THE VINTAGE CARAVAN - GATEWAYS


Label:NUCLEAR BLAST
Jahr:2018
Running Time:48:09
Kategorie: Neuerscheinung
 
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Selten habe ich mich auf ein Album so gefreut und um ein Review so gerissen, wie auf die Scheibe des isländischen Rocktrios The Vintage Caravan, die Ende diesen Monats mit "Gateways", den Nachfolger von "Arrival", aus 2015 abliefern. Ist es wirklich schon wieder drei Jahre her? Unglaublich, wie die Zeit vergeht. Ob sich Oskar Logi (Gitarre, Gesang), Alex Örn (Bass) und Stefan Ari (Schlagzeug) weiter und insbesondere in die richtige Richtung entwickelt haben und nochmal so eine Topscheibe abliefern können? Einen Vorgeschmack auf das neue Opus gab es bereits durch die Auskopplung von "Reflections", einer kernigen Rocknummer mit durchgehenden, flotten Drums, ordentlichem Groove und dem typischen 70er-Jahre-Vintage, den die drei Jungs so einmalig beherrschen. Doch zurück zum Anfang. Nach einer ganz kurzen Jamsession und einer aufschreienden Uriah Heep - Orgel, startet "Set Your Sights", mit ordentlich Druck unter dem Kessel. Die Nummer wartet mit den typischen Licks, einer coolen, roughen Voice und einer Menge Fuzz auf. Deutlich rauer und erneut mit gutem Groove ausgestattet, geht es mit "The Way" weiter. Der Refrain mit fetten Basslines und einem richtig aggressiven Oskar am Mikro ist guter Stoff. Es folgt das schon beschriebene "Reflections". Ohne Frage ist das bislang abgelieferte Material, auch nach mehrmaligen Durchläufen toller Vintage-Rock.

Das, was die Isländer allerdings auf den vorherigen Alben ausgezeichnet hat, nämlich dass sie eine bekannte Melodie in ihre Kreationen integrieren und so am laufenden Band Stücke ablieferten, die direkt in die Ohrmuscheln gingen und sich dort gnadenlos festbissen, vermisse ich bislang. "On The Run" ist dann so eine Nummer, voll gepackt mit dem Spirit der ausgehenden 60er- und frühen 70er-Jahre und mit dem für diese damalige Zeit so typischen, leicht sehnsüchtigen, melancholischen Touch. "All This Time" ist cool und lässig und nimmt phasenweise diese gefühlsgeladenen Momente aus "On The Run" auf, braucht aber einige Durchläufe, um richtig zu zünden. Ziemlich stark ist das Solo im hinteren Drittel des Songs. Ich skippe mal weiter, bei "Arrival" war sowas noch undenkbar und ab geht es mit dem richtig voranpreschenden "Hidden Streams". Klar gibt es hier fantastische Gitarren und auch am Songwriting hat das Trio ordentlich gefeilt, vielleicht aber eben den Tick zu viel, denn richtig eingängig ist das ebenfalls nicht. Bei "Reset" machen die Nordmänner wieder alles absolut richtig. Die Riffs sind Weltklasse und in der etwas doomigen Grundstimmung ist der Hörer sofort drin. Dabei groovt es ohne Ende und auch die Widerholungsteile sitzen perfekt. Die Nummer werden wir mit Sicherheit live in perfekter Manier präsentiert bekommen. Der Sommer ist noch nicht zu Ende und schon kündigt "Nebula", in seiner dunklen, leicht depressiven Stimmung, vollgestopft mit Psychedelic, von den ersten Nebelschwaden der kommenden Herbsttage. Dunkle, ja fast an eine Kirchenorgel erinnernde Klänge, gespielt bei einem Trauergottesdienst, leiten in "Farewell" ein. Ja, es folgt ein Ritchie Blackmore – Riff und diese Klampfe taucht auch immer mal wieder auf. Ungewöhnlich progressiv und komplex ist diese neunte Nummer allerdings ansonsten gehalten, klingt hier und da etwas quer und meines Erachtens auch ziellos.

Den sogenannten roten Faden finde ich so gar nicht und so bleibt "Farewell" für mich, selbst nach dem vierten Durchgang, ehe eine verzichtbare Nummer. Mit "Tune Out" samt viel Ruhe und Muße, sowie ein paar Anleihen bei The Beatles ("Maxwell´s Silver Hammer"), geht es hinaus aus dem vierten Opus von The Vintage Caravan. In der Summe ist Scheibe ein gutes Rockwerk, mit zwei Monstertracks, viel Klasse aber eben auch mindestens einem Schnitzer. Als absoluter Fan der drei Isländer bin ich allerdings enttäuscht und habe dies auch oben begründet. Es fehlt der Scheibe in vielen Songs an Eingängigkeit und manchmal wurde über das Ziel hinaus komponiert. Vielleicht habe ich auch zu viel erwartet und völlig übersehen, dass man so einen Vorgänger wie "Arrival", gar nicht mehr wiederholen, geschweige denn toppen kann. Allerdings finde ich persönlich auch die beiden anderen Vorgänger besser. Wohl wissend, dass ich mit meiner Meinung eher isoliert bin, und das Ding, gehypt von Nuclear Blast, wie warme Semmel über die Ladentheke gehen wird, möchte ich noch erwähnen, dass auf dem Digi-Pack und den in differenten Farben erwerbbaren Vinyls, noch "The Chain", ein Fleetwood Mac-Cover Song als Bonus drauf gepackt wurde.

Note: 7.5 von 10 Punkten
Autor: Andreas Gey


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