GRAI - ASHES


Label:NOIZGATE
Jahr:2017
Running Time:49:46
Kategorie: Neuerscheinung
 
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Kurz vor Jahresende haben die sechs Russen von Grai, mit ihrem dritten Studioalbum „Ashes“, eine Scheibe in die Pagan Metal Welt gesetzt, welche es in sich hat. Nach einem pompösen Orchesterintro legt das Sextett auch schon voll los: In „Song Of Dead Water“, bekommt der Zuhörer zunächst ein ruhiges Intro bestehend aus einer lieblichen Flöte und gezupften Gitarren vorgegaukelt, um dann sogleich in ein brachiales Pagan Metal Inferno überzugehen, in welchem alles enthalten ist, was das Metalherz begehrt: Peitschende Double-Bass Attacken und schnelle Gitarrenriffs. Die bereits erwähnte Flöte, ist von diesem Wechsel ziemlich unbeeindruckt und spielt mit ihrer faszinierenden Ruhe einfach weiter. Der Gesang wechselt zwischen Frauenstimme und growlender Männerstimme hin und her und der ruhige Teil des Anfangs findet sich zwischendrin als Zwischenpart wieder, was einmal mehr die Vielfältigkeit von Grais Sound unterstreicht. „A Water Well“ beginnt mit einem regelrechten Nackenbrecher Metalpart, untermalt von einer Maultrommel. Im Wesentlichen ist dieser Titel instrumental gehalten, nur ab und zu ist Gesang zu hören. „Darkness With Me“ setzt den abwechslungsreichen Stil der CD fort. Hier hört man einmal mehr, dass keine europäische Band am Werk ist, sondern eine, welche ihre fernöstlichen Einflüsse mit voller Wucht in ihre Musik einbindet. „Donya“ punktet eindeutig mit dem mehrstimmig gehaltenen Leadgesang. Die Mystik und zugleich ungestüme, an Breakdowns erinnernde Rhythmik, verschmelzen hier perfekt miteinander und bilden ein irres Klanggebilde. Gegen Ende des Songs folgt ein ruhiger Part, welcher zunächst die Ruhe vor dem Sturm vorgaukelt, sich jedoch als lang gezogenes Outro entpuppt, das einen gefühlvollen und zugleich wilden Track zu Ende gehen lässt. „Tread Of Winter“ setzt den bereits genannten Stil der Band fort: düstere Growls in den Strophen und weibliche Chorusstimme… insgesamt sehr rhythmisch. „Shade“ bringt überraschenderweise einige Thrash Metal Elemente mit, welche sich mit Groove Metal und Folk Parts abwechseln. Die Folk Parts enthalten einen geradezu monströsen, fernöstlichen Einschlag, ganz nach meinem Geschmack. Das Titellied des Albums erweist sich als ein verträumtes, sehr ruhig gehaltenes Stück, welches einmal eine kleine Auszeit von den wummernden E Gitarren bietet. Genauso geht es mit „Fortress“ weiter, ein im dreiviertel Takt gehaltener Beitrag, in welchem der Männergesang erstmals clean zu hören ist, zahlreiche Folkinstrumente ihr bestes dazu geben, dass dies zunächst eine nachdenkliche, melancholisch anmutende Ballade wird. Zwischendurch jedoch wird auch wieder gegrowlt und die Gitarren werden wieder ein wenig von der Leine gelassen. „Farewell“ läutet dann so langsam das Ende der Platte ein und beschließt gleichzeitig das Ende der Balladenreihe. Aber halt, Abschalten ist jetzt noch längst nicht dran, denn nun folgt zum Abschluss noch ein Cover der Band Rotting Christ. „Pir Threontal“ im Grai-Gewand kommt mehr als interessant und abwechslungsreich an. Der Sound der Folkinstrumente erinnert stark an In Extremo. Lange Rede kurzer Sinn: Wer im Bereich Pagan Metal etwas Neues und Ungehörtes sucht, der ist bei Grai auf jeden Fall genau richtig. Komplex ausgearbeitete Songstrukturen, durchdachte Gitarren- und Folkinstrumentenarbeit, dazu ein ausgewogenes Zusammenspiel der beiden Stimmen – das ist das Erfolgsrezept des russischen Sextetts. Anhören ist unbedingt empfohlen.

Note: 8 von 10 Punkten
Autor: Clemens Steinberg


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