PRIMAL FEAR - APOCALYPSE


Label:FRONTIERS
Jahr:2018
Running Time:50:13
Kategorie: Neuerscheinung
 
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Primal Fear ist die härteste Band von Sänger, Bassist, Produzent, kurzum Tausendsassa Mat Sinner (Mat Sinner, Sinner, Primal Fear, Rock Meets Classic) und wurde 1997, zusammen mit dem ehemaligen Gamma Ray - Shouter Ralf Scheepers und dem Gitarristen Tom Naumann ins Leben gerufen. Seit ihrem Debütalbum "Primal Fear" von 1998, gehört die Band, mit den weiteren Mitglieder Alex Beyrodt (Gitarre), Magnus Karlsson (Gitarre, Keyboards) und Francesco Jovino am Schlagzeug, zur deutschen Sperrspitze in Sache Power Metal / Heavy Metal. Nach "Rulebreaker" aus 2016, voll gepfropft mit brachialer Härte und teutonischem Stahl, liegt nun mit "Apocalypse", das zwölfte Album vor. Mit dumpfen Herztönen, Glocken und chorartigem Kirchengesang, gefolgt von majestätischen Riffern, geht es mit dem Intro in das knapp fünfzigminütige und zehn Songs umfassende Opus hinein. "New Rise" ist eine speedige Metalgranate, mit durchweg stampfenden, mächtig groovenden Rhythmen, brettharten Refrains, fetzigsten Soli und einem blendend aufgelegten und sehr variantenreichen Ralf Scheepers. Das rauere und ziemlich harte "The Ritual", mit fantastischen, nach rund zweieinhalb Minuten eingestreuten Leads, lässt der Nackenmuskulatur nicht den Hauch einer Chance und gibt sich durchweg fordernd.

Mit ambienten Gitarren steigt das hymnenhafte angelegte "King Of Madness" ein, das im Folgenden mit mehrstimmigen Wiederholungsteilen, melodiösen Gitarren und einem sich toll akzentuierendem Sänger, großartig daherkommt. Ich mag die alten Scheiben von Primal Fear und auch „Rulebreaker“ war allererste Sahne. Hier reiht sich nahtlos das heftige, fetzige und super abrockende "Blood, Sweat & Fear" ein, welches nur eine Richtung kennt, nämlich mit Karacho nach vorne oder direkt von hinten in den Allerwertesten. Überflüssig zu erwähnen, dass die Gitarrenfront in bester Manier abliefert und egal, von wem das jeweilige Solo gezockt wird, die drei Jungs sind alle Meister an der sechssaitigen Klampfe. Mit "Supernova" wird ordentlich Gas rausgenommen aber keineswegs die Bremse reingelegt und balladesker Kitsch verzapft, sondern in beinahe epischer Weise etwas ganz großartiges zelebriert. Ralf Scheepers ist nicht nur ein muskelbepackter Kraftprotz, sondern beweißt hier zum wiederholten Male, dass er zu den absolut besten deutschen Sängern gehört, wenn ihm nicht sogar die Krone im Metalbusiness gehört. "Hail To Fear" steht stellvertretend für die neuen, experimentierfreudigen Primal Fear, mit feinstem, etwas komplexerem Songwriting, kraftvoller Power, tollen Tunes und leicht progressivem Einschlag an den Gitarren. Etwas gewöhnungsbedürftig, meines Erachtens auch zu rau, vielleicht hat man hier auch einfach zu viel ausprobiert, kommt "Hounds Of Justice" daher.

Mit der Zeit kriegt man aber einen ganz guten Draht zu den dunklen, treibenden Brettern, phasenweise erinnert das sogar an Judas Priest auf ihren Konzeptalben und am Ende klingt es sogar irgendwie orientalisch. Ganz stark wird dann das kompromisslos durchrockende "The Beast" mit auffälligen, sehr dunklen Refrains nachgelegt. Mit dem langen "Eye Of The Storm" belegen Sinner, Scheepers & Co. nochmal ihre Fähigkeit großartige, erhebende Werke zu kreieren, die in ihrer Komplexität, mit auch enthaltenen ruhigen und klassisch inszenierten Anteilen, mit den sogenannten Metalopern von beispielsweise Tobias Sammet´s Avantasia, ganz locker mithalten können. Mit dem druckvollen, gleichermaßen melodischem und mit einem tollen Wiederholungsteil ausgestatteten "Cannonball" verabschieden sich Primal Fear, von einem spannenden, abwechslungsreichen und gewohnt druckvollem Album. Dieses stellt sicherlich die Spitze ihrer bisherigen Entwicklung dar und dürfte damit konsequenterweise gleichsam zu einem der besten Metal-Alben des Jahres avancieren. Natürlich geht es immer irgendwie noch besser. Für den Vorgänger "Rulebreaker" gab es von CROSSFIRE neun Punkte. "Apocalypse" ist besser, weil interessanter, cleverer und variantenreicher bei gleicher Durchschlagskraft.

Note: 10 von 10 Punkten
Autor: Andreas Gey


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