ADVENA - REALITÄT


Label:SELBSTVERTRIEB
Jahr:2016
Running Time:45:47
Kategorie: Eigenproduktion
 
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Advena aus Niederbayern entstanden im Jahr 2012. Vier Jahre zogen ins Land, bis das Debüt „Realität“ schließlich das Licht der Welt erblickte. Elf Songs, die nicht im Proberaum, sondern komplett am PC entstanden sind, sind darauf enthalten. Auf ihrer Facebook-Seite steht als Bezeichnung für ihre Musik Progressive Metal, was das Keyboard-Intro des Openers und Titelsongs auch zunächst zu bestätigen scheint. Doch schon nach knapp anderthalb Minuten wird man schnell eines Besseren belehrt. Moderne Riffs und aggressiver Gesang ertönen. Advena spielen eine abgefahrene Mischung aus Melodic Death Metal und Metalcore. Was jedoch immer noch progressiv ist, ist das technisch versierte Zusammenspiel der Band. Wer „normalen“ Progressive Metal im Stil von Dream Theater oder Fates Warning mag, sollte aber vorher gewarnt werden! Dass das Keyboard mit kurzen Solo-Einlagen immer wieder auftaucht, macht das Ganze interessant. Es klingt fast schon spacig. Aber ansonsten gibt es hier tiefe Gitarren, stampfende Riffs, Breakdowns und eine Menge Hüpfcore. „Herztod“ beginnt mit orientalischen Klängen, bevor es wieder für Metalcore typischen abgehackten Riffs gibt. Das Keyboard klingt hier wie ein Chor im Hintergrund, es gibt klaren Gesang und eine Snarefigur, die wie ein Maschinengewehr klingt. Hier fällt aber auch der sterile, leblose Drumcomputer negativ ins Gewicht. Überhaupt bin ich sehr zwiegespalten, was dieses Album angeht. Die Musiker sind super, einige Ideen auch,  es gibt einige Passagen, die mir richtig gut gefallen. Aber auf der anderen Seite fehlt mir hier auch etwas der rote Faden. Advena wollen zu viel auf einmal und verschachteln ihre Songs mit unnötig vielen Parts. Es passt zum Genre, dass die Produktion künstlich und kraftlos klingt. Wenn sie aber mal drauflos knüppeln, wie zum Beispiel im Mittelteil von „Lass Es Regnen“, dann kommt die Musik richtig geil rüber. Hier gibt es sogar Blastbeats! Abgefahren! „Splitter“ ist ein fettes Groove-Monster. „Aurora“ hinterlässt mit vielen elektronischen Effekten einen faden Beigeschmack. Die quietschenden Gitarren erinnern auf einmal an Machine Head. „Am Siebten Tag“ und „FFM“ erinnern dann schon am ehesten an Melodic Death Metal aus Schweden und gefallen mir auch am besten. Am Ende gibt es mit „Wasser Zu Wein“ noch ein schönes Instrumental mit akustischen Gitarren und Pianoklängen, die für einen harmonischen Ausklang sorgen. Ein Novum bei solcher Musik ist mit Sicherheit die Tatsache, dass die Texte auf Deutsch gehalten sind. Wie gesagt: Viele gute Ideen, aber unterm Strich zu viel Chaos. Ob das bei Melodic Death Metal-Fans, die sich ja mittlerweile ohnehin häufig auch mit modernen Klängen in der Musik auseinandersetzen müssen, gut ankommt, wird die Zeit zeigen…  

Note: 6.5 von 10 Punkten
Autor: Daniel Müller


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