LIV SIN - FOLLOW ME


Label:DESPOTZ
Jahr:2017
Running Time:45:09
Kategorie: Neuerscheinung
 
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Schwang im Sound von Sister Sin die Rock 'n' Roll Keule, wedelt nun bei Liv Sin die grobe Metalabrissbirne. Der Opener titelt "The Fall" und bietet damit den Fans Spekulationsspielraum nach dem Ende von Sister Sin, zumal Liv mit einem beeindruckenden Befreiungsschrei loslegt. Zusammen mit dem quasi-Titelstück "Hypocrite" und der bereits bekannten Auskopplung "Let Me Out", ein Song mit gewohnter Sister Sin Attitüde, bekommen wir es hier mit einem Dreierschlag erster Kajüte zu tun und es ist jetzt schon klar, das Album ist der Hammer. Und das zweieinhalb Jahre nach dem "Lotus Eater", was für ein Metalbrett. Zu meckern gibt’s hier gar nix. Mit einem Bein in den Neunzigern sind die an der Schule orientierten elf Songs schon einen Deut moderner, ja, aber sie werden von der besten Shouterin im Metal präsentiert, mit zwei fetten Gitarren an ihrer Seite. Bei alle Facetten ihrer Stimme und erlernter Sangeskunst, die sie hier zeigt, bleibt ihre Paradedisziplin, und dankenswerter Weise auch ihr vornehmlicher Stil, die kräftige Brüllstimme, so intensiv wie bei sonst niemandem ihres Geschlechts. Habt ihr Liv schon mal eine richtig schmalzige Ballade singen hören? Wird man so schnell auch nicht, auch wenn einige Songs leiser oder akustisch beginnen. "Black Souls" steigert sich sogar mit Doublebass wie ein Maschinengewehr. Würde Liv eine Ballade singen, weiß der Fan wie das klingt, weil er schon mal "Morning After" gehört hat und das Sündenschwester Debütalbum "Dance Of The Wicked", auf dem Liv ihren Stil noch finden sollte und "Paint It Black" von den Rolling Stones sang. Nun im Jahr 2017 geht sie mit Metalgitarren voran und hat inzwischen ihre ganz eigene Handschrift. Der eigenwillige Chorus von "Godless Utopia" ist ein Grower, der wie so einige Ideen erst auf den zweiten Hör zündet, ganz entgegen der catchy Soli. Das ist also Material zum zigmaligen Wiederhören und definitiv mit reichlich Charakter. Cool auch wie so ein Groovebohrer wie "Emperor Of Chaos" mitten auf die Zwölf klatscht. Kurz vor Schluss sorgt ein originelles Cover für ein weiteres Ausrufezeichen, das mit Jyrki 69 von The 69 Eyes im Duett gesungene "Immortal Sin" von Fight, im Original auf Rob Halfords erster Soloscheibe nach Judas Priest. Hat Pfund das Dingen, ist nah am Original und durch seine Straightness im Midtempo kein Aushängeschild, das für das Album spricht, aber dennoch die zweite Auskopplung. Und ja, der Sound kommt von Stefan Kaufmann (ex-Accept, ex-U.D.O.) und Fitty Wienhold (U.D.O., ex-Bullet) und ist wie bei Sister Sin schön Oldschool. So muss das, die Fans stehen Gewehr bei Fuß. Nur scheinen in Germanien die Konzertveranstalter zu schlafen, als ob Liv mit ihrer alten Band hier nicht genug live zu sehen war, dass man nicht um die Qualitäten wüsste. In Sachen Gesang, Songs, Optik und Show hätte man mit Liv Sin ein Highlight im Billing. Aber das Jahr ist ja noch recht jung und Winterschlaf dauert nicht ewig. "Follow Me" ist jedenfalls laut genug, nicht überhört zu werden! Nur Gutes verdient den Namen Heavy Metal!

Note: 8.5 von 10 Punkten
Autor: Joxe Schaefer


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