BOOL - FLY WITH ME


Label:BOERSMA
Jahr:2017
Running Time:51:48
Kategorie: Neuerscheinung
 
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Anfang September 2017 erschien das dritte Album des nordrheinwestfälischen Quartetts, mit Sitz in der ehemaligen Stahlmetropole Duisburg. Die Mannen um Sänger / Shouter Karsten "Didi" Dittberner, bezeichnen ihren Stil als "Grunge Addicted Rock Music". Da sind wir mal auf das alternative Zeugs mit Querverweisen in die 90er- und frühen 2000er-Jahre gespannt. Mit brettharten Gitarren ballert "Here We Are" los und umgehend fällt der dazu krass im Gegensatz stehende, recht weiche, ja mit viel Catchiness ausgestattete Gesang auf. Aber Karsten kann auch richtig heavy singen und das beweist er auf dem Fuße. Die Wandelbarkeit des Sängers geht gleich mit dem schwerer, dunkler aber gleichsam melodischer angelegten "Soul Train" weiter, wo er, noch dazu schmachtend, auf Gothik- / Dark- Rocker macht. "Shut Up" rockt richtig gut, mit feinen Gitarren aber auch hier warten Bool mit langsamen und sehr mitnehmenden Zwischenteilen auf. "Kick Arse" schlägt in eine ähnliche Kerbe mit guten, progressiv rockigen Gitarren, weicheren Parts aber auch richtig drückenden, klar im Alternative angelegten Momenten. Kompositorisch kann auch das überwiegend balladeske "My Own Heaven" überzeugen. Ihre Stärke haben Bool jedoch in den metallischen und dann meist auch sehr groß inszenierten Einlagen, mit beispielsweise fast hymnenhaft intonierten Refrains.

Punkig, rotzig rauscht "Revolution" daher, bevor bei "Hey You", erstmalig zur Akustikklampfe gegriffen wird. Das derbe, laute Getümmel gemixt mit Sanftheit und radiotauglichen Einheiten, setzt sich auch bei "You And Me" fort. Das klingt hier allerdings, wie schon zigmal gehört und auch "Desire" versprüht, im konsequenten Laut-Leise-Modus, keinen neuen Glanz. Spätestens mit der zehnten Nummer "Same Mistake", wieder nach Schema F durchgezogen, zappt man dann zügiger weiter und erreicht mit "Yesterday" die nächste Schmachtnummer, die diesmal zumindest weitestgehend im eingeschlagenen Modus bleibt. Bei "Love Is The Answer", wird es mit zusätzlichen Streichern und extremem Weichspülgesang nun schon übertrieben schmantig und, am Titel "Right Or Wrong" erkennt man schon, dass Sabber und radioaffines Gejammer, bis zum bitteren Ende erklingen. Was anfangs noch zum genaueren Hinhören reichte und hier und da auch ein anerkennendes Nicken erzeugte, verkommt auf Dauer immer mehr zur Langeweile und zum Allerweltsgejamme. Fans von Creed, Nickelback oder ähnlichen Combos aus dem Post-Grunge, sollten aber dennoch mal ein Ohr riskieren. 

Note: 5.5 von 10 Punkten
Autor: Andreas Gey


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