern durchgehen. „Too Old To Rock“ beendet die A-Seite und erinnert mich etwas an „Rock Bottom“ von UFO, was durchaus beabsichtigt sein könnte. „You Are My Destiny“ ist eine treibende Rock-Nummer mit mitreißendem Gesang. „Tonight“ schlägt in etwa in dieselbe Kerbe, während es bei „Strong Desire“ etwas getragener - wenn auch nicht balladesk - zugeht. „I´m Gonna Make It Someday“ klingt dagegen sehr rock´n´rollig. Der Refrain klingt fast kitschig und geht schon etwas in die spätere Bonfire-Richtung, macht aber richtig Spaß! Und auch bei „Rescue Me“ geht nochmal gut die Post ab! Geil! Der CD-Re-Release von 2004 enthält neben den zehn regulären Tracks der LP noch den bis dato unveröffentlichten Studio-Track „One Night Lover“ im klassischen Siebziger Rock-Stil und eine achtminütige Live-Version des Titeltracks, in der man das fanatische Publikum zum Mitsingen zu animieren weiß. Hier überrascht der räudige Bootleg-Sound, den man von so einer sauber klingenden Band wie Bonfire alles andere als gewohnt ist. Da die Wiederveröffentlichungen aber von der Band direkt ausgingen, zeigt dies immerhin eine gewisse Ehrlichkeit und Liebe zur Musik, die man dem Hörer nicht vorenthalten wollte. Ich find´s cool! Fans von gut gemachtem Hard Rock und der New Wave Of British Heavy Metal (wo man den rockigen Metal von Cacumen zumindest stilistisch auch gut einordnen kann) sollten sich dieses Album unbedingt mal anhören, wenn man es noch nicht kennt!    

Tracklist:
Seite 1:
Ain´t Got No Woman
Bad Widow
Games Of Loneliness
Broken Man
Too Old To Rock
 
Seite 2:
You Are My Destiny
Tonight
Strong Desire
I´m Gonna Make It Someday
Rescue Me
 
Line-Up:
Claus Lessmann – Vocals
Hans Ziller – Guitars
Horst Maier-Thorn (R.I.P. 2017!) – Guitars
Robert Prskalowicz – Bass
Hans Forstner - Drums

 

Note: 9 von 10 Punkten
Autor: Daniel Müller


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