AMORPHIS, SOILWORK, JINJER, NAILED TO OBSCURITY

Köln, Essigfabrik, 02.02.2019

Ausverkauftes Haus heute in Köln bei der Amorphis Show, mit drei weiteren Support Bands. Dementsprechend ist bereits um 17:30 Einlass, da heißt es früh genug an der Venue sein, um noch einen der raren Parkplätze zu ergattern. Eigentlich gibt es genug freie Fläche dort, nur leider hat die Stadt Köln hier überall ein Parkverbot ausgesprochen. Dieses wird selbst zu nachtschlafender Zeit kontrolliert, und zudem mit kräftigen Tickets geahndet. In meinen Augen reine Schikane gegen die Betreiber der Essigfabrik. Da aber zusätzlich auch noch ein Interview Termin mit der ukrainischen Band Jinjer ansteht, sind wir sowieso pünktlich vor Ort. Ein Blick in die noch leere Halle zeigt uns, das es tatsächlich voll wird heute, da man die großen schwarzen Stoffplanen zur Teilung komplett abgenommen hat. Und auch die Masse an bereits anwesendem Thekenpersonal deutet darauf hin.

 

Nailed To Obscurity live2019Als erste Band heute Abend gehen jetzt Nailed To Obscurity auf die Bühne. Die Band wurde 2005 im beschaulichen Esens in Ostfriesland gegründet. Gespielt wird eine Mischung aus Melodischem Death Metal mit Doom Anleihen, der auch direkt beim Publikum zündet. Hier merkt man sofort um die Qualitäten dieses Fünfers als Live Band. Heftige Riffs und hammermäßiger Gesang heben diese famose Truppe augenscheinlich von der breiten Masse ab und man merkt schon, dass diese Band nicht erst seit gestern auf der Bühne steht. Leider ist die Zeit recht knapp bemessen, daher spielen die Jungs insgesamt nur vier Nummern vom aktuellen Album „Black Frost“ und den Song „Desolate Ruin“ vom Vorgängeralbum. Hier hätte man ruhig mehr Zeit gewähren sollen, aber natürlich ist bei einem Programm von vier Bands leider nicht alles machbar.

Setlist: Black Frost, Feardom, The Aberrant Host, Tears Of The Eyeless, Desolate Ruin

 

Jinjer live2019Jetzt folgt mein persönliches Highlight des Abends, die Jungs und das Mädel von Jinjer aus der Ukraine. Von Anfang an habe ich den wohlverdienten Aufstieg dieser Truppe beobachtet, wann immer sie eine Show hier in der Gegend spielen, bin ich dabei. Schon vor der Show habe ich ihren Tonmenschen gesehen, der wieder mal akribisch mit seinem Tablet die Halle durchquert um den optimalen Sound einzustellen. Keine Nullachtfünfzehn Nummer, sondern mit absoluter Perfektion lotet er die Essigfabrik von allen möglichen Punkten aus um klangmäßig das Beste herauszuholen. Und so punkten sie auch heute wieder mit einem akustischen Ohr-gasmus. Tatianas Stimme die nicht von dieser Welt zu sein scheint, Eugene der aus seinem Bass unglaubliches herausholt, Roman ein präziser Gitarrist und auf den Punkt gespieltes Schlagzeug von Drummer Vlad sind immer wieder ein Höhepunkt besonderer Art. Und so kommt es auch zum Publikum herüber, die die Truppe in der prall gefüllten Halle frenetisch abfeiern. Selbst das man gleich vier Nummern der eben erst erschienen EP „Micro“ zum Besten gibt, zeigt sich vom Erfolg gekrönt. Das Publikum ist textsicher und stampft die neuen Songs direkt mit. Mit dem Überhammer "Sit Stay Roll Over" als letzte Nummer, gibt man dem Publikum noch einmal alles. Viel zu schnell ist das Set dieser unglaublichen Band zu Ende, da freut man sich schon wie Bolle auf die nächste Show in Köln wo sie im August beim Rhein Riot spielen werden.

Setlist: Words of Wisdom, Ape, I Speak Astronomy, Dreadful Moments, Teacher Teacher, Who Is Gonna Be The One, Pisces, Perennial, Sit Stay Roll Over

 

Soilwork live2019Nun wird die Bühne geräumt, und man legt das Schlagzeug für Soilwork frei. Quasi ist es wohl eine Double Headliner Tour, da man den Schweden den gleichen Platz auf der Bühne zugesteht wie der heutigen Hauptgruppe. Soweit so gut. Auch Soilwork zählt man in den Bereich des Melodic Death Metal. Wobei ich hier schon von Anfang an feststelle, dass mir Sänger Björn „Speed“ Strid mit seinem zweiten Projekt deutlich besser gefällt. Wenn er mit dem „Night Flight Orchestra“ unterwegs ist, wird deutlich mehr Abwechslung geboten. Natürlich ist die Band damit äußerst erfolgreich, das steht außer Frage, wie man jetzt unschwer am begeisterten Publikum erkennen kann. Bei mich persönlich macht sich allerdings gepflegte Langeweile breit. Umso dankbarer bin ich gerade dem Tour Manager von Jinjer, der mich jetzt zum Interview in den Backstage Bereich entführt. Als ich dann eine dreiviertel Stunde später wieder heraufkomme, hat sich eigentlich nichts geändert. Die Schweden spielen mit satten sechszehn Stücken also schon fast einen Headliner Set. Kann man machen, ich hätte es allerdings nicht gebraucht. Zumal auch der Sound recht schwammig ist, kein Vergleich zu den übermächtigen Jinjer vorhin. Aber alles hat ein Ende, und so komme ich dann doch noch dazu die Theke aufzusuchen und mir eine Gerstenkaltschale zu genehmigen. Dies ermöglicht die Tatsache, dass ein Großteil der Anwesenden jetzt zum Rauchen die Halle verlässt oder sich in die endlose Schlange an den Toiletten einreiht. Somit freie Bahn zum Zapfhahn.

Setlist: Arrival, The Crestfallen, Nerve, Full Moon Shoals, Death in General, Like the Average Stalker, The Akuma Afterglow, Drowning With Silence, The Phantom, The Nurturing Glance, Bastard Chain, As We Speak, The Living Infinite II, Witan, Stabbing the Drama, Stålfågel

 

Amorphis live2019 1Mittlerweile ist es schon fast 22:00 Uhr und endlich sind wir beim Hauptakt für heute angekommen. Die sympathischen Finnen von Amorphis und nicht wie böse Zungen sagen „Am Ohr Fies“ legen direkt los und haben die Menge im Griff. Logischerweise sage ich mal, da die Show bereits seit Wochen ausverkauft ist. Und die Jungs lassen nichts anbrennen, ein wahres Retro Feuerwerk das hier abgebrannt wird. Auch der Sound ist jetzt wieder besser, scheinbar hat jede der Kapellen ihren eigenen Tonmenschen dabei. Und die das Publikum in der Essigfabrik zeigt sich sowohl bei alten als auch neuen Songs enorm textsicher. Da wird jedes Lied zur Hymne, ein wahres Fest für die Protagonisten auf der Bühne so gefeiert zu werden. Einmal mehr bestätigt sich, weswegen Amorphis als eine schon fast  perfekte Live Band gehandelt werden. Vor ihrer Show hoffte ich, dass sie auch älteres Material spielen würden. Und ja, nachdem sie den Set mit zwei Nummern aus dem letzten Album "Queen Of Time", spielen sie selbstredend auch Stücke der Alben wie "Skyforger" und "Hopeless Days“ Amorphis live2019 2Es scheint mir das die Truppe aus Finnland immer ein breit gefächertes Publikum haben wird. Leute die kommen um die Musik zu genießen, und sich für die Zeit des Auftritts mit auf eine Reise ins Land der tausend Seen nehmen zu lassen. Auch der Zugaben Block, bestehend aus „Death Of King“ und „House Of Sleep“ darf als gelungener Abschluss eines langen Konzertabends betrachtet werden. Alles in allem ein großartiger Abend mit tollen Bands, auch wenn mich Soilwork nicht richtig überzeugt hat. Aber das ist nun einmal Geschmacksache.

Setlist: The Bee, The Golden Elk, Sky Is Mine, Sacrifice, Message in the Amber, Silver Bride, Wrong Direction, Daughter of Hate, Heart of the Giant, Hopeless Days, Black Winter Day, Death of a King, House of Sleep



Autor: Pistol Schmidt - Pics: Andrea Breitenbach