SAIGON KICK - SAME


Label:THIRD STONE / ATLANTIC
Jahr:1991
Running Time:50:24
Kategorie: Classics
 
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Saigon Kick setzten in den Frühneunziger Jahren nicht (wie so viele andere Bands aus Florida) auf die Death Metal-Karte, sondern hatten stattdessen lieber einen völlig eigenständigen Sound entwickelt. Diesen zu beschreiben, ist nicht ganz einfach, da die Gruppe sich bei unterschiedlichsten Musikstilen bediente und daraus ihre völlig eigene Suppe kochte. Die schmeckte damals schon absolut vorzüglich und hat im Laufe der Jahrzehnte eher noch an Würze und Aroma zugelegt. Eigentlich kann ich mir hier nur die Finger verbrennen, wenn ich versuche, dieses breit gefächerte Musikuniversum in Worte zu fassen. Dennoch ist es einen Versuch wert, denn die Band hat es mehr als verdient, mal wieder eine Schubkarre voll Aufmerksamkeit zu bekommen. Es ist mir in dunkler Erinnerung geblieben, dass die Jungs damals oft fälschlicherweise in die Glam Metal-Ecke gesteckt wurden. Vielleicht war das den Konzerten und Tourneen als Vorgruppe diverser Bands aus diesem Bereich geschuldet. Sicherlich gab es gelegentlich Berührungspunkte zu diesem Genre in der Musik von Saigon Kick. Aber auch die andere Seite, in welcher man die harten und speedigen Riffs auspackte, wurde mit großer Vorliebe ausgelebt. Man fabrizierte hier eine faszinierende Ansammlung aus brilliant durchdachter Rockmusik, wahlweise mit leicht punkiger oder metallischer Lackierung, inklusive Spielwitz und Ideenreichtum an allen Ecken! Über alledem stehen die herausragenden Gesangsharmonien von Matt Kramer, welche wirklich ihresgleichen suchen. Die Gitarren erklingen regelmäßig schön hart, dann wieder überaus melodisch, jedoch stets individuell auf das Wohl des jeweiligen Songs ausgelegt. Ja, die Kunst ihre Songideen in wunderbar harmonische und fast schon ungewohnt magische Klänge zu verwandeln, hatte dieses Quartett wahrlich drauf. Ähnlich wie Jane´s Addiction und Faith No More haben sie ordentlich frischen Wind aufgewirbelt und waren auf ihre Art und Weise originell und somit super wichtig. Mit dem Strom schwimmen und etwas Herkömmliches abliefern kam überhaupt nicht in Frage. Dieses Debut-Album wurde übrigens von keinem geringerem als Michael Wagener produziert und ist demnach auch soundmäßig eine absolute Sternstunde. Einen einzelnen Song herauszuheben wäre, wie wenn man beim Konditor nur ein einziges Stück Torte auswählen dürfte. Das schenke ich mir hier ganz bewusst, denn dieser Rundling bietet gleich vierzehn Leckereien. Auch wenn sie in Amerika stets mehr Beachtung fanden als auf unserem Kontinent, sollte man nach diesem zeitlosen und immer noch erfrischend klingendem Stück Musikgeschichte unbedingt Ausschau halten. Test Of Time" aber sowas von bestanden!

Note: 9.5 von 10 Punkten
Autor: Dirk Determann


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